Donnerstag, 2. April 2009

Drei Grazien für 125 Euro

Über einen Beitrag in heise online bin ich letzte Woche auf die Website von fotoerbe.de gestoßen. Heise berichtete über eine Wikimedia-Vereinbarung mit der Deutschen Fotothek und wollte mit einer fotoerbe.de-Abfrage die Stellung der Deutschen Fotothek bei der Anzahl der digitalisierten Bilder veranschaulichen.

Die fotoerbe.de-Website macht mit ihrer einfachen und übersichtlichen Struktur einen ganz guten Eindruck. Wenn man sich erst mal die Linklogik ansieht und nicht gleich drauflosklickt, dann ist der Aufbau, die Navigation und die Suche gut selbsterklärend.

Beginnt man mit den Beständen der Deutschen Fotothek in der genannten fotoerbe.de-Abfrage, dann wäre beispielsweise der Eintrag „Adamiak, Josef“ interessant, über den sind einige Fotografien von Pompeji zu finden. Das Zeichen in der fotoerbe.de-Abfrage ganz rechts gibt an, daß die Bilder im Web verfügbar sind, der dazugehörende Link führt in diesem Fall auf die entsprechende Abfrage bei der Deutschen Fotothek.

Leider weckt fotoerbe.de mehr Begehrlichkeiten als solche schnell zu befriedigen. Zwar kann man die Abfrage anders gestalten und gleich nur die Sammlungen auswählen, die im WWW verfügbar sind. Solche Bestände sind aber nicht der Normalfall, viele Fotografien sind nicht im Web, sind überhaupt noch nicht digitalisiert und schon gar nicht einfach so für jeden zugänglich.

Aber man sieht, was es so gibt. Bspw. besitzt das Fotoarchiv des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege nach fotoerbe.de 2300000 Fotografien, nach diesem Stand sind 100000 digitalisiert und 0 zugänglich. Die Fotothek des Instituts für Archäologische Wissenschaften der Uni Frankfurt am Main besitzt nach fotoerbe.de 400.000 Fotografien, wobei hier unbekannt ist wie viele davon digitalisiert und wie viele zugänglich sind. Die Fotothek und Diathek des Instituts für Klassische Archäologie der Freien Universität Berlin besitzt nach fotoerbe.de 170000 Fotografien, wie viele davon digitalisiert und zugänglich sind, ist fotoerbe.de ebenfalls unbekannt.

Man kann jetzt versuchen, mittels den Links zu den einzelnen Institutionen weiter zu recherchieren. Das klappt manchmal ganz gut, z.B. beim Verweis auf das Fotoarchiv der Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin. Man ist gleich an der richtigen Stelle und findet hier auch schnell klare Nutzungsbedingungen: „Nur für nachweislich wissenschaftliche Nutzer...“.

Manchmal geht das aber nicht so einfach. Der brauchbarste Link von der Bestandsanzeige des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege bei fotoerbe.de führt zur Website des Landesamtes. Auf der Seite sehe ich kein Fotoarchiv, und die Suchfunktion auf dieser Seite findet für „Fotoarchiv“ keine passenden Einträge. Was aber zu den 0 zugänglichen Fotos in der fotoerbe.de-Bestandsanzeige paßt.

Zur Fotothek der Frankfurter gibt es von fotoerbe.de einen Direktlink, der aber nicht mehr funktioniert. Der Link zum Institut selbst ist auch veraltet, aber man wird zumindest auf die neue Webseite umgeleitet und kann dann über das Menü via „Über die Abteilung“ zur Fotosammlung gelangen. Ich habe es dort aber erst mit der „Websuche“ versucht und bin bei der „Diathek des Kunstgeschichtlichen Instituts Frankfurt“ und dem Prometheus-Bildarchiv gelandet.

Diese beiden nicht so einfach funktionierenden Beispiele sollen genügen, um einmal die Probleme eines Webportals sehen und sich zu überlegen, was die einzelnen Institutionen (nicht nur einmalig) liefern müßten, damit das alles schön rund wird. Wir haben das Problem der Links, der Suchworte bei den Institutionen (Fotoarchiv oder Fotothek) und bei fotoerbe.de, die Einträge müssen hier für die Suche auch passend betextet sein. Dazu noch das Problem, daß eine Institution vielleicht mehrere Webportale bedienen muß (Fotoerbe.de, Prometheus-Bildarchiv, ...).

Jedenfalls, hat man sich erfolgreich durchgehangelt, dann findet man die Nutzungsbedingungen. Hier wäre die Frankfurter Sammlung von Fotos und Abgüssen antiker Münzen und hier das Institut für Klassische Archäologie der FU Berlin. Zu den Infos über die Fotothek muß man bei den Berlinern ganz nach unten scrollen.

Und wer jetzt lieber das Grazien-Relief zu 125 Euro haben will, der geht entweder über das Menü der Berliner Instituts-Seite oder von hier auf die „Abguss-Sammlung Antiker Plastik Berlin“ und wählt im Menü den
„Verkaufskatalog“.

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