Sonntag, 5. April 2015

Herxheimer Hügelgräber und Nymphenburger Gewandete Wanderer

Ein schneller Nachschlag für diejenigen Münchner, denen im letzten Eintrag die Gewänder in „Von Richard, Thor und dem Regengott: Das Richard-Löwenherz-Fest“ ganz besonders gefallen haben: am Ostermontag soll das Gewandete Wandern 2015 vom Nymphenburger Schloss zum Schloss Blutenburg stattfinden. Ich hatte keine Ahnung, daß es so ein Gewandetes Wandern gibt. Aber die Anzahl derjenigen, die bei früheren Wanderungen teilgenommen haben, und derjenigen, die teilnehmen wollen, ist doch schon beeindruckend. Fotos von bisherigen Wanderungen gibt es auf Facebook und ein Video auf Youtube.

Nymphenburger Porzellan-Papagei

Meine Fotos aus spärlichen Nymphenburg-im-Winter-Beständen sind ein Gruß an „Quizzy zeigt euch München“ und sollen niemand von der Parkwanderung abhalten. Am Montag soll es immerhin 7 Grad warm werden! Renate hat unter dem Titel „Ein Sommerschloss im Winter“ sehr schöne Nymphenburg-Fotos zum letzten Jahresende eingestellt. Ihr Start in das neue Jahr scheint nicht gut verlaufen zu sein. Drücken wir ihr doch alle mal die Daumen, daß der Rest des Jahres 2015 supernett zu ihr sein wird!

Pagodenburg im Nymphenburger Park

Wie im letzten Eintrag empfohlen, habe ich noch in den „Blogs, die uns auch interessieren“ des Projekts Einstig herumgestöbert. Gefunden habe ich bei den Pfälzer Waldläufern die „Lost Places - Die Hügelgräber von Herxheim“. Die haben wir mal erfolglos im Anschluß an den Besuch des Herxheimer Jungsteinzeit-Ausgrabungsgeländes gesucht. Für die Schleife durch den Wald reichte die Zeit noch, für den Museumsbesuch war es zu spät. Den haben wir dann drei Jahre später im Anschluß an Herxheim, Teil 1 – Bandkeramiker-Kultplatz nachgeholt.

Nymphenburger Schloss

Auslöser unseres Waldspaziergangs im Jahr 2010 war nur ein eingezeichnetes Grabhügelfeld in unserer großformatigen Autokarte. So halt dann in der Art: das können wir noch mitnehmen, weil es am Weg liegt. Ortskundige hätten die Gräber sicher auch mit der Autokarte gefunden. Uns hätte vermutlich eine Wanderkarte gereicht, um die relevanten Waldwege besser unterscheiden zu können. Ich hatte das mal in einem Kommentar in Stephans Kraftvollen Orten als Beispiel erwähnt, als es um den Vorwurf zu genauer Ortsbeschreibungen ging. Die Mulden in den Herxheimer Grabhügeln sehen übrigens so aus wie die in vielen Grabhügeln um München herum, siehe das Beispiel Grab der Seherin, und da fanden die Ausgrabungen im 19. Jahrhundert statt.

Nymphenburger Kanal

Brisanter ist da schon das Gebiet des im letzten Eintrag erwähnten Hortfundes, hier wird er „Barbarenschatz von Rülzheim” genannt. Der Wald zieht sich nämlich vom Süden Herxheims bis Rülzheim rüber, und „im Rülzheimer Wald nahe der Römerstraße“ soll der Schatz gefunden worden sein. In alten Onlinezeitungstexten kann man sogar die Entfernung „nur einen halben Meter“ von der Römerstraße finden. Und zur römischen Fernstraße in dem Gebiet gibt es die folgende Aussage bei Via Rhenana Römerstrasse am Rhein: „Nirgends sonst in der Pfalz ist eine Römerstraße noch so gut und umfangreich in der Landschaft erhalten und erlebbar.“ Also sogar für diesen Sensationsfund war nicht einmal ein Nachlesen in archäologischen Publikationen notwendig. Letztere wird ein gewissenhafter Schatzsucher aber sicher auch durchsehen. Wo solche Leute dann noch bei uns Anregungen für lohnende Schatzgräberziele finden sollen ist mir ein Rätsel.

Die andere Frage ist die: könnte man als Denkmalschützer so anpassungsfähig sein und selbst mal schnell solche Gebiete absuchen, wenn allgemein erhältliche Metallsonden das nahelegen? Und wenn das die Möglichkeiten übersteigt, könnte man Strukturen schaffen, in denen Freiwillige solche Gebiete absuchen und dafür eine faire Belohnung erhalten? Ich bin im Kommentar bei Stephan ja stinkig, weil noch nie ein Denkmalamt mit der Bitte an uns herangetreten ist, etwa auf irgendeine Internetaktivität von ihnen hinzuweisen. Man hätte das ja mal üben können. Vielleicht ist man ja mal zu effektiven Internetaktivitäten gezwungen. Denkbar wäre vielleicht was mit Rückkanal, bei denen ähnlich wie die Gewandeten ihre Wanderbereitschaft die Denkmalbesucher etwas zum Zustand eines Denkmals anklicken können. Oder alles luxuriöser, mit Text- und Fotoeingabemöglichkeit. Hier hackt einer mit dem Pickel auf dem Grabhügel herum! Oder man könnte mit einem etablierten Zugang zu den Denkmalfans wichtige Diskussionen wie die über faire Finderbelohnungen führen und so mal die Stimmung bei den Leuten erkunden. Ich war stinkig, ich habe das wegen der fortwährenden Missachtung unserer Blogs etwas zu persönlich genommen. Aber man muß das wohl gesamtsystemisch sehen und zum Gesamtsystem passen offenbar die beschränkten Möglichkeiten der alten Tageszeitungswelt viel besser.

Mittwoch, 1. April 2015

Mal wieder Werbung für die Pfalz

Mein offizieller Blog-Ausgangspunkt ist zwar München, im aktuellen Fall war er es auch tatsächlich für die Internetrecherche. Aber wegen meiner badischen Herkunft ist die Pfalz im Kopf noch fest mit dem Gebiet auf der anderen Seite der Rheinbrücke bei Karlsruhe verdrahtet, und von dieser Rheinbrücke ist es bis zum pfälzischen Landau auch nicht weit. Dieses Landau würde mir dann auch vor dem viel näher bei München liegenden Landau an der Isar einfallen. Mitlesende Bayern mögen mir das nachsehen. König Ludwig I. muß es dort auch gefallen haben, sonst hätte er sich nicht nördlich des pfälzischen Landau seine Villa Ludwigshöhe bauen lassen.

Dieses pfälzische Landau öffnet am 17. April 2015 seine Landesgartenschau, bei der ein Steinzeithaus und ein Steinzeitgarten Besuchermagneten sein sollen, und ich nehme dieses Landesgartenschau-Ereignis nun zum Anlaß für ein paar weitere Pfalz-Links. Mehr zum Steinzeithaus auf der Website des Herxheimer Museums. Aus unserer Sicht mit dem besonderen Interesse an grauer Vorzeit bis Spätantike ein tolles Angebot - Dr. Gramsch wird sicher die Rekonstruktion nach aktuellstem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse gewährleisten. Und wer abends nach der Gartenschau noch an einem der bekanntesten Orte jungsteinzeitlichen Geschehens herumspazieren will, der hat es bis Herxheim nicht weit.

Nun weg von grauer Vorzeit bis Spätantike - „Eine Wanderung ins Mittelalter - Willkommen auf der Burgruine Neu-Scharfeneck“. Zum Geländevergleich sollte man sich zu den Fotos von dieser Wanderung zur nordwestlich von Landau im Pfälzerwald gelegenen Ruine auch die Fotos im oben verlinkten Wikipedia-Artikel über die Villa Ludwigshöhe ansehen. Die Villa liegt nur drei nach Google-Maps geschätzte km Luftlinie von der Burgruine Neu-Scharfeneck entfernt am Rande des Pfälzerwaldes.

Überregional viel bekannter als Neu-Scharfeneck sollte aber die westlich von Landau gelegene Burg Trifels sein. Sehr schöne Fotos von der Burg und dem Bergland im Schnee und ohne Schnee gibt es bei Steffen Hummel. Vom Projekt „Einstig“ gibt es sehr schöne Fotos von unterhalb der Burg: „Von Richard, Thor und dem Regengott: Das Richard-Löwenherz-Fest“. Und in einem Video wurde dieses „Mittelalterliche Fotoshooting“ auch verewigt. Zu finden ist das Video im Youtube-Kanal des Projekts.

Ich empfehle dann häufig noch in den genannten Blogs weiter herumzustöbern. Das ist im Fall vom Projekt Einstig sicher auch zu betonen. Zusätzlich sollte man die umfangreiche Liste von „Blogs, die uns auch interessieren“ nicht übersehen. In denen kann man dann gleich weiterstöbern. Wenn man aber etwa auf den Bereich „Geplante Aktivitäten Feste Termine, denen Ihr Euch gerne anschließen könnt“ und das verlinkte „Forum für Aktivitäten“ auf der Einstig-Website sieht, dann wäre es falsch, den (B)log-Aspekt so dominierend in den Vordergrund zu stellen. Konzeptionell ist das deutlich anders angelegt als „nur Blog“ oder „Blog mit Video-Verstärkung“, was die Leute vom Projekt Einstig da machen.

Das enthebt uns aber wie gesagt nicht des Herumstöberns - ich hoffe alle haben die Tour nach Speyer und den Auftritt in Germersheim gefunden. Diese Ortsnamen findet man mit zahlreichen anderen im Blog der Wanderreporterin Daniela Trauthwein wieder. Ihre Berichte von den einzelnen Etappen sind nicht so ausführlich und üppig bebildert wie die Einträge des Projekts Einstig, dafür ergeben sich interessante Verbindungen. Etwa via den Berichten von einer Wanderung auf dem Pfälzer Jakobsweg. Dessen südliche Route verläuft nördlich dem hier im Blog schon erwähnten Rheinzabern durch Rülzheim, dessen Namen durch den Hortfund von Rülzheim bekannt wurde, und führt danach durch das hier schon häufig erwähnte Herxheim. Und um zu den interessierten Bayern zurückzukommen: die werden von Daniela Trauthwein in einer zehnteiligen Serie vom bayerischen Rothenblog-Land bis in das rheinland-pfälzische Speyer geleitet.

Derart mit Ortsnamen gerüstet kann man sich abschließend vom vielen Stöbern bei einem Video über die Archäologie in der Pfalz 2014 erholen. Das vom Historischen Verein Speyer in das WWW eingestellte Video von einem Vortrag von Dr. Ulrich Himmelmann dauert zwar über eine Stunde, der Vortrag ist aber sehr kurzweilig anzuhören und bietet ein breites Spektrum an Informationen über die Archäologie in der Pfalz.