Letztes Jahr hatte ich das Buch „Mathematik: Die Geschichte der Ideen und Entdeckungen“ als Einführung in die Mathematikgeschichte empfohlen. Mein Zitat aus der Verlagsbeschreibung mochte gruselig klingen, besonders wenn man dabei an das adressierte Lese-Einstiegsalter von zehn Jahren denkt: „Die Autoren berichten von der Erfindung der Null, von der Entdeckung der Zahl π, die es erlaubt, den Kreisumfang zu messen, vom Gesetz der Schwerkraft, von der Relativitätstheorie, von den Axiomen Euklids...“. Aber ich hatte ja im Fall des niedrigen Lesealters zur Begleitung durch einen Erwachsenen geraten.
Bis 24.12.2025 kann man sich noch in der Arte-Mediathek die gut zu diesem Buch passende dreiteilige Doku „Die Odyssee der Zahlen“ ansehen. Das „gut zueinander passen“ ist dabei demselben zeitübergreifenden Ansatz geschuldet. Im Buch wird ein Kind aus der Vorzeit dargestellt, das mangels neuzeitlicher Mittel dem Weihnachtsmann die gewünschte Anzahl von Bonbons mittels Kerben in einem Knochen mitteilen müßte. Und im ersten Doku-Teil „Wie alles begann“ steigt man mit dem vorzeitlich gekerbten Lebombo-Knochen in die Zahlen-Odyssee ein.
Natürlich kann man sich die Doku auch gewinnbringend ansehen, ohne ein mathematikgeschichtliches Buch gelesen zu haben. Und wenn man ein mathematikgeschichtliches Buch liest, dann landet man auch bei anderen Büchern als dem oben genannten schnell bei Überschneidungen, nur eben nicht so zeitübergreifend. Die Erfindung und Einführung der Null ist beispielsweise so ein beliebtes Thema, daß es sogar mehrere unterschiedliche Bücher darüber gibt. Manchmal sind die Überschneidungen ganz nett um etwas unter einem anderen Blickwinkel zu sehen, manchmal findet man eines der Bücher auch einfach überflüssig. Aber alle wären vielleicht froh über die Bebilderungen durch die Doku. Sie läßt einen frühe indische Nullen in ihrem ursprünglich erhaltenen Umfeld sehen und verfolgt dann ihren Weg über Arabien bis nach Europa.
Der zweite Teil der Doku trägt zwar den Titel „Der Siegeszug der Mathematik“, aber die Serie hat doch passend zu ihrem Obertitel einen Schlag hin zu den Zahlen. Die finden im dritten Teil „Vom Werkzeug zum Universalcode“ ihren Weg hin zur Massendatenverarbeitung. Der moderne Westen ging einher mit Statistiken und mit Fähigkeiten die vielen dafür anfallenden Zahlen gut verarbeiten zu können. Mittlerweile hat sich die Produktion und die Verarbeitungsfähigkeit von Zahlen immer weiter vervielfacht. In der Doku wird abschließend ein Verschwinden der Zahlen so wie wir sie kennen für denkbar gehalten. Die Zahlen werden für uns verarbeitet, wir können sie zunehmend weder wie früher selbst nutzen noch mit ihnen umgehen.