Freitag, 24. Januar 2025

Der Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Via öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental wegen dem Oberhachinger Bahnhof Deisenhofen aus dem Großraum München sehr gut erreichbar. Eine einfache Lösung ist, sich vom Bahnhof aus noch ein Stück an der Bahnlinie zu halten und sich dann via der Stefanienstraße in Richtung Südwesten zu bewegen und an dem Straßenende den folgenden Waldweg hinunter in das Gleißental zu gehen. Folgt man im Tal diesem Weg immer weiter, kommt man bald an dem auf dem ersten Foto zu sehenden Eingang zum Steinbruch vorbei. Ähnlich günstig zum Bahnhof liegt auch die von mir drei Tage zuvor besuchte Keltenschanze im Laufzorner Holz . In der Keltenschanze hatte ich einen Keltenschanzenfan angetroffen, der zu Fuß vom Bahnhof gekommen war. Unsere längere Unterhaltung makulierte unsere Zeitkalkulationen, sonst wäre ich noch (mit dem Fahrrad) zum Römerstraßenaufstieg aus dem Gleißental weiter. Dessen Zugang im Tal liegt sehr nahe beim Nagelfluh-Steinbruch.

Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Die drei Ziele wären in mehrfacher Hinsicht eine gute Kombination und ich werde deshalb noch etwas ausführlicher auf meine Strecke eingehen. Wie gesagt passen die Ziele durch die kurzen Entfernungen gut zusammen. Zudem bieten sie in einer sonst meist gleichförmig flachen Gegend ein Tal, einen Steinbruch, einen Hohlweg und eine über 2000 Jahre alte Keltenschanze. Und der Aufstieg aus dem Tal ist nicht so anstrengend. Die Steigung haben auch mittelalterliche Gesteinstransporte und römerzeitliche Fuhrwerke geschafft.

Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental
Nagelfluh-Steinbruch im Gleißental

Das Wichtigste ist für uns natürlich der inhaltliche Zusammenhang zwischen den drei Zielen und da ist die Informationstafel sehr ergiebig. Sie informiert nicht nur über Besonderheiten dieses Nagelfluh-Steinbruchs, etwa daß sich hier das Räuberlager des Films "Das Wirtshaus im Spessart" befand, sondern auch darüber, daß es ein Dutzend weitere Abbaustellen im Gleißental gab und Nagelfluh-Fragmente in römischen Fundstellen entlang des Hachinger Bachs gefunden wurden. „Im großen Stil fand das Gestein v.a. im Mittelalter in Münchner Großbaustellen Verwendung. ... Der Abtransport erfolgte .. über Karren und Schlitten. Die heute so stark in das Gelände eingeschnittene Geländefurche der westlichen Römerstraßenrampe wurde hierbei sicher wieder genutzt.“ D.h. mit diesem geschichtlichen und archäologischen Hintergrund muß man sich sowohl den Steinbruch als auch die nur ein paar Minuten entfernte „Geländefurche der westlichen Römerstraßenrampe“ ansehen, wenn man an einem von beiden interessiert ist. Und die Römerstraßenrampen-Informationstafel behandelt unter der Überschrift „Die Oberhachinger Römerstraße“ mehr allgemein die Römerstraße und geht eher untergeordnet auf die Gleißental-Gegebenheiten ein. Diese allgemeinen Aussagen zur Römerstraße kann man dann auf dem Weg zur Keltenschanze weiter studieren. Die Römerstraße führte ja ausgehend von an der Römerstraßenrampe direkt an der Keltenschanze vorbei.

Donnerstag, 16. Januar 2025

Der umgestürzte Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Im Münchner Staatlichen Museum Ägyptischer Kunst befindet sich ein teilweise antiker Obelisk. Eine Replik dieses Obelisken wurde zur Jahresmitte 2024 hin umgestürzt und die zerbrochenen Teile dieser Replik als Kunstinstallation auf die Treppe hinunter zum Eingang des Museums gelegt.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Von dem originalen Obelisken im Ägyptischen Museum ist nur der Mittelteil antik. Wobei dieser Mittelteil nicht einmal zu Zeiten der Alten Ägypter sondern erst unter römischer Herrschaft entstanden ist. Dieser antike Teil wurde lange Zeit nach seiner Entstehung mit einem neuen Fuß und einer neuen Spitze ergänzt. Zudem hatte man den Obelisken mit weiteren Hieroglyphen beschriftet. Die ergänzten Hieroglyphen ergeben keinen Sinn, da zum damaligen Zeitpunkt das Wissen über sie verloren war und man die Hieroglyphen noch nicht wieder übersetzen konnte.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Das Ägyptische Museum informiert auf seiner Webseite „Der umgestürzte Obelisk - Eine Kunstinstallation“ über die Aktion und verlinkt Weiterführendes zum Obelisken. Bei Interesse möge man sich zumindest das pdf mit dem Beitrag „Der umgestürzte Obelisk“ in MAAT 33 durchlesen.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Die späteren Ergänzungen des Obelisken und das Auseinanderbrechen erinnern mich an die Ende der 1960er Jahre von Skulpturen in der wenige Gehminuten entfernten Glyptothek abgenommenen Ergänzungen. Das Vorher-Nachher-Bild vom Apoll Barberini aus dem Wikipedia-Artikel über den Bildhauer Ernst Mayer illustriert sehr gut was vor der Abnahme solcher Ergänzungen zu sehen war und nun ohne die Ergänzung in der Glyptothek zu sehen ist.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Ein anderes Beispiel aus der Glyptothek ist „die sinnlichste Statue der Welt“, der Barberinische Faun. Dem hat man ein hinzugefügtes Bein belassen und andere Teile abgenommen. Man suche bei Interesse nach „Harald Schulze: Die sinnlichste Statue der Welt“ bis man ein zugreifbares pdf mit dem äußerst lesenswerten Artikel findet.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Das Anfügen geschah beim Barberinischen Faun wie beim Obelisken schon durch die italienischen Vorbesitzer. Im Fall des Apolls und bei den Ägineten, den „Kronjuwelen“ der Glyptothek, wurden die Ergänzungen erst nach ihrem Ankauf von Ludwig I in Auftrag gegeben.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Die Münchner Ägineten sind aufgefundene Teile von Giebelskulpturen des Aphaiatempels auf der griechischen Insel Ägina. Ein wesentlicher Teil ihres hohen Wertes ergibt sich dadurch, daß die um 500 v.Chr. in zeitlichem Abstand voneinander entstandenen Skulpturengruppen den Übergang von der griechischen Archaik zur Frühklassik dokumentieren. Jede neugewonnene Information zur ursprünglichen Aufstellung der Skulpturen und deren wahrscheinlichem Aussehen muß daher auf die Goldwaage und die von König Ludwig I in Auftrag gegebenen Ergänzungen waren gegenüber diesen gewonnenen Erkenntnissen nicht mehr zeitgemäß.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

2011 gab es in der Münchner Glyptothek die Ausstellung „Kampf um Troja. 200 Jahre Ägineten in München“, bei der man wie früher aufgestellte ergänzte Repliken der Skulpturenfunde der heutigen Äginetenaufstellung gegenüberstellte. Der Begleitband zur damaligen Ausstellung beschäftigt sich detailliert mit den umfangreichen Bemühungen um an Informationen über das Aussehen der Skulpturen und deren tatsächliche Aufstellung zu gelangen und begründet die heutige Lösung.

Umgestürzter Obelisk vor dem Münchner Ägyptischen Museum

Während man bei den Ägineten den Gewinn durch die Abnahme der Ergänzungen nachvollziehen kann, wäre die Wirkung des Barberinischen Fauns vermutlich zerstört, wenn man ihm auch noch das ergänzte rechte Bein abnehmen würde. Man hat keine Informationen darüber, wie er tatsächlich ausgesehen hat und in welchem Kontext er aufgestellt war. Mit seinem ergänzten rechten Bein wird er aber vermutlich seinen zahlreichen Fans ein realistischeres Bild seiner früheren Wirkung geben, als wenn man ihm alle Ergänzungen abgenommen hätte.

Montag, 23. Dezember 2024

Die Keltenschanze im Laufzorner Holz

In diesem Jahr hatte ich mich im Blog in südlicher Richtung den Hachinger Bach entlang bachaufwärts von Altperlach bis zu einer der neuen Informationstafeln auf dem Oberhachinger Kyberg vorgearbeitet. Die Informationstafeln wurden an „verschiedenen historisch bedeutsamen Punkten aufgestellt, die spannende Einblicke in die Geschichte, Archäologie und Entstehung der Region um Oberhaching bieten.“

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Unterhalb des Kybergs befindet sich die Quelle des Hachinger Bachs. Als geologische Besonderheit geht das Hachinger Tal im weiteren Verlauf nach der Bachquelle in das trockene Gleißental über, das in die südliche Richtung weiterführt. Die Keltenschanze im Laufzorner Holz liegt westlich des Gleißentals etwa 2 km Luftlinie von der Quelle des Hachinger Bachs entfernt. Die Museumsapp des Heimatmuseums Unterhaching trägt dem übergreifenden System von Hachinger Tal und Gleißental dadurch Rechnung, daß man das Gleißental zum Hachinger Tal dazuschlägt. Sie ist deshalb auch interessant für Ausflüge in den Bereich des Gleißentals. Daß es im Gleißental eine Skiflugschanze gab, habe ich bspw. nur durch die App mitbekommen. Einen Eindruck für diesen übergreifenden Ansatz der App gibt das Video „Flug über den Hachinger Bach“.

Die Kette von römischen Siedlungen entlang des Hachinger Bachs habe ich in den früheren Einträgen erwähnt. Die Nord-Süd-Verbindung dieser Siedlungen entlang des Hachinger Bachs muß sich irgendwie im Bereich des Übergangs vom Hachinger Tal in das Gleißental mit der römischen Ost-West-Fernverbindung zwischen dem römerzeitlichen Salzburg und Augsburg getroffen haben. Diese Fernverbindung kreuzte seinerzeit aber nicht den Hachinger Bach, sondern verlief durch den nördlichsten Teil des Gleißentals. Und führte nach dem etwa 500 m von der Schanze entfernten westlichen Aufstieg aus dem Gleißental direkt an der Keltenschanze im Laufzorner Holz vorbei, wie auf dem Schummerungsbild in Abbildung 3 der neuen Infotafel zu sehen ist.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Das auf der Informationstafel abgebildete Schummerungsbild kann man sich auch via dem BayernAtlas ansehen. Man beachte hier wieder die begleitenden Materialentnahmegruben. Bewegt man sich im BayernAtlas in Richtung Osten, sieht man die Römerstraßenschleife hinunter in das Gleißental. Die neue Informationstafel befindet sich wie die alte vor der westlichen Ecke der Keltenschanze an einem dort vorbeiführenden Weg. Das erste hier eingestellte Foto zeigt diese vom Weg aus gut sichtbare Ecke.

Von dieser Ost-West-Fernverbindung mußte hier wie gesagt irgendwie eine Verbindung in nördliche Richtung entlang des Hachinger Bachs abzweigen. Vom Zusammenleben der römischen Siedlungen mit dem Hachinger Bach gibt der römische Mühlkanal am Perlacher Oberen Hofanger einen guten Eindruck. In der Richtung dieser Kette der römischen Siedlungen entlang des Hachinger Bachs befand sich eine weitere römische Ost-West-Fernstraße, die zu einem Isarübergang bei Oberföhring führte. Die Vermutung liegt nahe, daß die Strecke durch das Hachinger Tal als Querverbindung diente. Die reich ausgestatten Grabfunde von Unterhaching, deren Entdeckung 2010 zur Ausstellung „Karfunkelstein und Seide - Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit“ in der Archäologischen Staatsammlung München führten, könnten sich durch diesen für die damaligen Bedürfnisse verkehrsgünstig gelegenen Standort erklären lassen.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Die neue Informationstafel an der Keltenschanze im Laufzorner Holz enthält in Abbildung 2 zwar eine geophysikalische Prospektion mit Eintragung der Gebäudegrundrisse. Leider ohne weitere Angaben darüber, welche Gebäude man heute in der Schanze vermutet. Die jahrzehntealte Tafel zuvor behaupte, daß Keltenschanzen nicht wie man früher geglaubt hatte befestigte römische Gutshöfe waren, sondern nach außen hin abgegrenzte Kultstätten der Spätkeltenzeit. Ich glaube an Gutshöfe der ländlichen Oberschicht, die als Oberschicht vor Ort auch für das Religiöse und für kultische Handlungen zuständig war.

Die Keltenschanze im Laufzorner Holz hatte ich schon 2010 im Blog. Der Titel „Vernetzte Erdwerke - mit Fotos von der Keltenschanze im Laufzorner Holz“ erklärt sich über eine Projektwebsite zu den „Vernetzten Erdwerke“, die ich damals ganz gut gefunden habe, aber die es heute nicht mehr gibt. Noch ungünstiger war das Verschwinden von Informationen zu lokalen Römerstraßendiskussionen auf einer anderen Website. Den alten Text habe ich wegen diesen verschwundenen Informationen bei einer Überarbeitung 2019 etwas eingedampft.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Ob ich meinen Text zur Keltenschanze im Laufzorner Holz nun wieder über die Vernetzung aufziehen mußte, kann man diskutieren. Mache ich dann ein wenig bei der konkurrierenden östlich am Gleißental anliegenden Mehrfachschanze im Loh, die würde vielleicht besser passen. Aber eine der Schanzen mußte für die Vernetzung mit der Ost-West-Verbindung herhalten und bei der im Laufzorner Holz konnte ich jetzt auf meine eingedampften Vernetzungsbeispiele aus noch viel früheren Zeiten zurückgreifen.

Bei meinen Blogeinträgen hänge ich hinterher. Die lange Pause seit September war wieder nicht gewollt. Und ich bin jetzt ungewollt mit der Keltenschanze im Laufzorner Holz auf Weihnachten zugerutscht. Ich dachte erst kurz daran etwas anderes für Weihnachten vorzuziehen.

Keltenschanze im Laufzorner Holz

Aber im Grunde paßt dieses Vernetzungsthema ideal zur Weihnachtszeit, in der auch gern Verbindungen gepflegt werden. Man möge in dem Sinne bei dieser Pflege noch etwas drauflegen. Siehe die Überlegung zu den reichen Unterhachinger Funden, nach denen die Verbindungen ein wesentlicher Grund für die Standortwahl waren! Und ich versuche bis Weihnachten zumindest diesen Blogeintrag eingestellt zu kriegen..

Ich wünsche allen schöne Weihnachtsfeiertage und ein gutes neues Jahr!