Dienstag, 18. Oktober 2011

Karlsberg mit Karlsburgresten

Im ersten Bild geht es vorne links neben dem gelben Schild auf den Karlsberg. Zum Karlsberg und zur Karlsburg gibt es einen längeren Artikel in der Wikipedia. Die kürzeren Texte, die ich zur Karlsburg habe, weichen untereinander und gegenüber der Wikipedia in Einzelheiten etwas voneinander ab. Gemeinsam scheint aber zu sein, daß Karl der Große hier sehr wahrscheinlich nicht geboren wurde, daß sicher eine größere mittelalterliche Burg existiert hat, und daß Steine der Burg später für das Schloss Leutstetten verwendet wurden.

Bild 1: Aufstieg auf den Karlsberg

Vorgeschichtliche Hinterlassenschaften wurden gefunden. Aber etwas Größeres, also etwa ein herrschaftlicher Sitz zeitgleich mit den nahen vorzeitlichen Hügelgräbern auf der anderen Seite der Würm, ist reine Spekulation. Wenn man hochkommt sieht man auch, daß die Fläche für die mittelalterlichen Befestigungen vermutlich komplett überarbeitet wurde.

Bild 2: Aufstieg auf den Karlsberg

Es geht an der genannten Stelle in Bild 1 erst ein kurzes Stück relativ steil den Hang hoch. Wenn das Rad schiebend wieder einigermaßen in die Horizontale bekommt, ist man nahe an der Kameraposition in Bild 2. Hier habe ich die paar Mal, die ich hier war, immer mein Fahrrad stehen lassen. Links ist der Pfad, auf dem ich hochgekommen bin, und rechts geht es auf dem Pfad ohne besondere Anstrengung auf den Karlsberg weiter. Man befindet sich zunächst an der Seite der Vorwälle auf Höhe der Grabensohlen, Bild 3 zeigt einen Blick vom Pfad in den rechts davon liegenden letzten Graben vor der ehemaligen Burganlage.

Der Pfad führt an der Südseite des Karlsbergs und der ehemaligen Karlsburg entlang weiter nach oben, so daß man fast auf der den Wällen gegenüberliegenden Seite die Hochfläche erreicht. Bild 4 zeigt diesen flachen Bereich. Vermutlich wird man diesen Geländesporn oben komplett für die Burg aufbereitet haben, und auf der gefährdeten Seite des Sporns in Richtung Osten ist alles Wall oder Graben. Also wo sollte man vorgeschichtliche Spuren nachweisen? Vielleicht die Wälle untersuchen, um oben Abgeräumtes zu finden?

Bild 3: Letzter Graben vor der ehemaligen Karlsburg

Als ich die Fotos Anfang Oktober gemacht habe, war es auf der Fläche oben kaum windig. Eine ruhige Stimmung, warm, sonnig, und ab und zu kam ein trockenes Buchenblatt heruntergeflittert. Lauter war es an der Kante in Bild 5. Unten liegt das Forsthaus Mühltal und die Autostraße, die Kamera hat den Helligkeitsunterschied zum mit dem Auge erkennbaren Haus aber nicht gepackt.

Bild 4: Gelände der ehemaligen Karlsburg auf dem Karlsberg

Ich war etwa eine halbe Stunde oben und habe in der Zeit nicht versucht, irgendwelche Stellen der mittelalterlichen Burganlage zuzuordnen. Also ob das Loch in Bild 6 einen bestimmten Ort anzeigt, dem man archäologisch beikommen wollte, oder ob jemand wegen seiner Sehnsucht nach den drei Burgfräulein auf's Geratewohl gegraben hat. Auffällig ist auch die vertiefte Fläche auf der östlichen Seite in Bild 7 ist, oberhalb des ersten Grabens. Hatte die etwas mit der Burg zu tun oder nur mit dem späteren Abgraben von Material? Die entsprechenden Fans können da oben Stunden zubringen, um einen Überblick über die Wallanlagen und noch sichtbare Reste der Burg zu bekommen. Da wäre vielleicht eine Anfahrt mit dem Auto empfehlenswert, für das mir gleich vier Parkmöglichkeiten einfallen.

Man könnte am Aufnahmeort des ersten Bildes an der Straße parken, so wie es die Autofahrer unter den Wasserholern an der Mühltal- oder Bethenquelle tun. Die Straße ist nämlich die im letzten Blog-Eintrag erwähnte Abzweigung in Richtung „GOLF Gut Rieden“, vorne links geht es nach Gauting, vorne rechts führt die Straße nach Leutstetten und Starnberg weiter.

Bild 5: Blick vom Gelände der ehemaligen Karlsburg hinunter zum Forsthaus Mühltal

Der Fuß- und Radweg in Richtung Gauting führt zunächst links an der Straße entlang, dann geht es rüber zum Forsthaus Mühltal auf der rechten Seite der Straße, dort in den Wald und wie in einem Knick ein gutes Stück den Karlsberg hoch und dann wieder herunter nach Gauting. Wenn man stattdessen weiter hoch geht, müßte man von dort auch schnell auf den Karlsberg kommen. Man könnte die Tour also auch mit einem Besuch des Forsthauses Mühltal verbinden. Ich habe diese Strecke nach oben aber nie ausprobiert. Der erstgenannte Weg vorne im Bild 1 den Hang hoch wird dagegen offensichtlich viel begangen. Er ist aber in Gegenrichtung mit dem Fahrrad selbst zu Fuß ziemlich ungünstig, weil es unten kaum Auslauf gibt und die Autofahrer keinen aus dem Wald schlitternden Radler erwarten.

Bild 6: Gelände der ehemaligen Karlsburg auf dem Karlsberg

Wenn man wie beschrieben den Hang in Bild 1 hoch und nach der Karlsberg-Besichtigung genau diesen Pfad weiter geht, kommt man zunächst an den restlichen Vorwällen vorbei, danach wieder aus dem Wald und stößt auf eine Feldweg-Gabelung. Rechts geht es eine Kuppe hoch. Von der aus kann man ein Alpenpanorama sehen, wenn man Glück, und eine Ecke Starnberger See, wenn man ein Fernglas oder ein Zoom-Objektiv dabei hat (Bild 8). Nach der Kuppe geht es wieder nach unten, der Weg führt direkt hinter die Schlossgaststätte Leutstetten (Parkmöglichkeit 3).

Nimmt man an der Gabelung den Weg nach links und nicht den Weg hoch zur Kuppe, kommt man auf dem Feldweg bis zu der Autostraße, die aus Leutstetten in Richtung Osten hochführt. Und zwar, wichtig für Radfahrer, die mit ihren Kräften haushalten müssen, bis kurz vor das Ende des Anstiegs. Dort befinden sich auch Parkmöglichkeiten, man könnte von da entweder den Feldweg oder den Wald entlang zum Karlsberg laufen.

Bild 7: Gelände der ehemaligen Karlsburg auf dem Karlsberg

Zur Orientierung im Blog noch einmal das Bild 1: rechts vom Aufnahmeort geht es wie gesagt zur Mühltal- oder Bethenquelle. Dieser Weg ist wäre auch der Rad- und Fußweg, auf dem es nach Petersbrunn, zu St. Alto Leutstetten und zur Villa rustica Leutstetten weiter geht, außer man nimmt nach Leutstetten den Weg über den Karlsberg. Nach hinten führt die Straße hoch zum stillgelegten S-Bahnhof Mühltal, dort soll der Hügelgräberfriedhof mit dem „Grab der Seherin“ die nächste Station im Blog werden, danach geht es vorne im Bild links nach Gauting weiter.

Bild 8: Blick von oberhalb Leutstetten Richtung Starnberger See und Alpen

Zum letzten Blog-Eintrag bitte ich den Kommentar von Marcellina zu beachten, es geht um „einem der interessantesten Grabungsplätze Tirols“, den Goldbichl, bei dem in der Nähe eines Brandopferplatzes ein vermutliches Frauengrab gefunden wurde. „Vermutlich“ wohl wegen den wenigen gefundenen Knochenreste, und „Frauengrab“ wegen einem absichtlich zerbrochenen Webgewicht aus Stein. Die Website informiert über die archäologische Erforschung und gibt touristische Hinweise.

Marcellina hat auch Petersbrunn, St. Alto und die Villa rustica Leutstetten besucht und einiges in ihrem Blog-Eintrag Pagans In Bavaria: Leutstetten drin, was ich ausgelassen habe, sowohl im Text als auch bei den Bildern, insbesonders hat sie ein schönes großes Bild von Ainpet, Gberpet und Firpet. Passend zum Bethen-Thema gibt es auch einen aktuellen Beitrag in Archäologie Online über ein Heiligtum für die „sogenannten Matronae Vacallinehae“ auf einer Anhöhe im Nöthener Wald. Ob das jetzt den Karlsberg als Ort einer vorzeitlichen Drei-Göttinnen-Verehrung besser in's Spiel bringt? Anderseits, einen Brunnen gab es in der Anlage im Nöthener Wald auch...

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Die Mühltal- oder Bethenquelle

Nach dem Abstecher zum Münchner Marathon geht es in diesem Blog-Eintrag wieder an die Würm. Die letzte Station entlang der Würm war Petersbrunn. Wer die Reihenfolge im Blog einhalten will, der muß um zur Mühltal- oder Bethenquelle zu kommen von der Petersbrunner Kapelle den Weg wieder zurück zu der Brücke, über die man von der vorletzten Station St. Alto Leutstetten gekommen ist. Man überquert die Brücke aber nicht wieder, sondern biegt kurz vor der Brücke nach links in den Waldweg ein.

Mühltal- oder Bethenquelle

Die Quelle auf den Fotos wird teilweise als Mühltalquelle bezeichnet, ich habe sie als Bethenquelle kennengelernt. Der Name Mühltal kommt von den Mühlen, die es hier gegeben hat. Im Mühltal fließt die Würm. In sie mündet das Wasser der Mühltalquelle wenige Meter nachdem sie dem Hang entsprungen ist. „Bethenquelle“ kommt von den drei Bethen (oder Beten, je nach Schreibweise) in der Kirche St. Alto Leutstetten. Man findet den Namen auch in der Variante „Drei-Bethen-Quelle“ im Netz. Quellen gibt es hier übrigens häufig - ich habe auf dem kurzen Waldweg oberhalb der Würm hin zu dieser Quelle zwei weitere Quellen mit geringerer Schüttung gesehen, und ich vermute das Haus das am weiteren Verlauf des Waldweges liegt dürfte ein ewiges Wasserproblem haben.

Dieses und ein weiteres Haus am Weg, bis man wieder auf die asphaltierte Straße trifft, haben eine eigene Aktennummer im BayernViewer-denkmal (D-1-88-139-92 das Haus vorne an der Asphaltstraße, D-1-88-139-91 das näher bei der Quelle liegende Haus, beide mit Fotos). Man kann also wie beschrieben mit „Suche Denkmal“ auskundschaften, wo der Weg liegt, wenn man aus Richtung Gauting kommt. Oder man verzichtet auf den BayernViewer und achtet von dort aus einfach auf eine Abzweigung nach rechts mit einem Schild „GOLF Gut Rieden“. Dort über die Würmbrücke und dann gleich links hinunter auf den geschotterten Weg.

Mühltal- oder Bethenquelle

In einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks unter dem Titel die „Die Wasserquelle im Mühltal bei Starnberg“ wurde das an mehreren Stellen zutage tretende Wasser wie folgt erklärt: „Regenwasser, das sich auf der ersten Schicht feinen Sandes im Boden gesammelt hat: Dem Flinz. Die tiefe Schlucht der Würm hat sich durch den Moränenhügel gegraben, und wo sie den Flinz berührt, quillt das Wasser heraus.“ Bei Radtouren habe ich hier vom Quellwasser getrunken und meinen Vorrat für die Rückfahrt aufgefrischt. 2014 wurde aber vor dem Wasser durch Warnschilder gewarnt, siehe der Kommentar vom 1.10.2014. Ich habe daraufhin diesem Abschnitt auch eine Warnung hinzugefügt. Mittlerweile gibt es zu dem Thema das BR-Video „Umstrittenes Wasser“. Und da der ursprüngliche BR-Beitrag „Die Wasserquelle im Mühltal bei Starnberg“ schon lange nicht mehr zugreifbar war, habe ich den ganzen Abschnitt umgeschrieben (mehr dazu in Sacred Objects vom 26.2.2015). Ich denke, da es um die Volkserziehung geht, wird uns das Video länger erhalten bleiben. Die BR-Website mit dem Einführungtext, dem ich die Flinz-Information entnommen habe, sowie einem nachhörbaren halbstündigen Hörbeitrag über die Quelle, bleibt hingegen verschwunden. Ich hatte einen Stand von 7.06.2011 verlinkt. Am 1.09.2012 gab es noch einmal eine halbstündige BR-Weitwinkel-Sendung unter dem Titel, vermutlich eine Wiederholung. So, jetzt wieder weiter mit dem alten Text von 2011:

Bethenquelle passt historisch nicht so recht, als Quellheiligtum hätte Petersbrunn die älteren Rechte. Nur kommt man dort nicht mehr an das Wasser heran. Aber es wäre vielleicht auch vorstellbar, daß der ursprüngliche Kult auf dem Karlsberg stattgefunden hat, wenn es die vorzeitlichen Vorgängerinnen der drei Beten wirklich gab und die bis in die Form der drei unbekannten Heiligen durchgereicht wurden. Außerdem erwähnt Martin Bernstein in seinem zitierten Buch vermutete „vorchristliche Kultplätze“ im „nahegelegenen Wildmoos“, also auch so ein Umfeld der ursprünglichen Verehrung wäre statt einer aus dem Berg kommenden Quelle denkbar.

Mühltal- oder Bethenquelle

Zu ergänzen wäre, daß auch eine Verbindung von den unbekannten Heiligen in St. Alto zu einem Frauengrab („Grab der Seherin“) im nahen Hügelgräberfeld beim stillgelegten S-Bahnhof Mühltal gezogen wird. Demnach wäre die dort gefunden Tote eine der drei Beten gewesen. Wobei ich keinen Schimmer habe, in welchem Umfang diese einzelnen Vorstellungen von den Quell- und Hügelgrabbesuchern geteilt werden. Persönlich würde ich eine Version mit den Beten als gebannte Burgfräulein unter der ehemaligen Karlsburg bevorzugen, die dort auf den tapferen Jüngling warten, der sie erlöst. Gerne mit Gedankenleser-Fähigkeiten, damit es ihnen nicht langweilig wird. Und einer Gedankenleser-Suchmaschine, mit der sie herauskriegen können, wer gerade an sie denkt. Und die so mitlesen können, was ich von ihnen geschrieben habe.

Montag, 10. Oktober 2011

Marathon in München

Gestern war in München Marathon und wir waren als Zuschauer auf dem Königsplatz dabei. Für die Gesamtstreckenläufer ging es etwa bei Kilometer 34,5 auf den Königsplatz, es kamen aber auch die Läufer vom Staffelmarathon durch.

München Marathon vor der Glyptothek

Die Hauptattraktion auf dem Königsplatz war neben den Läufern eine Gruppe Samba-Trommler (das müßte die Bateria Z gewesen sein). Als wir gingen, hatten sie sich beim Zuschauerinteresse klar gegen die restlichen Läufer durchgesetzt. Seitens Glyptothek und Antikensammlungen war keine besondere Aktion zu sehen, also daß etwa die Fahnen mit den Ausstellungshinweisen kurzfristig durch „Erster Marathonlauf vor 2500 Jahren“ oder so ersetzt worden wären.

München Marathon vor den Propyläen

Nach gegenseitigem Desinteresse in München sah es schon zu Zeiten dieser Linksichtung im August aus. Anderseits hat mit Etsdorf vor einer Woche ein Marathon explizit in Erinnerung des antiken Laufs funktioniert, wenn auch zahlenmäßig verglichen mit München auf sehr kleinem Niveau.

München Marathon vor den Propyläen

Und der ehemalige Chef von Glyptothek und Antikensammlungen, Prof. Dr. Raimund Wünsche, hat im Gespräch mit der FAZ die Sportlichkeit der Griechen erwähnt: „Platon war ein erfolgreicher Ringer! Es gab Politiker, die zuvor Boxgiganten waren. Sport, Geist, Politik gleichwertig nebeneinander ist für uns schwer vorstellbar.“ Ist es vielleicht doch, vielen der Laufteilnehmer gestern würde so ein altgriechisches Lebensgefühl vermutlich nahe liegen.

München Marathon vor den Antikensammlungen

Die Resonanz auf das 2500jährige Schlachtjubiläum war allerdings generell nicht so groß - „dem Ereignis, das in der heutigen Tagespresse relativ unbekannt ist“ schreibt Dr. Jörn Kobes am Jahrestag der Schlacht. Wer mehr Auseinandersetzung mit dem Thema haben will, für den gibt es von ihm im Blog-Eintrag „Marathon – eine Podcast-Serie“ den Link www.marathon2500.org zu einer Vortragsreihe „bekannter Altertumswissenschaftler um Paul Cartledge “, deren Beiträge „(fast) alle“ „als Podcast erreichbar“ sind.

München Marathon vor den Antikensammlungen

Die Fotos vom Königsplatz will ich nutzen einen Hinweis von Dr. Ernst Theodor Mayer weiterzugeben. Er hatte mir anläßlich der Bilder von Glyptothek und Antikensammlungen im Blog-Eintrag „Neues von den Ägineten in der Münchner Glyptothek“ empfohlen, unter das eine "ionisch" (e Säulen) und unter das andere "korinthisch" (e Säulen) zu schreiben, sowie unter eine Propyläen-Abbildung "dorisch" (e Säulen) „- Denn viele sehen das nicht“. Raimund Wünsche hat in München TV ebenfalls auf die unterschiedlichen Säulen hingewiesen („nirgends kann man's so leicht lernen wie am Königsplatz“).

München Marathon vor der Glyptothek

Bei einem anderen Punkt, der oft nicht auffällt, den fehlenden Figuren im Giebelfeld der Glyptothek, gab es bislang keine Antworten auf die damals gestellte Frage, ob jemand Kenntnisse über deren Verbleib hat.

München Marathon vor den Propyläen

Abschließend wäre noch auf die Lange Nacht der Münchner Museen am nächsten Samstag hinzuweisen, das Programm gibt es bei www.muenchner.de. Die Glyptothek lockt zur „Kampf um Troja“-Ausstellung mit „Konservatoren und Restauratoren“, die „technische und inhaltliche Fragen der Ergänzungstechnik“ erläutern und „neue Forschungsergebnisse zur Farbigkeit der Skulpturen“ vorstellen.