Samstag, 1. Mai 2010

Vernetzte Erdwerke - mit Fotos von der Keltenschanze im Laufzorner Holz

Nochmal zur Zeichnung auf der Informationstafel der Keltenschanze im Lanzenhaarer Feld, welche die lokalen Verhältnisse bei Deisenhofen / Oberhaching schön wieder gegeben hat. Auf der einen Seite des Gleißentals die Keltenschanzen mit den untypischen Vorwerken, von denen eines von der alten Römerstraße durchschnitten wird. Auf der anderen Seite die Keltenschanze im Laufzorner Forst, an der die Römerstraße auf dem Weg nach Westen vorbeiführt.

Keltenschanze / Viereckschanze im Laufzorner Holz

Dieser Blog-Eintrag ist mit Bildern von dieser Keltenschanze (bzw. keltischen Viereckschanze) im Laufzorner Forst bestückt. Aufgenommen am 10. bzw. 9. Mai 2008 und 2009. Also wenn Sie für den nächsten Samstag einen Ausflugstipp brauchen, so sieht es dort zu der Zeit aus.

Im Text will ich auf die schon im letzten Eintrag angesprochene Vernetzung zwischen den Keltenschanzen hinaus. Ihre Anbindung an die spätere Römerstraße läßt einen keltischen Vorläufer vermuten. Im Fall der Keltenschanze / Viereckschanze bei Buchendorf macht die Römerstraße vor Gauting sogar eine Kurve, um noch direkt an der Keltenschanze vorbeizuführen.


Größere Kartenansicht

„Dass sie immer wieder auf Keltenschanzen stößt, spricht dafür, dass sie auf einer alten keltischen Trasse liegt“ - diese Aussage über die Römerstraße findet sich auch im Ankündigungstext der von Reinhard Falter geführten Wanderung am 1.8.2010 „Auf der Römerstraße von Gilching nach Schöngeising“. Ich hatte bei den „Münchner Veranstaltungen“ schon auf diese Veranstaltung der Münchner Volkshochschule hingewiesen. Erwandert wird ein Streckenteil westlich von Gauting, der an der Keltenschanze bei Schöngeising und der „Sunderburg“ mit bronzezeitlicher Höhensiedlungsvergangenheit vorbeiführt.

Die Keltenschanzen stammen aus dem ersten und zweiten Jahrhundert v. Chr., das war nicht lange vor der römischen Besetzung. Bei der „Sunderburg“ wird nach der Wikipedia von einer frühbronzezeitlichen Höhensiedlung ausgegangen, die ca. 1800 - 1600 v. Chr. entstanden ist, mit einer erneuten Besiedlung und Befestigung in der Urnenfelderzeit (ca. 1200 - 750 v. Chr.). Das führt zeitlich in die Nähe der befestigten Siedlung bei Bernstorf nördlich von München.

Keltenschanze / Viereckschanze im Laufzorner Holz

Deren Einsortierung in die ältere mittlere Bronzezeit in dieser „Erstausgabe zur befestigten Siedlung der Bronzezeit bei Bernstorf / Kranzberg“ läßt aber zusammen mit dem Wikipedia-Artikel über die Sunderburg keine Aussage zu, ob eine Zeitgenossenschaft zwischen den beiden Anlagen bestand. Wenn die Anlagen zeitgleich bestanden haben, dann könnte man daraus vielleicht Rückschlüsse über deren Anzahl und Verteilung ziehen.

Keltenschanze / Viereckschanze im Laufzorner Holz

Die Direktverbindung zwischen der Anlage bei Bernstorf und der Sunderburg hätte in nordöstliche Richtung entlang der Amper per Google-Maps-Fußweg ermittelt eine Länge von weniger als 50 km. Die Ost-West-Verbindung auf der Trasse der Römerstraße von der Keltenschanze bei Schöngeising und der Sunderburg zu den Keltenschanzen beim Gleißental bzw. Hachinger Tal wären knapp unter 40 km.

Keltenschanze / Viereckschanze im Laufzorner Holz

Daß es eine Querfernverbindung wie die Römerstraße auch zur Bronzezeit gegeben hat, würde ich wegen dem nachgewiesenen frühen Abbau von Salz im Salzkammergut vermuten. Auf kurze Strecken sind die Querverbindungen zwischen den Tälern wegen den bronzezeitlichen Hügelgräbern entlang der Würm (hier unsere Suche bei der Keltenschanze von Buchendorf) und dann weiter in Richtung Gleißental sowieso plausibel.

Keltenschanze / Viereckschanze im Laufzorner Holz

Nach Aussage des Katalogs zur Ausstellung „Karfunkelstein und Seide“ reihen sich in dem in nord-südlicher Richtung verlaufenden Hachinger Tal bronzezeitliche Siedlungsspuren entlang des Baches. Da wären es von den Keltenschanzen auf beiden Seiten des Gleißentals wieder etwas knapp unter 50 km bis zur Siedlung bei Bernstorf.

Keltenschanze / Viereckschanze im Laufzorner Holz

Noch ein zeitlicher und räumlicher Sprung zu den Erdwerken im Braunschweiger Land aus der Jungsteinzeit als letztem Beispiel. Ich hatte dort schon auf die sehr gute Projektwebsite verwiesen, hier deren lesenwerte, mit Karten illustrierte Seite über Erdwerke und Fernwege.

Keltenschanze / Viereckschanze im Laufzorner Holz

Abschließend noch weitere Links: als Gegenargument für einen keltischem Vorläufer der Römerstraße nennt Dr. Martin Pietsch in einem Vortrag anlässlich der Vorstellung der Radwanderbroschüre Via Julia die gerade Streckenführung der Römerstraße. Wie gesagt trifft das beispielsweise bei der Keltenschanze von Buchendorf nicht zu, außerdem habe ich auch die Darstellung im Zusammenhang mit der „Karfunkelstein und Seide“-Ausstellung in Richtung auf einen uralten Schnittpunkt von Ost-West- und Nord-Süd-Verbindung südlich von Deisenhofen verstanden.

Keltenschanze / Viereckschanze im Laufzorner Holz

Anderseits könnte ich mir aus meiner Laiensicht durchaus römisch begradigte Strecken vorstellen, die alte Verkehrsknotenpunkte wie etwa bei Deisenhofen und bestehende Siedlungen wie bei der Keltenschanze von Buchendorf neu verknüpften. Näheres hätte man vielleicht bei den diesjährigen Montagsvorträgen zur Denkmalpflege 2010 erfahren können, die Dr. Martin Pietsch mit einem Vortrag eröffnet hat. Vielleicht ergibt sich ja eine neue Gelegenheit im nächstjährigen Veranstaltungsprogramm.

Wollen Sie Ziele in der Gegend selbst anfahren, dann finden Sie auf der Website von DSITRI (Dr. H. Nikolaus Schaller Information Technology Research Initiative) zwar leider nicht mehr aktualisierte, aber immer noch erschöpfend viele Anregungen, speziell im Forum Römer in Raetien.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo Jürgen, vielen Dank für die schönen Beträge und auch Anregungen. Uns gefällt dein Blog sehr gut. Mein Mann und ich sind aufgrund deines Beitrages zu der Laufzorner Keltenschanze geradelt. Hat uns viel Spass bereitet. Wir werden noch weitere Touren, die du bereits erwähnt hast, unternehmen.
Ciao Brigitte & Co