Sonntag, 14. April 2013

Noch einmal zur Heuneburg-Onlinepetition

Was ist eigentlich aus der Onlinepetition für den „Erhalt des Freilichtmuseums keltischer Fürstensitz Heuneburg“ geworden? Die Antwort kann man auf openPetition in der Mail des Initiators Willy Weinmann „an alle Freunde und Unterstützer der Heuneburg“ lesen: „am 29.3. ist die Petition ausgelaufen. Leider haben wir nur 1966 anstatt der erhofften 10.000 Stimmen bekommen. Trotzdem habe ich sie eben an den Petitionsausschuss des Landtages weitergeleitet.“

Das klingt enttäuscht, aber aus meiner Sicht sind 1966 Stimmen ein glänzendes Ergebnis. Derzeit läuft die Frist für diese Petition in Nordrhein-Westfalen: „Angekündigte Streichung der Landeszuschüsse für die Archäologie und Denkmalpflege zurücknehmen!“. In dem Fall ist die Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e. V. (DGUF) der Initiator, die Online-Unterstützung ist wesentlich massiver und die Berichte in den klassischen Medien sind viel zahlreicher. Außerdem ist ein ganzes Bundesland mit mehr als 17 Millionen Einwohnern betroffen. Nach über einem Drittel der Zeichnungsfrist liegt die Unterstützerzahl bei 16305.

Zur Heuneburg-Petition ist wichtig zu wissen, daß es neben dem Freilichtmuseum mit der bekannten Lehmziegelmauer-Rekonstruktion auf dem Geländesporn über der Donau auch noch das Museum im zu Herbertingen gehörenden Hundersingen gibt. Das Freilichtmuseum ist Gegenstand der Petition, weil sich die „Gemeinde Herbertingen ... aus finanziellen Gründen vom Unterhalt des Freilichtmuseums keltischer Fürstensitz Heuneburg zurückgezogen“ hat. Das Freilichtmuseum und das Museum in Hundersingen sind durch einen Runderwanderweg verbunden, in den auch mehrere Großgrabhügel eingebunden sind. Siehe mein Besuchsbericht vom Bienenmarkt auf der Heuneburg. Rundwanderweg und Museen liegen auf der westlichen Seite der Donau. Das vor zwei Jahren durch eine Blockbergung bekannt gewordene „Fürstinnengrab“ und die zuvor gefundenen Reste eines Kindergrabs sind auf der östlichen Seite der Donau gefunden worden. Im nordwestlich von Herbertingen gelegenen Gräberfeld Bettelbühl. Namensgebend für das Gräberfeld ist der Großgrabhügel Bettelbühl, der mittlerweile aber weniger als 4 m hoch sein soll. Siehe hier der Wikipedia-Artikel zum Gräberfeld Bettelbühl und mein Eintrag über den Sensationsfund bei der Heuneburg.

Bei der Onlinepetition ging es um den Erhalt des Freilichtmuseums. Das Museum in Hundersingen muß natürlich in die Betrachtung miteinbezogen werden. Würden die Funde aus dem Kinder- und dem „Fürstinnengrab“ dauerhaft in Hundersingen statt in Stuttgart gezeigt, dann könnte durch die höhere Attraktivität des Museums auch die Besucherzahl des Freilichtmuseums gesteigert werden. Als Argument zur Onlinepetition ist zu lesen: „Die Fundstücke gehören dort ausgestellt, wo sie auch gefunden wurden. So wird der Zusammenhang zu den Landschaften und den Menschen aufgezeigt. Den Menschen sollen ihre Wurzeln an Ort und Stelle gezeigt werden. Dies schafft Heimat und Verbundenheit“. Was würde man selbst vorziehen: eine supertolle teure Präsentation dieser Funde neben vielem anderen in Stuttgart? Oder eine einfache Präsentation in Hundersingen, von der aus man nach ein paar Minuten Fußweg von oberhalb der Donau auf die Ebene auf anderen Seite hinuntersehen kann, wo die Frau und das Kind begraben wurden?

Auf den Februar ist eine Stellungnahme des baden-württembergischen Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft (pdf) datiert, nach der das Land dafür Sorge tragen will, „dass das Freilichtmuseum weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.“ Von Ende März scheint dieser Beitrag des SWR zu sein, nach dem eine Lösung für das Freilichtmuseum Heuneburg in Sicht ist: „Der Museumsverein Heuneburg will das keltische Freilichtmuseum Heuneburg bei Herbertingen im nächsten Jahr weiterführen“ und der Finanzstaatssekretär Ingo Rust „ist zuversichtlich, dass es bis zum Frühsommer zu einer Lösung kommt.“

In der obigen Stellungnahme des Ministeriums wird auch der Verbleib der Funde angesprochen. Die Stellungnahme ist aufgrund eines Antrags der CDU-Fraktion erfolgt. Dort ist in der „Begründung“ u.a. zu lesen: „Mit der Planung und Umsetzung beispielsweise eines Landesmuseums könnten die reichhaltigen Funde und edelsten Goldschmuckstücke vor Ort gezeigt werden.“ Diese Einrichtung eines weiteren Landesmuseums kommt aber laut der Stellungnahme des Ministeriums nicht in Betracht. Und: „Die Funde der archäologischen Untersuchungen auf der Heuneburg werden und wurden bereits u. a. durch das 'Keltenmuseum auf der Heuneburg' oder im Rahmen der Großen Landesausstellung 'Die Kelten' vom Archäologischen Landesmuseum und vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart gemeinsam der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Eine noch stärkere Einbindung in die kulturellen und touristischen Konzepte des Landes wird angestrebt.“

Schlußbemerkung: In meinem letzten Eintrag zur Heuneburg-Onlinepetition hatte ich den Wunsch geäußert, daß man vor Ort selbst über die eigenen Angelegenheiten berichtet. Und daß ich keine Lust habe, mir die Informationen so wie damals zusammenzusuchen. Dabei ist es geblieben. Ich habe jetzt auch nicht mehr die Gemeindewebsite nach den Informationen durchsucht, die ich auf der Heuneburg-Website nicht gefunden habe. Und ich habe nicht versucht, alle online gestellten Zeitungsartikel durchzusehen. Und außerdem würde ich mich auch weiterhin darüber freuen, wenn ab und zu ein aktuelles Foto von der Heuneburg und den im Stellungnahme-pdf erwähnten steuerfinanzierten Grabungen zu sehen sein würde. Und ich würde auch gerne via einer Heuneburg-Website mitbekommen, wie es mit der im pdf angesprochenen „Sicherung, Präsentation und Vermittlung des Steintors“ weitergeht.

Kommentare:

Jan hat gesagt…

Die Online-Petition zu NRW läuft auch nicht besonders gut. 17.400 Unterzeichner, aber die NRW'ler - auf die es ankommt - sind weiter deutlich in der Minderheit (7700).

Jürgen hat gesagt…

@Jan

hatte die zahlreichen Medienberichte gedanklich mit einem Anschub für die DGUF-Petition gekoppelt. Als ich halb den aktuellen Beitrag in 3sat-Kulturzeit mitbekommen habe ("Bedrohte Schätze - Dem Denkmalschutz in NRW drohen Kürzungen" http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/169196/index.html ) auch. Sehe aber gerade, daß dort im Text nur die 17.000 Unterschriften des "Rheinischen Vereins für Denkmalpflege" erwähnt sind. Stichprobenmäßig habe ich jetzt in die große Sammlung des DGUF (http://www.dguf.de/index.php?id=285) reingesehen und da wird etwa in einem verlinkten WDR-Beitrag überhaupt nichts erwähnt, wo die Leute aktiv werden können. Aber selbst wenn man das miteinbezieht, dann läuft die Petition wirklich nicht besonders gut. Ein Blog wie derjenige der Ruhrbarone hat sehr viele Zugriffe aus NRW und da ist der Link drin.