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Donnerstag, 26. September 2013

Städtisches Museum Bruchsal

Das am östlichen Rand des Rheintals liegende Bruchsal dürfte überregional vielen nur wegen der Bahnlinie bekannt sein, die hier von der Rheintalstrecke abzweigt und in Richtung Osten führt. Ähnlich könnte das für das südlich von Bruchsal liegende Ettlingen gelten. Von Süden kommend ist bei Ettlingen die letzte Ausfahrt, bevor man beim Autobahnkreuz Karlsruhe über die A8 nach Osten abzweigen kann. Ab Ettlingen beginnt ein Jahrtausende lang genutztes Durchgangsgebiet in Richtung Osten. Faßbar wird das mit den Römerstraßen, von denen viele Streckenverläufe bekannt sind. Von der Römerstraße entlang des östlichen Rands des Rheintales („Bergstraße“) konnte man bei Ettlingen in Richtung Osten über Portus/Pforzheim zum römischen Vorläufer von Bad Cannstatt gelangen.

Städtisches Museum Bruchsal

Diese „Bergstraße“ entlang des östlichen Rand des Rheintales führte von Ettlingen auf der Trasse der heutigen B3 vorbei zur Durlacher Villa Rustica. Später unterhalb des Michaelsbergs durch das heutige (zur Stadt Bruchsal gehörende) Untergrombach. Und dann weiter durch das heutige Bruchsal bis in das nahe Bruchsal gelegene Stettfeld. Wie beim heutigen Ettlingen befand sich auch bei Stettfeld ein römischer Vicus. Von diesem Vicus ging ebenfalls eine römische Straße in Richtung Bad Cannstatt ab.

Städtisches Museum Bruchsal

Neben den verkehrstechnischen Vorteilen bietet der östlich von Bruchsal liegende Kraichgau durch mächtige Lößschichten auch große Vorteile für die Landwirtschaft, weshalb das Gebiet schon seit der frühen Jungsteinzeit (Neolithikum) landwirtschaftlich genutzt wurde. Besonders deutlich wurden diese beiden Aspekte frühe landwirtschaftliche Nutzung und Verbindung zwischen Rhein- und Neckartal in der Jungsteinzeit-Ausstellung in Karlsruhe sichtbar. In der Ausstellung stand die Michelsberger Kultur im Vordergrund. Und zu dieser Kultur gab es außer auf dem namensgebenden Michaelsberg beim Bruchsaler Stadtteil Untergrombach sowohl im Bruchsaler als auch im östlich davon am Neckar liegenden Heilbronner Raum mehrere weitere Erdwerke.

Städtisches Museum Bruchsal

Zur heutigen Kernstadt Bruchsal gibt es zwar Vermutungen über eine römische Straßenstation und Siedlungsaktivitäten. Eine überregionale Bedeutung hat Bruchsal aber erst im Mittelalter gewonnen, wofür vermutlich eine Verlagerung der Ostwest-Verbindung von Stettfeld nach Bruchsal hin ein Ausgangspunkt gewesen ist.

Städtisches Museum Bruchsal

Das Bruchsaler Städtische Museum soll „die Geschichte des Bruchsaler Raumes von der Steinzeit bis zur Gegenwart“ dokumentieren. „Die Ausstellung zeigt die Ur- und Frühgeschichte der Stadt; Mineraliensammlung, Münzen und Medaillen Bruchsals sowie archäologische Funde von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter“ und enthält auch einen Bereich zur Zerstörung der Stadt am 1. März 1945 und zur Geschichte des Strafvollzugs in Bruchsals.

Städtisches Museum Bruchsal

Der Schwerpunkt liegt also nicht auf der eigentlichen Stadtentwicklung, das Mittelalter bis zur frühen Neuzeit ist so eher unterrepräsentiert. Die Steinzeit hat hingegen einen relativ großen Anteil an der Museumsfläche. Was man durchaus mit der besonderen Bedeutung des Bruchsaler Umlandes und auch wegen der Tatsache rechtfertigen kann, daß man mit den mehr an den natürlichen Gegebenheiten orientierten alten Kulturen besser die Besonderheiten der Gegend nahebringen kann. Letztlich ist auch bei mir vor Jahren mittels Römern und Steinzeitfunden diese lokale Kombination aus fruchtbarem Boden und verkehrsgünstiger Lage hängengeblieben. Anderseits ist diese zeitliche Bevorzugung wegen der spannenden Entwicklung Bruchsals im Mittelalter und der frühen Neuzeit und angesichts der Kriegszerstörungen auch etwas ungerecht.

Städtisches Museum Bruchsal

Gut, jedenfalls sind für meinen Zeitbereich eineinhalb Räume reserviert, davon ist einer ganz der Steinzeit gewidmet. Dieser Raum ist sehr lebendig gestaltet. Am Eingang wird in die Steinzeit mittels der Replik eines der Schöninger Speere eingeführt (zu den Schöninger Speeren gibt es seit Juni diesen Jahres ein eigenes Museum). Viel Platz nehmen dann die Erdwerke Bruchsaler Raum ein. Es gibt Fotos von dem in meinem Michaelsberg-Eintrag angesprochenen Projekt, bei dem Schüler der Untergrombacher Joß-Fritz-Schule ein Gärtchen auf dem Michaelsberg mit altem Getreide bepflanzten, zusammen mit ausgelegtem Getreide und Erntewerkzeugen. In einem Teil zur Experimentellen Archäologie gibt es ein Wiedersehen mit dem in Herxheim, Teil 3 gezeigten Ötzi-Messer von Anne Reichert. Dort ist auch ein längerer Verweis auf den Arbeitskreis Experimentelle Archäologie im Heimatverein Kraichgau zu finden.

Schloss Bruchsal

Der Arbeitskreis beschäftigen sich schwerpunktmäßig mit den Techniken und Lebensweisen der jungsteinzeitlichen Kulturen, im Bruchsaler Museum sind aber auch Fotos von einem Eisenschmelzversuch in einem nachgebauten Rennofen zu finden. Bronze-, Eisenzeit, Römer und erste Hinterlassenschaften der nachrückenden Germanen werden in der ersten Hälfte des nächsten Raumes ausgestellt. Gezeigt wird ein Tisch aus einer Villa Rustica auf der Gemarkung von Obergrombach. Obergrombach liegt östlich von Untergrombach beim Michaelsberg und wurde ebenfalls als Stadtteil nach Bruchsal eingemeindet. Weiter gibt es mehrere Repliken von Funden aus Stettfeld, u.a. eine des „Herkules von Stettfeld“. Der Torso des „Beschützers der Wege und Straßen“ wurde beim Abbruch eines Stalles 1977 gefunden.

Schloss Bruchsal

Stettfeld hat ein eigenes Römermuseum, auf dessen Website ist der Herkules auch zu sehen. Die Sonderausstellung „Fenster in die Welt der Römer - Zinnfiguren erzählen“ zeigt in Stettfeld bis zum 24. November „22 Schaukästen, in denen Szenen aus der Welt der Römer nachgestellt werden“. Klingt sehr interessant, aber zu den eingeschränkten Öffnungszeiten ging es bei uns nicht.

Schloss Bruchsal

Bruchsals hat sein Städtisches Museum im dritten Obergeschoss des Schlosses untergebracht. Wie Bruchsal wurde das Barockschloss bei dem Angriff von amerikanischen Bombern am 1. März 1945 fast völlig zerstört. Das Schloss wurde teilweise restauriert. Neben restaurierten Schlossräumen kann man mit einer Kombikarte das Deutsche Musikautomaten-Museum und das Museum der Stadt Bruchsal besichtigen. In der Kombikarte (Vollzahler 5 Euro) ist eine Führung durch die restaurierten Schlossteile enthalten. Zusätzlich gibt es eine Fotografiererlaubnis für 3 Euro, mit der im Schloss Bruchsal Aufnahmen für private Zwecke erlaubt sind. Aus „Privaten Zwecke“ kann man normalerweise keine Veröffentlichungserlaubnis folgern, wegen den vielen in Sozialen Netzen geposteten Fotos sollte man das vielleicht weiter klarstellen. Ich habe unten an der Kasse nachgefragt, die Veröffentlichung in Facebook oder Twitter oder in meinem Fall im Blog ist ok, nur ein gewerbliches Angebot (Kalender oder so) mit den Fotos wolle man nicht sehen. Da für die Ausstellungen in den unteren Teilen des Schlosses das Land Baden-Württemberg zuständig ist und oben im Städtischen Museum die Stadt, habe ich oben noch einmal nachgefragt. Da war das Einstellen in das Internet auch ok.

Donnerstag, 15. November 2012

Noch einmal Untergrombacher Michaelsberg

Bilder vom Untergrombacher Michaelsberg gab es schon im letzten Jahr in meinem Blog. Damals stammten die Aufnahmen vom Junianfang 2011, also kurz nachdem die Jungsteinzeit-Ausstellung in Karlsruhe am 15. Mai zuende ging. Der komplette Titel der Ausstellung war „Jungsteinzeit im Umbruch. Die 'Michelsberger Kultur' und Mitteleuropa vor 6000 Jahren“, und der Michaelsberg mit seinem jungsteinzeitlichen Erdwerk war namensgebend für diese Michelsberger Kultur.

Kuppe des Michaelsbergs

Die jetzt zu sehenden Bilder sind von Mitte September diesen Jahres. Das erste Bild zeigt die Kuppe des Michaelsbergs, wie man ihn bei der Anfahrt mit dem Auto von Osten aus sieht. Es ist ein aus zwei Fotografien erstelltes Panorama. Bild 2 ist aus drei Fotografien gemacht und zeigt die Kuppe von Süden. Man sieht wie das Gelände nach links in das westlich liegende Rheintal abkippt. Der Blick nach hinten ergibt bei dieser Aufnahmeposition das Bild 3. Man befindet sich hier nach einer über das Gelände gelegten geomagnetischen Messung im Inneren des Erdwerks. Das kann man sich bei der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg genauer ansehen. Die Aufnahmeposition von Bild 2 und 3 befindet sich auf der Karte am Ende des kurzen, nach Norden von der Straße wegführenden Wegs rechts von der an der Straße anliegenden „104“.

Kuppe des Michaelsbergs

Das Innere des Erdwerks soll besiedelt gewesen sein, das ist wohl in den Messungen anhand der Siedlungsgruben zu sehen. Die Besiedlung hätte sich dann in Bild 2 bis in die nicht sichtbaren Bereiche rechts und rechts hinten hingezogen. Der Verlauf des Rheins soll seinerzeit nahe beim Michaelsberg gelegen haben. In einer Welt mit nur wenig in Erscheinung tretenden menschlichen Bauten muß diese riesige Anlage von unten einen gewaltigen Eindruck gemacht haben. Dazu hätte man noch als besonderes Feature die Lage auf der Ostseite des Rheintales. Wer es als Besucher mit dem Einbaum am Tagesende noch hierher geschafft hat, konnte die Anlage vom dunklen Rheintal aus oben in der Abendsonne strahlen sehen.

Blick vom Michaelsberg in das Rheintal

Das schon im letztjährigen Blog-Eintrag vorgestellte Grundstück mit der Infotafel und dem Kuppelbackofen (der Kuppelbackofen ist auch im verlinkten Wikipedia-Artikel zu sehen) läge nach den über die Karte gelegten geomagnetischen Messungen ebenfalls innerhalb der Umfassungsgräben. Letztes Jahr bin ich irgendwie in der über ein Luftbild gelegten Messung im Ausstellungskatalog verrutscht und habe gedacht, das Grundstück liegt zwischen zwei Gräben. Auf den letztjährigen Fotos ist noch das Karlsruher Ausstellungsplakat vor der Infotafel zu sehen, das ist mittlerweile weg und die Infotafel (letztes Bild) leider dem Vandalismus zum Opfer gefallen. Diese Vandalen haben mehrere Tafeln in dem Gebiet beschädigt, wie uns im September ein einheimischer Spaziergänger erzählte. In Rundwegnähe um die Kuppe soll es letztes Jahr eine Ausgrabung gegeben haben - die veraltete Seite der Landesdenkmalpflege erwähnt eine „kleinen, für Sommer 2010 geplanten Ausgrabungskampagne“. Schließlich hat uns der einheimische Spaziergänger noch die ausgestellten Repliken in der Gaststube bei der Kapelle empfohlen. Das habe ich letztes Jahr nicht erwähnt. Ich/wir haben es bislang wegen zu früh oder an Ruhetagen nie geschafft die Repliken zu sehen.

Grundstück der Familie Rapp auf dem Michaelsberg

Von dem Gelände mit Infotafel auf der einen und dem Kuppelbackofen-Nachbau und Gärtchen auf der anderen Seite hatte ich letztes Jahr gedacht, daß es vielleicht von der Gemeinde für diesen Zweck gekauft oder gepachtet wurde. Den Steinkreis konnte ich mir weniger erklären, und die Steinkreis-Meditationen hätte ich Untermietern zugeordnet. Dieses Jahr war, wie auf den Bildern zu sehen ist, auf dem Gelände ein Tor mit Zaun und ein Erzengel Michael aus Holz mit Steinkegel/Steinmännchen hinzugekommen. Zur Entstehung und Aufstellung des Erzengels Michael gab es vor Ort reichlich Bilder und Informationen (einige davon sind hier zu sehen: „Ein Engel für den Michaelsberg“) und es fand sich auch ein Blatt mit dem Hinweis, daß man sich auf dem Gelände der Familie Rapp befindet und man herzlich eingeladen sei, im Steinkreis einen Moment zu verweilen.

Steinkreis auf dem Michaelsberg

Kurz, das mit der Untermiete ist genau anders herum. Wie auf meine Nachfrage Anja Koch-Rapp vom Steingeflüster geschrieben hat, ist das Michaelsberg-Grundstück seit langer Zeit in Familienbesitz. Die Eltern ihres Mannes bewirtschafteten zeitweise neben der Landwirtschaft auch die Gaststube auf dem Michaelsberg und verrichteten den Dienst in der Michaelskapelle. Ihr Mann wuchs auf dem Berg auf und hat bis heute eine sehr innige Verbindung dorthin. Auf seine Initiative gehen Kuppelbackofen, Gärtchen und Infotafel zurück. Der Naturzaun wäre auch in diesem Jungsteinzeit-Kontext zu sehen. „Diese Michelsbergerkultur will sich natürlich auf dem Berg auch zeigen dürfen“ wie es Anja Koch-Rapp formuliert hat. Der Kuppelbackofen ist bis heute funktionsfähig und es gibt einmal im Jahr eine Holzbrotback-Aktion. Das mit Haselnusszweigen eingezäunte Gärtchen wurde viele Jahre der Grundschule Untergrombach zur Verfügung gestellt und die Schüler bepflanzten es mit altem Getreide wie Emmer und Einkorn. Das Projekt liegt leider seit zwei Jahren brach, so daß ihr Mann eine Wildblumenmischung einsäte.

Mittelpunkt des Steinkreises auf dem Michaelsberg

Nach dem Katalog zur Jungsteinzeitausstellung wurde am Michaelsberg ein latènezeitlicher Quergraben gefunden, also die Kelten waren hier sicher aktiv. Das Stadwiki Karlsruhe spekuliert über eine germanische Kultstätte und führt mehrere Gründe dafür an, u.a. die Benennung nach dem heiligen Michael, dem Bezwinger Luzifers. Folgt man dieser Interpretation, drückt sich durch die Widmung ein starker Gegensatz zu den alten Religionen aus. Das Anliegen der Familie ist es hingegen, „dieses Besondere des Berges zu bewahren und es ein Stück weit erfahrbar werden zu lassen, indem sich alle Facetten zeigen dürfen: Jungsteinzeit, Religionen, Engel, Spiritualität - und zwar für jeden so, wie er es auf seine Art erfahren kann und möchte.“

Von Guntram Prochaska aus einer Sturmeiche gesägter Erzengel Michael

Das drückt sich auch darin aus, daß die Eiche, aus der der Erzengel Michael von dem Künstler Guntram Prochaska gesägt wurde, eine Sturmeiche ist. Die also nicht gefällt wurde, sondern „sich selbst für uns gelegt hat“. Anja Koch-Rapp erwähnt in diesem Zusammenhang die besondere Stellung von Eichen bei Kelten und Germanen und die Donareiche, die im Zuge der Christianisierung von Bonifazius gefällt wurde.

Steinkegel/Steinmännchen auf dem Michaelsberg

Gemeinsam mit ihrem Mann baute Anja Koch-Rapp vor zwei Jahren den Steinkreis, in dem sie regelmäßige Meditationstreffen veranstaltet. Den Steinkegel bzw. das Steinmännchen gibt es seit diesem Sommer. Es markiert einen besonderen Standort und ist laut Anja Koch-Rapp für viele Besucher auch eine Energiepyramide oder ein Energiepunkt. Sie erinnert daran, daß es Steinmännchen und Steinkreise schon in der Jungsteinzeit gegeben hat. Ja, von Menschen geformte Steine in einem Kreis aufstellen konnte man sogar schon viel früher, siehe Göbekli Tepe, und Steinmännchen dürften wegen ihrer einfacheren Erstellbarkeit noch viel älter sein.

Infotafel zur Michelsberger Kultur auf dem Michaelsberg

Das damalige Repertoire war sicher noch wesentlich reichhaltiger, siehe der folgende Hinweis auf eine geplante Ausstellung in Tübingen. „Aus frühneolithischer Zeit von etwa 5700 v.Chr.“ wäre etwa 200 Jahre vor dem in der Wikipedia angegebenen Ende der Michelsberger Kultur. Der Fundort liegt nicht im Bereich der Michelsberger Kultur, das steinzeitliche Repertoire wird also damals schon unterschiedlich verstanden worden sein. Zudem wird, wie die verlinkte Fakultätswebsite angibt, die Authentizität der Funde angezweifelt. Im Katalog zur Karlsruher Jungsteinzeit-Ausstellung sieht es insofern ähnlich unsicher aus, als die Michelsberger Kultur zwar aufgrund der Funde als ziemlich besonders gilt, aber es zu vielen Aspekten dieser Kultur unterschiedlichste Interpretationen gibt. Vielleicht rafft sich jemand aus Anja Koch-Rapps Steinkreismeditionen auf und gibt uns in einem Jungsteinzeit-Roman ein schlüssiges Bild von den damaligen Verhältnissen!