Sonntag, 12. April 2020

Karfreitags-Besuch der Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrabe

Pullach kam über die Ausgrabungen und die folgende Veröffentlichung von Julius Naue mit dem Titel „Die Hügelgräber mit dem Fürstengrabe bei Pullach (München)“ 1884 zu einem Fürstengrab.

Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrab

Die zugesprochene Bezeichnung „Fürstengrab“ ist ein Konstrukt, das wenige Jahre vor den Ausgrabungen Naues im Umfeld von Ausgrabungen bei der Heuneburg und beim Asperg entstanden ist. Eine bedeutendere Regentschaft konnte in manchen Fällen vermutet werden. Häufig war es aber einfach nur ein herausragendes Keltengrab ohne besondere Hinweise auf eine Regierungsmacht. Im Sinne des herausragenden Keltengrabes scheint mir die Bezeichnung mittlerweile etabliert zu sein, wenn ich an die ein paar Jahre zurückliegende Ausgrabung einer „Keltenfürstin“ im Heuneburg-Umfeld denke.

Infotafel Pullacher Hügelgräber mit dem Fürstengrab

Wobei es dort eine größere Zahl von Großgrabhügeln gab. D.h. das Grab der „Keltenfürstin“ war sicher ein herausragendes Keltengrab, aber vermutlich seinerzeit nicht unter den anderen lokalen Gräbern so hervortretend, wie das Naue für den Pullacher Fall beschreibt. Es ist also vorstellbar, daß in Pullach wirklich ein Chef (w,m,d) begraben lag, der die Macht hatte, sich von einem Kreis untergebener Gemeinden Pferde und Steitwagen stellen zu lassen.

Die Veröffentlichung des später über seine vielen Ausgrabungen promovierten Dr. Julius Naue ist in den „Beiträgen zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns 5“ auf den Seiten 249–273 enthalten. Man kann sich diese Beiträge im Internet Archive ansehen oder sie von dort downloaden. Ich hatte das Internet Archive hier im Blog schon mehrfach verwendet, aber angesichts der aktuell vielfach anfallenden freien Zeit noch der gesonderte Hinweis: Im Internet Archive - manchmal auch einfach als „Archive.org“ bezeichnet - kann man sich ähnlich verlieren wie in der Wikipedia. Die bekannte Wayback Machine, mittels der man sich alte Stände von Webseiten ansehen kann, ist Teil des Internet Archives.

Aussichtspunkt beim Pullacher Gabriel-von-Seidl-Denkmal

Über das Hügelgräberfeld mit dem Fürstengrab hatte ich schon 2011 im ersten Teil meiner damaligen „BayernViewer-denkmal und GPS“-Serie geschrieben. BayernViewer-denkmal wurde mittlerweile durch den Bayerischen Denkmal-Atlas abgelöst. Inhaltlich stecken noch weitgehend die alten Informationen im neuen Denkmal-Atlas. Im vorliegenden Fall ist nur die Rotfläche des Bodendenkmals D-1-7935-0092 mit dem Grabhügelfeld größer geworden und die Kartenansicht scheint mir hinsichtlich der Lage der Grabhügel unbrauchbarer. Aber dafür gibt es jetzt die Reliefansicht des BayernAtlas. Da kann man sowohl einzelne Grabhügel als auch deren Häufung im Bereich des Fürstengrabes besser erkennen, als das seinerzeit mit der Kartenansicht möglich war.

Gabriel-von-Seidl-Denkmal

Dieser Bereich der Grabhügelhäufung mit der auf den ersten beiden Bildern gezeigten Informationstafel liegt ein paar Schritte von einer vielbefahrenen Radstrecke in den Süden von München entfernt. Da wo die beiden Bänke rechts in Bild 3 zu sehen sind, geht es links in den Wald. Über den Denkmal-Atlas findet man die Stelle gut anhand der Nummer D-1-84-139-12 des im Hintergrund zu sehenden Gabriel-von-Seidl-Denkmals.

Blick auf die Grünwalder Burg und die Grünwalder Isarbrücke

Von den beiden Bänken hat man den auf Bild 5 gezeigten Blick auf die Burg Grünwald, die Isar und die Isarbrücke. Die Alpen habe ich von hier wie auch vom Burgturm auf der anderen Seite noch nie gesehen. Julius Naue damals schon, bei ihm gab es im Sommer auch viel Grün. Man lese seinen Text auf Seite 263: „Traten wir dann aus dem Walde hinaus an das hohe und steile Ufer der grünen Isar, die wie eine frische, kräftige Bergmaid, das grüne, kleine Hütchen auf dem Haupte, fröhlich daherrauscht, schauten hinweg über die hohen Wipfel kräftiger Buchen und schlanker Fichten nach dem gegenüberliegenden Schlosse Grünwald und von da über Wiesen, Felder und Wälder nach den fernen, duftig blauen Alpen, über welche sich der klare Aether emporwölbte, so umgab uns ein Bild mit unsagbarem Reize, eine Landschaft so gross, so schön und so eigenartig gestaltet, wie man sie wohl selten in der Nähe einer großen Stadt findet.“

Zu beachten wäre bei Bild 5 die etwa im Bereich der rechten Seite der Burg durchgehende Sichtachse hinüber zu dem in Grünwald weiter ansteigenden Gelände hoch zum neuen Grünwalder Gymnasium. Sowohl das Gelände des Gymnasiums als auch das ansteigende Gelände davor (Parkgarage) wurden mittlerweile archäologisch untersucht. Eine Basis, auf der die Phantasie Naues noch nicht aufbauen konnte. Ob da die Chefs hüben und drüben sich gegenseitig die Grabhügel ihrer Vorfahren präsentierten oder der Fürstengrabhügel von Pullach einen überregionalen Mittelpunkt darstellte?

Infotafel 'Verlauf der Römerstraße durch die Isarschlucht'

Die Römerstraße südlich der Grabhügel erwähnt Naue, die war ihm bekannt, auch die an die Römerstraße erinnernden Gedenksteine gab es schon. Bild 6 zeigt die Infotafel oberhalb des Hohlweg hoch aus dem Isartal, Bild 7 den Gedenkstein an der nahen Bundesstraße B11. Der ist über die Denkmalnummer D-1-84-113-6 im Bayerischen Denkmal-Atlas zu finden. Man möge sich einmal den Verlauf der von Westen auf diesen Hohlweg zulaufenden Römerstraße im Bayerischen Denkmal-Atlas ansehen. Auffällig ist der starke Knick fast am Ende des Forstenrieder Parks, mit dem die Römerstraße in Richtung auf den Hohlweg abbog. Aber es gibt noch weitere leichte Knicks mit folgenden geraden Strecken. Die gerade Linie im Bereich der Autobahn läuft noch direkt auf das Hügelgräberfeld mit dem Fürstengrab zu.

Römerstraßen-Gedenkstein an der B11

Einen kleinen Knaller liefert die Reliefansicht. Man kann mit ihr sehr schön den Hohlweg erkennen. Besonders bemerkenswert sind aber die erkennbaren Materialentnahmegruben an der Römerstraßentrasse. Die Römerstraßen-Linie des Bayerische Denkmal-Atlas wurde im beschriebenen Bereich mittlerweile um rote Ausbuchtungen zu einer „Straße der römischen Kaiserzeit mit begleitenden Materialentnahmegruben (Teilstück der Trasse Augsburg-Salzburg).“ ergänzt (Denkmalnummer D-1-7934-0096).

Freitag, 27. März 2020

Auch was zu Corona

Bei so einem Anlaß will ich etwas allgemein Nützliches an den Anfang stellen und weise auf die BR-Webseiten „Corona-Hilfe: Wichtige Social Media-Gruppen bei Ihnen vor Ort“ und „Auf diesen Plattformen vernetzt sich ganz Bayern zu praktischer Nachbarschaftshilfe“ hin.

Die aktuelle Situation führte in den letzten Tagen sowohl zu vielen Hinweisen auf bestehende online nutzbare Möglichkeiten als auch zu sehr vielen anläßlich Corona neu aufgelegten und in der Regel befristeten Angeboten. Viviane Diederich sammelt derzeit „Links zu Online-Bibliotheken“ und im Weblog Netbib findet man „Kostenlose zusätzliche Kulturangebote“.

Man möge die genannten Links als beispielhaft ansehen und ggf. selbst weiter suchen. Es gibt natürlich eine Vielzahl von Corona-Links, die ich auch in den ersten Abschnitt hätte packen können. Und es gibt auch mittlerweile einige solcher Sammelseiten wie die im zweiten Abschnitt genannten. Und eine Vielzahl von Angeboten, die nicht auf so einer Sammelseite erfasst wurden.

Viviane Diederichs Archäologie-Blog war sowieso schon ein Kandidat für meine „Gemischten Links“. Neben einem Ausgrabungsprojekt im Ackerbürgerhaus in Bärnau ist der Blog der Wechselwirkung von sozialen Medien in der Wissenschaftskommunikation von archäologischer Forschung gewidmet. Man möge bei Interesse dort vorbeisehen und wird dann wegen dieser Wechselwirkung auch gleich Teil des Ganzen werden.

Am letzten Wochenende bin ich der etwas abknickenden Kurve des Robert Koch-Instituts aufgesessen. So ein „Wochenend-Effekt“ mit verzögert eintreffenden Daten war zwar als Erklärung naheliegend, ich wollte aber in so einer brisanten Situation erst einmal nicht daran glauben. Mittlerweile verweist man in der Darstellung auf einen „Übermittlungsverzug“ und zeigt den „Stand gestern“ und die „neu berichteten“ Fälle der vergangenen Tage farblich getrennt an.

Für die fehlenden Datenlieferungen kann der auf der Website genannte Softwarehersteller von Geoinformationssystemen (GIS) Esri nichts. Das ArcGIS im Domain-Namen der Website ist der Oberbegriff für Geoinformationssystem-Softwareprodukte des Unternehmens. ArcGIS kostet, das in meinen letzten „Gemischten Links“ erwähnte QGIS ist eine freie Geoinformationssystemssoftware. Der Risklayer Explorer verweist auf Mapbox und OpenStreetMap. Bei Mapbox wird es etwas kompliziert. Das ist laut Wikipedia „an American provider of custom online maps for websites and applications“ und „the creator of, or a significant contributor to, some open source mapping libraries and applications“. Noch komplizierter war für mich der ArcGIS-Kosmos, als ich mir deren Produktpalette mal anläßlich einer seinerzeit neu angebotenen Coursera-Spezialisierung angesehen habe.

Idealerweise findet man statt mir irgendwo einen GIS-Experten, der einem die Vor- und Nachteile der einzelnen Produktwelten auseinander fieselt. Vermuten können wird man aber schon, daß für eine Nebenher-Beschäftigung ohne besondere Refinanzierungs-Perspektive eine weit verbreitete kostenlose Variante zumindest für den Anfang ganz interessant sein könnte. Im Falle QGIS scheint sich das auch mit der Verwendung in unserem Archäologiesystem zu treffen - siehe die QGIS-Rezensionsangebote der DGUF, die ich in den „Gemischten Links“ erwähnt habe, oder das kostenlose iDAI.tutorial, das die „Pressestelle des Deutschen Archäologischen Instituts“ vor einer Woche angepriesen hat.

Abschließend noch der Hinweis auf den am 2. April beginnenden „zweiten Lauf des MOOC 'Discovering Greek&Roman Cities'“. Der „erste Lauf“ begann im September letzten Jahres, vielleicht findet man Erfahrungsberichte. Ich hatte in seinerzeitigen „Gemischten Links“ auf den MOOC hingewiesen.

Dienstag, 10. März 2020

Gemischte Links

„Wie ist das jetzt eigentlich mit.... - Imbolc?“ ist vor etwas über einem Jahr im Wildschrat-Blog erschienen. Die zeitliche Angabe „vor etwas über einem Jahr“ ist wichtig, weil man da noch den Start der Schneeglöckchenblüte beobachten konnte, die für die Imbolg-Bestimmung wichtig ist. Dafür ist es jetzt zu spät, aber man sieht die Schneeglöckchen wenigstens noch und die erinnern eventuelle Blühstartbeobachtungsinteressenten vielleicht daran, daß sie sich dieses Vorhaben für das nächste Jahr notieren wollten.

Den Wildschrat-Blog habe ich über den Eintrag „Besuch bei der Drei-Bethen-Quelle“ beim Ego-Googeln entdeckt. Bei der Gelegenheit auch die mit ziemlich vielen deutschlandweiten Besuchsberichten sehr durchsehenswert bestückte Godeweg-Website.

Bei mongout geht es nicht um Bezüge zu alten Quellheiligtümern, sondern um „leckere Rezepte zum Kochen und Backen“. Ich schaue da immer rein, wenn etwas Neues vorbeitwittert. Habe auch schon Links intern weitergereicht und im Falle des „Rezepts für mega leckere Burger-Buns (Brioche)“ geht es für mich sogar um einen Zeitsprung, nur halt nicht in die graue Vorzeit bis Spätantike, sondern ich hoffe via Ausprobieren des Rezepts auf ein aktuelles Burger-Level zu kommen. Vor dem Lesen hatte ich nicht mal Kenntniss von den mittlerweile in großer Auswahl erhältlichen Burgerpressen! Die drei genannten Kriterien mögen für eine Erwähnung im Blog hinreichend sein.

Der im Januar empfohlene MOOC „Data Engineering und Data Science – Klarheit in den Schlagwort-Dschungel“ passte so direkt auch nicht zu meinem Blog-Zeithorizont. Indirekt glaube ich schon. Meine Argumentation ist naheliegend: in diversen Institutionen im Umfeld meines Blog-Zeithorizont fallen ja auch viele Daten an. Naja, und vermutlich erwähnt die OpenHPI-MOOCs in dem Umfeld sonst keiner, also muß ich das wohl machen.

Morgen beginnt mit einer „praktischen Einführung in Deep Learning für Computer Vision“ ein vermutlich weniger allgemein zugänglicher Kurs. Als Vorwissen sollte man grundlegende Programmierkenntnisse, vorzugsweise in Python, und Mathematikkenntnisse auf Abiturniveau mitbringen. Einen Kurs zu Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen für Einsteiger, für den man keine Vorkenntnisse benötigt, wird von OpenHPI ab dem 8. September angeboten.

Die DGUF (Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V.) hat aktuell für ihre „Archäologischen Informationen“ die neue Rezensionsrubrik „Archäoinformatik“ (pdf) eingeführt. Bei den Rezensionsangeboten sehe ich derzeit die Stichworte R (Statistik) und QGIS (Geoinformationssystemssoftware).

Für zugleich R- und Archäologie-interessierte Leserinnen und Leser besonders beachtenswert ist das in den Rezensionsangeboten nicht in der Rubrik „Archäoinformatik“, sondern unter „Selfpublisher“ aufgeführte Buch von Frank Siegmund „Statistik in der Archäologie. Eine anwendungsorientierte Einführung auf Basis freier Software“. Das Buch gibt es sowohl käuflich in einer gedruckten Fassung als auch als kostenlos downloadbares pdf der Preprint-Version zusammen mit den Übungsdateien via der Website von Frank Siegmund.

Am letzten Samstag gab es im BR-Wissensmagazin „Gut zu wissen“ schöne Bilder vom Ipf. Wie ich in meinem Text über den den Ipf bei Bopfingen geschrieben habe (die alten Links funktionieren dort aktuell noch), durfte ich den Ipf zwar vom Zug aus sehen, bin aber leider auf dem noch nie herumgelaufen. In der BR-Sendung ging es um einen zur archäologischen Schatzgrube werdenden Brunnenfund. Dazu bietet der BR noch einen einen Tag früher datierten Text an: „Was ein keltischer Brunnen über das Leben der Kelten verrät“. Anlässlich des BRs will ich wieder erwähnen, daß ich unterlegte Links, die nicht mehr funktionieren, bei Gelegenheit gern wieder rausnehme.

Irritiert hat mich das „Superfood der Kelten“ Physalis. Analog meiner Burger-Lücke habe ich auch eine bei Physalis, also ich bin da unsicher. Aber so nach Internet-Recherche könnten die Kelten möglicherweise nur über Physalis alkekengi verfügt haben, die wird hier etwa bei der Deutschen Gesellschaft für Hydrokultur e.V. als Giftpflanze aufgeführt: „Die rote, säuerlich schmeckende Beere dürfte, wenn sie reif ist, ziemlich harmlos sein. Allerdings sind einige Fälle von Kleinkindern mit Durchfall, Übelkeit und Bauchkrämpfen bekannt geworden.“ Der Urspung der in die ganze Welt exportierten Kapstachelbeere (Physalis peruviana) soll hingegen in Südamerika liegen.