Mittwoch, 4. Februar 2026

Bajuwaren, KI-Bildgenerierung und ein neuer Classics-Studiengang

Mitte Januar wurde im Bayerischen Rundfunk (BR) eine Radiosendung mit der Archäologin Dr. Brigitte Haas-Gebhard über „Die Bajuwaren“ vom November 2024 wiederholt. Ihr im Pustet-Verlag erschienenes Buch „Die Baiuvaren: Archäologie und Geschichte“ gilt als das Standardwerk über die Bajuwaren. Zudem leitet sie in der Archäologischen Staatssammlung München die Abteilung Mittelalter und Neuzeit und müßte daher beste Kenntnisse über mittlerweile angefallenen Neufunde haben. Trotz der nicht mehr so frischen Radiosendung sollte das von Brigitte Haas-Gebhard im Gespräch bestens rübergebrachte Wissen daher sehr aktuell sein und zum in der Sendung beworbenen Besuch der Archäologischen Staatssammlung motivieren.

Wer schnell ist, kann diesen Besuch morgen um 19:00 Uhr mit der Teilnahme an einer Diskussionsveranstaltung über das Thema „KI schreibt Geschichte – Chance oder Risiko?“ in der Archäologischen Staatssammlung kombinieren. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung per E-Mail wohl erwünscht. Da die Veranstaltung unter BR-Beteiligung erfolgt und auf der BR-Website angekündigt wird, würde ich vermuten und hoffen, daß man die Veranstaltung irgendwie im BR nachvollziehen kann, sehe da aber nichts darüber.

Der Ankündigungstext fokussiert stark auf das durch KI generierte Bild. Viele von uns dürften eher über bislang von uns schon verwendeten Programmen beigefügte textuelle KI-Abfragemöglichkeiten in den Genuß von generiertem Text gekommen sein. Das im Ankündigungstext behauptete Massenphänomen mit den „Milliarden von Nutzerinnen und Nutzern“ bei der Bildgenerierung halte ich aber dennoch für plausibel, wenn ich an die langjährige Historie und die breite Nutzung von bildverändernden Apps im Vorlauf denke, die dann durch Neuronale Netze und generative KI immer umfangreichere Möglichkeiten anbieten konnten.

Mit den neuen textuellen KI-Abfragemöglichkeiten hatte ich schon tolle Ergebnisse, etwa wenn ich etwas in der Art „ich habe mal etwas gelesen wo dies und jenes vorkam“ suchte, was sonst ohne Mitmenschen mit besserem Gedächtnis kaum auflösbar gewesen wäre. Aber so etwas ist auch schon total schief gegangen und ich wurde Opfer einer „Wahrscheinlichkeits-Kaskade“. Erklärung der KI: „Wenn die KI am Anfang eines Satzes ein falsches Wort wählt (weil die statistische Wahrscheinlichkeit für Attribut Y in einem anderen Kontext hoch war), 'zwingt' sie sich im weiteren Satzverlauf dazu, logisch konsistent zu bleiben. Sie baut das Luftschloss dann stabil zu Ende, auch wenn das Fundament falsch ist.“

Bezahlte Medienschaffende dürften wegen ihren umfangreicheren Abfragen heutzutage wesentlich mehr Erfahrungen mit solchen in das Dubiose gehenden Kaskaden gesammelt haben. Im Hinblick auf die obige Diskussionsveranstaltung ist der Vergleich mit einer Veranstaltung von 2009 über „Antike Geschichte, Archäologie, Öffentlichkeit – für einen neuen Dialog zwischen Medien und Wissenschaft“ interessant. Während man heute zeitnah den Sachverhalt diskutieren will, ging es damals im Grunde nur um Printmedien, Film und Fernsehen. Damals war der Begriff des Mitmachwebs schon jahrelang bekannt und auch, daß die bezahlten Medienschaffenden sich bei ihrer Arbeit umfangreich bei der Wikipedia bedienten. Man hätte in der Veranstaltung auch die Bestückung der Wikipedia thematisieren müssen. Social-Media-Dienste dürften mit voller Wucht erst später zugeschlagen haben. iPhones soll es nach meiner KI-Abfrage in Deutschland aber schon ab 2007 gegeben haben und Androiden ab 2009. Es begann ein jahrelanger Kampf gegen Leute, die ihr Smartphone in Archäologie-Ausstellungen zückten, statt daß irgendwelche Konzepte entwickelt wurden, diese Leute als Content-Produzenten und Micro-Influencer für ihr privates Umfeld in die Medienarbeit einzubinden.

So gesehen gesehen klingt der „Classics“-Studiengang der Ruhr Universität Bochum ganz interessant, in dem man sich auf einer umfassend geschaffenen Basis intensiv mit der Rezeption der Antike bis in die heutige Zeit auseinandersetzen soll. Ich werde die Absolventen um ihre viel viel bessere Basis beneiden und glaube die Rezeption der Antike fließt überall ein, das wird wohl absehbar auch in der Zukunft ein Dauerthema bleiben. Die „Presseinformation“ wirkt aber etwas weichgespült. Wenn man die Anforderungen Latein und Griechisch wegnimmt, hätte dann nicht irgendwoanders etwas Härteres kommen müssen? Daß man im Modul „Antike multimedial“ erforschen will, „wie mithilfe von Künstlicher Intelligenz antike Bildbeschreibungen in Kunstwerke verwandelt werden können“ kann es nicht sein. So Sachen sind laut Ankündigungstext der Diskussionsveranstaltung ein Massenphänomen.

Und die Bezeichnung „Presseinformation“ wirkt auf mich wie ein ferner Ausläufer einer Kaskade, in der man mit der „Antike Geschichte, Archäologie, Öffentlichkeit“-Veranstaltung 2009 ohne Erwähnung des Internets und seiner aufsetzenden Dienste und der Angela-Merkel-Feststellung von 2013 „Das Internet ist für uns alle Neuland“ ganz dick drin war.