Freitag, 15. Oktober 2010

Das Dachziegelarchiv

Den Hinweis auf das Dachziegelarchiv habe ich im Blog von Jörn Borchert gefunden. Neben dem Hinweis könnte ich auch seinen kompletten Blog-Eintrag unterstrichen übernehmen. Damit ich nicht ganz zum Plagiator werde, lesen Sie ihn bitte bei ihm selbst durch: „Das Dachziegelarchiv von Siegfried Müller“.

Im Dachziegelarchiv habe ich gleich nach den Ludowici-Ziegeln gesucht, die meine Eltern auf dem Dach haben. Es gibt dort sogar eine Abfolge von mehreren Katalogen mit diesem Ziegel im „kritischen Zeitraum“ so um 1910 herum, wo mein Urgroßvater vermutlich seinen Katalog zu Gesicht bekommen hat.

Interessant ist, wie die Leidenschaft für die alten Römer mit Abbildungen von Fundstücken und einem erklärenden Text in die Kataloge eingebracht wurde. Da steht z.B. im Katalog von 1907 auf Seite 5: „Seit einigen Jahren hat Wilhelm Ludowici angefangen, in den Feldern von Rheinzabern nach den Überresten dieser römischen Töpferkolonie zu graben und die Ausschmückung dieses Kataloges, die Kopfleisten, geben ein Bild der prachtvollen Gefäße, welche diese römischen Töpfer der ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung zu liefern imstande waren. Neben glatten Tellern und Schüsseln mit Namenstempeln finden sich die schönsten Krüge und Reibschalen mit Tonmalerei und Kerbschnittornamenten. Diese Industrie ist vollständig verschwunden, aber heute liefert dasselbe Tonlager täglich den Stoff zur Herstellung von 90 000 Falzziegeln, welche nach allen Himmelsrichtungen auslaufen.“

Man könnte an die Werbeempfehlung „tue Gutes und rede darüber“ mit der Ergänzung „finde Gutes und zeige es vor“ denken. Jedenfalls ging die Leidenschaft für die alten Römer und das Marketing Hand in Hand, denn treffender konnte man kaum die Wertigkeit und die Dauerhaftigkeit der örtlichen Tonprodukte vermitteln. Und in die Irre geführt wurden die Leute damit nicht - die Ziegel meines Urgroßvaters haben ja schon die ersten hundert Jahre gut durchgehalten!

Wer sich selbst auf die Spuren alter Ziegel in den Katalogen vom Dachziegelarchiv machen will: ohne weitere Angaben kann es bei einem Massenprodukt wie dem Z 1 schwierig sein, den richtigen Katalog und damit das ungefähre Kaufdatum zu ermitteln. Wie mir Herr Müller geschrieben hat, wurde der Z 1 1881 patentiert und nach seinem Wissen bis zur Liquidierung der Firma 1972 nahezu unverändert produziert.

Ansonsten bringt das Studium solcher Produkte wegen der Dauerhaftigkeit des Materials und teilweise guten zeitlichen Zuordnungsmöglichkeiten aber eine sehr hohe Rendite bei der archäologischen Forschung. Im Zitat aus dem Ludowici-Katalog ist das Stichwort „Namenstempel“ schon genannt. Ich hatte in meinem Eintrag über das Terra Sigillata-Museum Rheinzabern erwähnt, daß 600 der dortigen Produzentennamen aus der Römerzeit bekannt sind und diese Kenntnis einen Schlüssel für Funde in großen Teilen Europas liefert.

Wie sowas funktioniert, kann man in dem sehr gut geschriebenen Text über die Karlsruher Villa rustica im Landesbildungsserver Baden-Württemberg sehen. Da sind es Fundstücke von mehreren Produktionsorten, mittels denen die Nutzungsdauer der Villa rustica in etwa rekonstruiert werden konnte.

Anders als dieses Verzeichnis der antiken Rheinzaberner Produzenten ist das Dachziegelarchiv von Siegfried Müller aber nicht nur für die Erforschung der Vergangenheit gedacht, sondern auch für Lösung von Problemen mit noch existierenden Ziegeldächern. Was mache ich beispielsweise, wenn ich Ersatz für die alten Ziegel brauche? Ziegel und Prospekte können Sie zwar nicht bestellen, das ist nicht Sinn und Zweck des Archivs, aber ich darf von Herrn Müller an Sie weitergeben, daß er bei Anfragen nach Ersatzziegeln für historische Ziegelmodelle gern kostenlose Tipps gibt. Hinweise dazu sind auf der Website etwas versteckt im Wiki zu finden: „Ersatzziegel für historische Ziegelmodelle“.

Ich werde mir das auf jeden Fall merken, der Ersatzziegel für den Z 1 ist ja schon auf dieser Webseite, und will hier das Thema Dachziegelarchiv mit der Empfehlung von Jörn Borchert schließen: Machen Sie sich eine Freude und besuchen Sie das Dachziegelarchiv!

Nun, nachdem ich den Link auf die Villa rustica Karlsruhe-Durlach schon gebracht habe, weil er so gut zum Thema gepasst hat, auch gleich der Hinweis auf die „Historica 2010“ vom 12.-14. November in Karlsruhe-Durlach. Ort, Startzeit und wer vorlesen wird stehen schon fest und können auf der Website des Autorenkreis Historischer Roman Quo vadis durchgesehen werden. Nach der Villa rustica hatte ich im Internet gesucht, weil ich für Fotos wissen wollte wo die in Durlach liegt. Mal sehen ob das noch klappt mit einem eigenen, mit Fotos von der Villa rustica garnierten Historica-Blog-Eintrag vor oder nach der Historica.

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