Donnerstag, 15. August 2019

Epfach / Abodiacum

Das südlich von Landsberg auf der Westseite des Lechs gelegene Epfach, Teil der Gemeinde Denklingen, war zur Römerzeit ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Hier traf sich die Nord-Süd-Verbindung vom römischen Augsburg in Richtung Füssen und weiter über die Alpen mit der Ost-West-Verbindung von Salzburg, Gauting, Raisting nach Kempten und Bregenz.

Epfach / Abodiacum

Gleich mit der römischen Eroberung des Alpenvorlandes soll schon 14 v.Chr. auf dem ein paar Fußminuten von Epfach entfernten Lorenzberg ein Militärposten errichtet worden sein, der 50 n.Chr. in eine Ansiedlung im Bereich des heutigen Epfachs überging. Die beste Zeit von Abodiacum beendeten die Alamannen. Nach dieser Zerstörung wurde auf dem Lorenzberg eine befestigte Siedlung gebaut, die sich noch einige Zeit halten konnte.

Angeregt durch den vor mehr als 200 Jahren bekannt gewordenen Fund der „Venus von Epfach“ gab es schon 1830 Grabungen auf dem Lorenzberg. Durch in der Befestigungsmauer verbaute Grab- und Laufbahnsteine erhielt man schon damals Kenntnis über den aus Epfach / Abodiacum stammenden Claudius Paternus Clementianus, der eine glänzende Karriere im römischen Reich machte und sich nach Abschluß seines Dienstes wieder in Abodiacum niederliess.

Museum Epfach / Abodiacum

Das beste Foto, das ich für einen ersten Geländeüberblick gefunden habe, ist im Wikipedia-Artikel über Epfach eingebunden. Der „Blick auf Epfach und den Lech“ ist von der anderen, deutlich höheren östlichen Lechseite aus aufgenommen. Der im Bild sichtbare Geländezipfel zeigt nach Osten, also der Aufnahmort befand sich nordöstlich von der Zipfelspitze. In dem Wäldchen rechts im Bildvordergrund sieht man ein Gebäude, das ist die Kapelle St. Lorenz auf dem Lorenzberg. Im Hintergrund dann Epfach und dahinter die B17 als durchgezogene gerade Linie. Die B17 dürften viele kennen, die schon mal die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau besucht haben. Mein erstes Bild zeigt eine Aufnahme vom Epfach aus der Sicht vom Lorenzberg.

Auf dem Wikipedia-Foto ist links eine Staustufe zu sehen. Die Römerstraße von Salzburg, Gauting, Raisting sollte sich von links hinter dem Wikipedia-Fotografen her kommend entlang der Südseite der fotografieren Lech-Biegung nach unten bewegt, vor der Staustufe den Lech überquert und auf der anderen, westlichen Lechseite die Nord-Süd-Straßenverbindung getroffen haben. Diese Nord-Süd-Verbindung verlief durch das heutige Epfach, traf dann wie gesagt ohne Lech-Überquerung auf die Ost-Verbindung und blieb dann im weiteren Verlauf in Richtung Süden weiterhin westlich des Lechs. Die Westverbindung in Richtung Kempten verlief von Epfach weg zunächst erst nordwestlich und dann ein Stück weit genau westlich auf Denklingen zu.

Erlebnisroute Epfach / Abodiacum

Diese Straßenkonstellation außerhalb Epfachs kann man sich am besten via dem Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Innerhalb Epfachs zeigt der Bayerischen Denkmal-Atlas aber keine Römerstraßen an. Der Verlauf der früheren Schongauer Straße soll aber derjenigen der Nord-Süd-Verbindung Via Claudia entsprechen. Die Schongauer Straße wurde mittlerweile in Via Claudia umbenannt. Ich hoffe, das verwirrt jetzt zusammen mit dem Via-Claudia-Radweg nicht zu sehr. In den Gemischten Links vom Juni bin ich ja auf den Unterschied zwischen der Römerstraße Via Claudia und dem Radweg Via Claudia eingegangen, und nun kommt in Epfach auch noch eine nach der Via Claudia benannte Straße dazu.

Epfach besitzt ein kleines eigenes Römermuseum, das Museum Abodiacum. Das Museum ist meistens frei zugänglich und befindet sich an der Via Claudia. Auf meinem ersten Foto nicht sichtbar ein Stück weit zurück von der Kante links neben der Kirche. Zu diesem Museum sehe man sich unbedingt das Video über einen Besuch von Marion Schieder von münchen.tv an, die hier fachkundig vom Museumsleiter Markus Martin über das Museum und die Epfacher Römer informiert wird.

Nymphäum Epfach / Abodiacum

Ist man selbst vor Ort, muß man sich neben dem Lorenzberg auch das Nymphäum ansehen. Auf meinem ersten Foto ist oben rechts an der Kante das Schutzdach am Claudius-Paternus-Weg zu sehen. Nymphäum und Lorenzberg kann man mit einem Abstecher zur Staustufe verbinden, dann hat man auch ein wenig ein Gefühl für damaligen Aufstieg vom Lech hoch in das römische Epfach.

Meine erste konkrete Erinnerung an Epfach verbindet sich mit diesem Claudius Paternus Clementianus. Der wurde in einem Münchner Vortrag als Beleg für die Weiterexistenz hiesiger keltischer Gemeinschaften und deren erfolgreiches Aufgehen im römischen Reich verwendet. Die Steine, die 1830 über ihn Auskunft gaben, kann man sich in der Bilddatenbank Ubi Erat Lupa ansehen. Als Fundort der Portraitbüste gilt das Heiligtum der Noreia-Isis in Hohenstein. Es gibt einen online frei zugreifbaren Text von 1904 („Claudius Paternus Clementianus, ein Nachfolger des Pontius Pilatus und ein oberbayerischer Landsmann aus Epfach“), nach dem der Vater bei der römischen Eroberung mitgekommen und die Mutter eine Keltin ist. Zwischenzeitlich wurde auch aus dem Vater ein Kelte, der sich als Soldat das römische Bürgerrecht erworben hat. So auf zwei Generationen verkürzt kann man das aber nicht sehen. Da Claudius Paternus Clementianus erst 80 Jahre nach der römischen Eroberung in Epfach geboren wurde, mußten ja schon seine Urgroßeltern mit der Eroberung zurecht gekommen sein. Seine Laufbahn und die Qualität der Venus von Epfach belegen aber, daß man eine glänzende Karriere machen konnte, wenn man in Epfach / Abodiacum mit römischem Bürgerrecht geboren wurde, und daß es damals ein Ort war, an dem man sich nach so einer glänzenden Karriere zur Ruhe setzen konnte.

Augmented Lorenzberg-Reality Epfach / Abodiacum

Bei der Gelegenheit noch der Link zur „Reise nach La Turbie“ (pdf) von Kurt Schrem mit dem Untertitel „Das Tropaeum des Augustus - sein Sieg über die Alpenvölker. Auf der Suche nach den Vindelikern.“ sowie zu den Denkmalpflege Informationen vom Juli 2011 (pdf). Letztere enthalten „Erinnerungen an die Ausgrabungen auf dem Lorenzberg bei Epfach“ zwischen 1953 und 1957 von Hans Peter Uenze. Es geht da wenig um die Ergebnisse der Ausgrabungen, sondern mehr um das Umfeld, in dem sie damals stattfanden.

Der Großteil der noch gefundenen Mauersteine aus der Grabung von 1830 soll zur Finanzierung der Grabung via Lechflößen weggebracht und verkauft worden sein. Ich habe keine Ahnung, wie weit der Lech zur Römerzeit Transportvorteile bieten konnte. Vom frühen römischen Militärposten aus wird man aber den Wasserweg am besten überwachen und blockieren gekonnt haben. Die Römerstraßen sind erst nach Errichtung des Postens gebaut worden. Wobei aber sicher wieder die Idee des Aufsetzens auf vorrömische Wege nahe liegt.

Legionär am Ortseingang von Epfach / Abodiacum

Bei der Straßenverbindung über die Alpen soll mit der Zeit die Via Raetia der Via Julia den Rang abgelaufen haben. Via Bayerischem Denkmal-Atlas kann man die eigenständige auf Augsburg zulaufende Trasse östlich des Lechs finden. Aber es gab anderseits auch Verbindungen herüber zur Via Claudia. Verlief die Via Raetia nach der Alpenüberquerung tatsächlich über diese eigenständige Trasse weiter nach Augsburg oder nutzte sie eine Querspange hinüber zur Via Claudia? Kristina geht auf die Problematik anläßlich ihres Epfachbesuchs ein und favorisiert die eigene Trasse über Raisting. Die Wikipedia setzt derzeit auf eine frühe Querverbindung vor Raisting hinüber in das Lechtal und hat Epfach auf der Via-Raetia-Ortsliste.

Für die Epfach-Vorbereitung würde ich die Lechrain-Geschichte-Website von Alfred Platschka empfehlen. Ich wußte von dem Museum und vom Lorenzberg, habe aber kurz vor der Fahrt noch einen Brunnen als Input bekommen und bin via Alfred Platschka beim Nymphäum gelandet. Man sieht auf einem von Alfred Platschka eingebundenen Foto auch, von wo das Nymphäum ein paar Schritte weiter verlegt wurde und wo sich das Badgebäude befunden hat. Google Maps findet übrigens das „Nymphäum Epfach“, die erwähnte früher neben dem Nymphäum liegende Grundschule Epfach hingegen nicht. Das Gebäude ist mittlerweile verkauft worden. D.h. diese Epfach-Seite wurde schon längere Zeit nicht mehr gewartet.

Aufstieg zum Lorenzberg Epfach / Abodiacum

Auf der Website von Karl Ludwig Wilhelm gibt es ebenfalls Informationen über Epfach. Die Website war schon vor meinem Blog-Start wegen ihrer zahlreichen Fotos ein Anlaufpunkt für Römerstraßen-Interessierte. Ich habe aber den Eindruck, daß seit meiner Vor-Blog-Zeit nichts mehr geändert wurde. Online gestellte Zeitungsartikel sind medienbedingt vernetzten Webseiten wie denen von Alfred Platschka mit vielen Fotos unterlegen. Manchmal sind sie auch noch falsch. Wie bspw. der Artikel, den man via einer Claudius-Paternus-Clementianus-Suche finden kann, darauf kommt, daß diese in Österreich gefundene Büste im Original in der Archäologischen Staatssammlung aufbewahrt wird, ist mir ein Rätsel.

Im oben verlinkten Video ist kurz eine Tafel über der Museumseingangstür zu sehen, nach der das „Museum Abodiacum“ von den Epfacher Vereinen getragen wird. Das Gebäude wird von der Gemeinde Denklingen zur Verfügung gestellt. Ich habe meine Schwierigkeiten damit, jemandem empfehlen zu wollen, was sie oder er ehrenamtlich machen soll. Epfach hat auch schon sehr viel gegeben, man siehe das Museum oder das Nymphäum oder lese die obigen Ausgrabungserinnerungen. Aber eigentlich wäre es gut, wenn die Informationen mindestens im Umfang wie sie Alfred Platschka eingestellt hat, seitens offizieller Kanäle ins Netz kämen. Da würde etwa die aktuell empfohlene Rundwegkarte dazugehören und Informationen, die man sich sowieso im Museum nicht merken kann, wie etwa die dort zu findende Zeittafel. Am besten zweistufig, mit herbeiklickbaren Hintergrundinformationen. Einfache Jahreszahlen war gestern, im Internet ist genug Platz um auch noch die Begründung für die Aussage anzugeben, wenn die jemand haben will. Ich weiß nicht, wie günstig man heutzutage eine große „Venus von Epfach“- und eine Claudius-Paternus-Büsten-Replik bekommen könnte. Diese Epfach-Ikonen Selfie-geeignet als Blickfang vor das Museum und im Hintergrund eine Website mit erschöpfenden Informationen, da wäre man doch gut aufgestellt.

Lechstaustufe 10 Epfach / Abodiacum

Abschließend muß ich noch unbezahlte Werbung für das Gasthaus zur Sonne hinter dem Museum machen. Zum einen hat das Gasthaus unwissentlich diesen Beitrag etwas gesponsert, weil wir schon vor dem Event, zu dem wir eingeladen waren, auf seinem Parkplatz geparkt haben (im Video da rechts hoch, wo Marion Schieder und Markus Martin eingangs herlaufen). Zum anderen habe ich jetzt immer wieder Visionen von einer Schweinshax'n mit Knödeln und Krautsalat und mehr als einem Bier und mich hinterher ins Auto fallen und nach Hause chauffieren zu lassen. Bei dem Event gabs wegen abends und später Kuchen eine angepasste kleine Speisekarte ohne Schweinshax'n. Ich habe „etwas Leichtes“ genommen und nur ein Bier getrunken, weil ich nachts noch selbst fahren mußte.

Samstag, 27. Juli 2019

Steinzeitfilm „Alpha“

Der Film „Alpha“ ist im letzten September in die deutschen Kinos gekommen. Er spielt in einem Europa 20000 Jahre vor unserer Zeit. Ein junger Mann darf zum ersten Mal mit der Elite seines Stammes auf Bisonjagd gehen. Im Bonusmaterial der Blue-Ray Disc wird das noch etwas ausführlicher ausgeführt: die Gruppe ist Teil der Solutréen-Kultur, das Überleben dieses Teils der Menschheit ist extrem gefährdet, jede Bisonjagd muß zum Erfolg werden. Mit den Bisons sind die europäischen Bisons gemeint. Wisente, die man in dem Fall herdenweise über eine steile Felsklippe scheucht. Auf dem Weg zu den Bisons sieht man im Film in der Ferne vorbeiwandernde Mammuts und die Jagdgruppe muß sich vor Säbelzahnkatzen in Acht nehmen.

Bei seiner ersten Bisonjagd wird der junge Mann von einem der Tiere auf's Horn genommen und ebenfalls über die Klippe geworfen. Er bleibt bewußtlos unerreichbar für seine Jagdgefährten auf einem Felsvorsprung liegen. Die anderen halten ihn schließlich für tot und machen sich auf den Weg zurück in ihr Lager. Der junge Mann erwacht aus der Bewußtlosigkeit, kann den Felsvorsprung verlassen und muß sich auf dem eigenen Heimweg einer Gruppe Wölfe erwehren. Dabei verletzt er einen Wolf schwer. Statt ihn zu töten pflegt er ihn, die beiden freunden sich an, überstehen noch einige Gefahren, bei denen sich der Wolf als überaus nützlich erweist, sie erreichen das heimische Lager und es gibt ein Happy End.

Den Film habe ich erst im Januar durch den Tweet von Martin Porr richtig wahrgenommen. Martin Porr stellt darin die Nähe der im Film sehr schön gelungenen Schamanin zu der von ihm für das Museum Halle mitgestalteten fest. Wenn ich seine Antwort auf eine Tweet-Rückfrage richtig interpretiere, scheint der Film noch einiges anderes aus europäischen Steinzeitfunden übernommen und atmosphärisch stimmig umgesetzt zu haben.

Wegen der „junger Mann freundet sich in der Not auf die Schnelle mit einem Wolf an“-Story habe ich den Film aber trotzdem hintenangestellt - irgendwann sehe ich die DVD zum Ausleihen in der Stadtbibliothek oder günstig als Kaufversion. Für mich überraschend war dann recht schnell eine Blu-Ray Disc verfügbar. Die Münchner Stadtbibliothek hatte relativ viele gekauft. Und beim weiteren Nachsehen habe ich gemerkt, daß man die Blu-Ray auch günstig selbst kaufen kann.

Die Blu-Ray Disc enthält neben der Filmfassung auch einen Director's Cut sowie diverses Bonusmaterial. Die Steinzeitleute sprechen eine eigene Sprache, die kann man sich entweder übersetzen lassen oder mit Untertiteln ansehen. Ich habe die Director's-Cut-Version mit Untertiteln angesehen sowie zusätzlich für diese Besprechung den Anfang und das Ende der Kinoversion. Nähere Infos zu den Unterschieden findet man bei Schnittberichte.com.

Die Geschichte mit dem Wolf kam jetzt im Film nicht als befürchtete schlimme Soße rüber. Wenn man sie als Allegorie eines über einen langen Zeitraum geschehenen „so kam der Mensch auf den Hund“ sieht, ist sie im Film schön umgesetzt. Und wir haben ja vermutlich alle auch schon entsprechende Erwachsenenfilmerfahrungen mit angefreundeten Aliens oder Künstlichen Intelligenzen. Es gibt schon herbe Brüche, wenn etwa der neue Wolffreund mit seinem alten Wolfrudel kommuniziert und die von einer weiteren Mensch-Bejagung absehen, das Rudel bei der Erstbejagung aber noch ganz Wolf war und ihnen diese komplexe Intelligenz abging. Aber das ist geschenkt, mein persönliches Highlight ist sowieso eher der Pfeilschuß, mit dem der junge Mann in einer dunklen Eishöhle schlagartig eine große mit dem verteidigenden Wolf kämpfende Säbelzahnkatze erlegt.

Man glaubt im Film gewisse Linien zu erkennen, die nicht richtig ausgeführt werden. Im Intro der Kinoversion wird auch eine dieser Linien eigens angesprochen. In einer Filmbesprechung wurde die Formulierung „nicht richtig durchinszeniert“ verwendet. Der junge Mann ist z.B. stark Vater-Mutter-bezogen. Mit seinen Eltern bildet er im Film eine abgeschlossene Kleinfamilie, an die ich bei realen Steinzeitgruppen nicht glaube. Selbst wenn es die familiäre Konstellation gegeben hätte, wäre der junge Mann mit anderen Kindern aufgewachsen und hätte zu denen ebenfalls Bezüge aufbauen müssen. Bei dieser Betonung des besonderen Eltern-Konstrukts erwartet man vielleicht irgend etwas ähnlich dem Kinder- und Jugendbuch „The Eagle of the Ninth“. Dieses Buch wäre ein Beispiel für komplette Durchinszenierungen. Im Film Alpha erfüllt sich der aufgebaute Eltern-Bezug nur als Fragment, also knapp vor dem Sterben in Eis und Schnee kommt die Erinnerung an die Eltern und irgendwann dann das Lager sehen und den Eltern mit dem Wolf auf den Armen entgegen laufen.

Im Kino-Intro wird eine Führungsrolle angesprochen, die dann später anläßlich eines in der Nacht heulenden Leitwolfs vom Vater des jungen Mannes weiter ausformuliert wird. In dem Zusammenhang fällt die Bezeichnung Alpha-Wolf. Der junge Mann nennt dann seinen eigenen Wolf Alpha und dominiert den zwar bewußt entsprechend den vom Vater erhaltenen Empfehlungen, hätte ihn dann aber passenderweise eher Beta nennen müssen. Man kann sich aber den jungen Mann trotz Wolf-Dominanz schwer als spätereren Gruppen-Zampano vorstellen. Eher hat er trotz Tötungshemmungen seine Überlebensfähigkeiten unter Beweis gestellt und der Gruppe mit dem neugewonnenen Wolfsfreund Nutzen gebracht, also sich letztlich mit seiner Art in einem massiv auf Kooperation ausgelegten System mit fallweisen Führungsrollen etabliert und Autorität gewonnen. Ohne jetzt zuviel spoilern zu wollen, sorgt die Schamanin mit ihrer fallweisen Führungsrolle für den Abschluß des „so kam der Mensch auf den Hund“-Themas, in dem sie die eigenen Wölfe mit einem kurzen Satz zu Mitgliedern der Gruppe erklärt.

Samstag, 13. Juli 2019

Das neue Grünwalder Gymnasium

Meine alten Fotos vom Baugelände stammen von 2013, damals dürften gerade die archäologischen Untersuchungen abgeschlossen worden sein. Das neue Gymnasium wurde 2014 eröffnet. Die Fotos vom Gymnasium stammen vom letzten Jahr, als wir nach dem dem Besuch der nahen Grünwalder Urkeltin an der ebenfalls archäologisch relevanten Parkgarage vorbei hoch zum Gymnasium sind.

Gymnasium Grünwald

Glücklicherweise kann man sich die Ergebnisse der damaligen archäologischen Untersuchungen ansehen. Die damit beauftragte Firma hat die Grabungsberichte zu ihren Projekten „Grünwald - Neubau Gymnasium“ und „Grünwald - Parkgarage“ in ihre Referenzen frei zugreifbar eingestellt. Wer reinsieht, kann bei der Gelegenheit auch gleich einen Blick auf das ebenfalls benachbarte Projekt „Grünwald - Haus der Begegnung“ sowie auf die Literaturangaben am Ende der Referenzen werfen.

Bauplatz des neuen Gymnasiums Grünwald 2013

Parkgarage, Gymnasium und die Ur-Keltin befinden sich nahe beieinander. Wer die Grünwalder Kreuzung kennt, an der sich die aus den vier Himmelsrichtungen heranführenden Straßen treffen: An der Straße aus dem Süden befindet sich in kurzer Entfernung die Urkeltin. Ähnlich nahe ist an der Straße aus dem Osten die Parkgarage zu finden, nur daß diese Straße in Richtung Osten stark ansteigt. Nach der Parkgarage kommt das ursprünglich ziemlich ebene Gelände des Gymnasiums (mittlerweile gibt es da eine tiefergelegte Sportfläche).

Gymnasium Grünwald

Die zugehörige Denkmalnummer D-1-7935-0011 umfasst im Bayerischen Denkmal-Atlas eine ziemlich große Fläche und sehr unterschiedliche geschichtliche Hinterlassenschaften: „Siedlung der späten Bronzezeit, der Urnenfelderzeit, der Hallstattzeit und der Latènezeit sowie Körpergräber der frühen Bronzezeit, Brand- und Körpergräber der mittleren Bronzezeit, Brandgräber der Hallstattzeit und der Latènezeit und Körpergräber des frühen Mittelalters“. Zum einen kann man hier feststellen, daß man ein informatives Geoinformationssystem differenzierter als den Bayerischen Denkmal-Atlas gestalten müßte. Zum anderen fällt auf, daß man die archäologisch untersuchten Flächen der Parkgarage und des Gymnasiums aus der Rotfläche genommen hat. Also die Flächen, über die man am meisten wüßte, sind draußen. Ich interpretiere das als administrative Aussage: die Fläche ist archäologisch untersucht, die Bodendenkmale sind weg, keine Denkmale mehr für den Denkmal-Atlas da. Das entspricht aber nicht die der Vorstellung, die man von einem vorrangig geschichtlichen Geoinformationssystem hat. Von dem würde man ja erwarten, daß es unabhängig von der späteren Geländeuntersuchung und -überarbeitung den Wissenstand darüber wiedergibt, was sich da mal befunden hat.

Bauplatz des neuen Gymnasiums Grünwald 2013

Die Gemeinde Grünwald engagiert sich sehr für ihr archäologisches Erbe. Ich habe ja mal in „Archäologische Fundstücke kehren an ihren Ursprungsort zurück“ bedauert, daß der vor über 100 Jahren gefundene Schöllbronner Viergötterstein leider nicht in Schöllbronn verblieben ist. Vergleichbar effektiv wie vorher in der alten Kirche ist er nach seinem Auffinden in den Depots verschwunden und die folgenden Generationen von Schöllbronnern haben zu einem guten Teil weder mitbekommen, was ein Viergötterstein ist, noch daß einer in ihrem Ort gefunden wurde. Die Grünwalder Situation ist demgegenüber geradezu goldig. In Grünwald wurden anscheinend schon bei der Planung des neuen Gymnasiums dort Ausstellungsflächen für die lokalen archäologischen Funde vorgesehen.

Parkgarage am Marktplatz Grünwald

Insgesamt ist das ein ziemlich großes Rad, das in Grünwald gedreht wird. Die Webseite der Gemeinde über die Vorgeschichte Grünwalds liefert dazu einige Eindrücke und Stichworte. Tiefer kann man über die in Academia.edu eingestellten „Einblicke in die Vorgeschichte Grünwalds. Ergebnisse eines archäologischen Pilotprojekts“ einsteigen.

Parkgarage am Marktplatz Grünwald

Irritierend ist die fehlende Aufbereitung dieser vielen Informationen durch die Gemeinde. Man würde sich wünschen, daß die Gemeinde die Grabungsberichte oder das obige Academia.edu-pdf und die noch ausstehenden Arbeiten unter ihre Fittiche nimmt und via einem zentralen Anlaufpunkt zugreifbar macht. Ich habe auch seitens der Gemeinde keine näheren Informationen darüber gefunden, was aktuell im Gymnasium ausgestellt wird und wie der Ausstellungsbereich dort aussieht. Das meiste über diese Ausstellung fand ich in den Seiten 14 und 15 im verlinkten Academia.edu-pdf. Das kann es ja nicht sein. Es müßte ja Zeiten geben, an denen die Allgemeinheit die Funde sehen kann, etwa im Rahmen von Führungen, in die die nahen Fundorte eingebunden werden können, und die Gemeinde müßte diese Gelegenheiten bekannt machen.