Sonntag, 30. Oktober 2011

Gauting / Bratananium mit Brandopferplatz

Auf der letzten Station entlang der Würm wurde ja beim Grab der Seherin mit den „Grabhügeln der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit“ und der dort durch und in das nahe Gauting weiterführenden Römerstraße schon so in etwa das Zeitspektrum des Blogs „graue Vorzeit bis Spätantike“ abgedeckt. Die zuletzt geprägten römischen Münzen, die in Gauting (oder auf dem Brandopferplatz?) gefunden worden sind, sollen von 403-404 gewesen sein, habe ich mir in einem Vortrag von Reinhard Falter in der Volkshochschule notiert.

Einmündung der Buchendorfer in die Münchner Straße in Gauting

Ein sehr gutes Hilfsmittel zum Erkunden dieser überaus reichen Vergangenheit ist wieder BayernViewer-denkmal (Hinweise zur Benutzung im Blog-Eintrag BayernViewer-denkmal und GPS). Gauting ist dort mit zahlreichen unterschiedlichen Rotflächen bedeckt. Der Schild mit dem Text „Hier war der Mittelpunkt des römischen Gauting Bratananio um 20-350 nChrGeb“ in Bild 4 ist an der Einmündung des Reismühler Wegs in die Reismühler Straße zu finden (Bild 3), im BayernViewer-denkmal befindet sich die Stelle in der oberen Ecke von Denkmal D-1-7934-0002 ( „Siedlung der Bronzezeit, der späten Latènezeit und vermutlich der Hallstattzeit sowie Vicus der römischen Kaiserzeit.“). Die vom Hügelgräberfeld kommende römische Straße hat hier die Denkmalnummer D-1-7934-0193, ihr Verlauf deckt in dem Bereich mit der heutigen Reismühler Straße. Weiter nördlich trifft diese Straße auf die von West nach Ost führenden „Straße der römischen Kaiserzeit, Teilstück der Trasse Augsburg-Salzburg“ D-1-7934-0006.

Leutstettener Straße in Gauting, Abzweigung zum Steg über die Würm

Zu diesem Treffpunkt der Römerstraßen geht es in Bild 1 geradeaus weiter über die Würm-Brücke. Das Bild ist von der Einmündung der Buchendorfer Straße in die Münchner Straße aufgenommen. Diese Strecke über die Würm mag ich mit dem Fahrrad überhaupt nicht und biege deshalb vorne links, wo gerade das Auto herauskommt, in die Leutstettener Straße ein. Diese Leutstettener Straße geht in den Rad- und Fußweg über, der östlich entlang der Würm bis zum Forsthaus Mühltal und dann auf der anderen Seite der Straße Gauting-Starnberg bis zu der Stelle im ersten Bild im Blog-Eintrag über den Karlsberg führt.

Einmündung des Reismühler Wegs (links) in die Reismühler Straße

Zum „Mittelpunkt des römischen Gautings“ und zum Brandopferplatz muß man aber einen Abstecher auf die Westseite der Würm machen. Hinüber kommt man über eine Holzbrücke für Fußgänger, der hinführende Weg liegt passenderweise an der Straße „Am Steg“. Man kann in die Straße beim Schild in Bild 2 einbiegen, man kann aber auch noch ein Stück weiter auf der Leutstettener Straße bleiben und in den dort schon beginnenden Weg einbiegen. In diesem Bereich rechts der Leutstettener Straße gab es übrigens eine „Villa rustica der römischen Kaiserzeit“, Denkmalnummer D-1-7934-0205. In der Karte von Google Maps ist der Weg nicht eingezeichnet, im Satellitenbild kann man ihn gut erkennen. Nach der Brücke / dem Steg kommt man an der Einmündung des Reismühler Wegs in Bild 3 heraus.

Hier war der Mittelpunkt des römischen Gauting Bratanio um 20-350 nChrGeb

Einlesen in die Geschichte von Gautings kann man sich in der Wikipedia und bei der Gemeinde Gauting. Bei der Gemeinde Gauting sind mehrere Seiten über die örtliche Geschichte zu finden. Obwohl sie mehr Stoff bietet nenne ich die Website an zweiter Stelle, weil darunter auch eine Seite über die östlich von Gauting liegende Keltenschanze Buchendorf mit einem passend zur Informationstafel vor Ort veralteten Text ist. Dem Text kann man es nicht vorwerfen, der ist laut Quellenangabe von 1985. Ich hatte diese unterschiedliche Deutung der Keltenschanzen bzw. keltischen Viereckschanzen im Blog-Eintrag „Die Viereckschanze 2 von Holzhausen“. Aber mittlerweile haben wir 2011, und selbst wenn man gern selbst an die kultische Verwendung der Schanzen glaubt und gerne ein „Heiligtum“ bei Buchendorf haben will, könnte man ja den aktuellen Deutungsansatz in Richtung begüterter Bauernhof zumindest erwähnen. Persönlich neige ich ja zu der Ansicht, daß zwischen politischer und religiöser Macht immer eine Anziehungskraft bestand und auf unterer Ebene die in der Keltenschanze residierende Familie die religiösen Oberhäupter für ihre lokalen Untertanen stellte. Also ich könnte mich auf Keltenschanzen als Bauernhöfe mit Herrgottswinkel für die kultischen Aufgaben einigen.

Reismühle an der Würm bei Gauting

Interessant ist, daß man auf der Website der Gemeinde Gauting bei der Keltenschanze auf einer kultischen Verwendung besteht, der Brandopferplatz südlich der Reismühle aber nur eine kurze Erwähnung findet. Der wäre nach den Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte Nr. 32 vom Oktober 1984 sogar ein in Bayern relativ seltener Fund. Der Text ist mittlerweile auch schon in die Jahre gekommen, aber da finde ich leider keinen aktuellen Stand im Web. Das ist sehr bedauerlich, man vergleiche die Website Goldbichl.at für den Brandopferplatz am Goldbichl, auf die Marcellina hingewiesen hat. Richtig traurig fand ich, daß auch vor Ort nichts an den Brandopferplatz erinnert.

Gebiet des keltisch-römischen Brandopferplatzes an der Straße von Gauting nach Starnberg

Zum Brandopferplatz (Denkmalnummer D-1-7934-0008, Beschreibung „Siedlung der Latènezeit, Brandopferplätze der Latènezeit und der römischen Kaiserzeit.“) geht es in Bild 3 entweder links den Reismühler Weg oder rechts die Reismühler Straße weiter. Ziel ist die Reismühle. Im Falle des Reismühler Wegs erreicht man die, in dem man am Straßenende bei der Berengariastraße den Fußweg in Richtung Reismühle nimmt. Von dort geht es den von den Gebäuden bei der Reismühle nach Süden wegführenden Feldweg weiter. Dann ein Stück durch den Wald und man ist da. Mit dem Auto hätte man es in dem Fall einfacher - das Gelände liegt direkt an der Straße nach Starnberg. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen war alles für Pferde unterteilt, es waren aber keine Pferde da. Auf einem schmaleren Stichweg kommt man weiter zu einer Würmbrücke, über das Gelände auf der anderen Seite der Würm darf man aber nicht zum Rad- und Fußweg. Dazu muß man dann wieder zurück zur Reismühle und dort über die Brücke.

Gebiet des keltisch-römischen Brandopferplatzes an der Straße von Gauting nach Starnberg

Zur Reismühle gibt es wie zur Karlsburg eine Legende, nach der Karl der Große hier geboren ist. Dazu noch einmal die Website von Gauting: Bertha, die Mutter Karls des Großen, wäre hier im Wald herumgeirrt und hätte dann in der Mühle Zuflucht gefunden. Vermutlich ist diese Legende wie im Fall der Karlsburg auf den karolingischen Grundbesitz zurückzuführen. Der Name „Reismühle“ soll nicht von einer Mühle für Reis, sondern von „Reichsmühle“ abgeleitet sein.

Im verlinkten Text zum Brandopferplatz steht ja nichts, wem hier geopfert wurde. Wer gewagte Konstruktionen mag, hier eine Notiz aus dem eingangs genannten Vortrag von Reinhard Falter, ich hoffe die wurde beim Notieren nicht noch gewagter: angenommen, es wurde einer Muttergottheit am Brandopferplatz gehuldigt, die Rhea als Mutter des Jupiter entspräche der Frau Holle, die entspräche der Berchta/Perchta/Bertha, und Bertha hat die Mutter von Karl dem Großen geheißen.

Gebiet des keltisch-römischen Brandopferplatzes an der Straße von Gauting nach Starnberg

Abschließend noch ein Link zum Beitrag „BR.de-Relaunch: schön, aber mit Schönheitsfehlern“ von Bernd Oswald bei onlinejournalismus.de. Ich hatte am Donnerstag gemerkt, daß der im Blog-Eintrag über die Bethenquelle verlinkte "Weitwinkel"-Beitrag auf der BR-Website nicht mehr zugreifbar ist (über den Google-Cache käme man noch an den Text). Da kam gerade ein Hinweis auf diesen Beitrag in onlinejournalismus.de vorbeigetwittert, den habe ich dann kommentiert. Ich hoffe, ich war nicht zu emotional. Normalerweise sind die Sachen dort ziemlich gut, insbesonders auch das, was über Bernd Oswald herein kommt. Und wenn ich sonst vorbeischaue freue ich mich als stiller Zaungast die Worte der Meister lesen zu dürfen. Aber in dem Fall...

Montag, 24. Oktober 2011

Grab der Seherin

Zum Grabhügelfeld mit dem „Grab der Seherin“ geht es die im ersten Bild des letzten Blog-Eintrags gezeigte Abzweigung von der Straße Gauting - Starnberg hoch zum stillgelegten Bahnhof Mühltal. Die Asphaltstraße unterquert da oben die Bahnlinie, und direkt nach der Unterquerung biegt man rechts in einen Schotterweg zum Grabhügelfeld ein, während die Asphaltstraße eine Linksbiegung macht und sich dann in die Richtungen Gut Rieden und Hanfeld teilt.

Der in den Wald ansteigende Schotterweg verläuft zunächst parallel zur Bahnstrecke und macht dann eine 90°-Linksbiegung. Zum „Grab der Seherin“ muß man kurz darauf in einen Weg nach rechts einbiegen, die 90° sind wieder korrigiert und man ist so in etwa wieder parallel mit der Bahnstrecke, die jetzt ein wenig weiter rechts entfernt verläuft. Auf diesem Weg kommt man an einem umzäunten Gelände vorbei, via Google Maps ist es als Freifläche im Wald erkennbar. Dann sieht man links und rechts neben dem Weg Grabhügel, den großen Grabhügel in Bild 1 - 3 gleich links nach dem Zaun. Wenn man den Weg weitergeht - es geht jetzt schon wieder abwärts - gelangt man zu einer Weggabelung. Vor dieser Gabelung muß man zum „Grab der Seherin“ rechts in den Wald hinein. Vom Weg ist schon der ausgetretene Fußpfad und die Dekoration zu sehen, das Grab ist also kaum zu verfehlen. Zudem könnte man sich noch an der sehr nah vorbeiführenden Bahnlinie orientieren - in Bild 8 sind links oben waagrechte Drähte zu erkennen, das sind die Stromleitungen. Wenn es im Bild rechts oben nicht so hell wäre, könnte man da die Drähte vermutlich auch sehen.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Man sollte sich das alles noch im BayernViewer-Denkmal ansehen (Verwendungshinweise gibt es im Blog-Eintrag BayernViewer-denkmal und GPS). Der Hügelgräberfriedhof ist dort zwar nur eine rot eingefärbte Fläche mit der Angabe „Grabhügel der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit“, Denkmalnummer D-1-7934-0273, aber man sieht in etwa die Ausdehnung. Vor allem ist bemerkenswert, daß man schon nach der Unterquerung der Bahnlinie auf eine ehemalige Römerstraße stößt, und daß man dieser Strecke auf dem Parallelweg zur Bahnlinie folgt. Wobei die weiteren Markierungen der Straße dann eher verwirrend wirken. Wie dem auch ist, irgendwo da verlief die Römerstraße. Der Text im BayernViewer-Denkmal ist „Straße der römischen Kaiserzeit, Teilstück der Trasse Gauting-Kempten“, die Nummern sind D-1-7934-0146 und D-1-7934-0147.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Die Mulden oben in den Hügeln gehen vermutlich auf Dr. Julius Naue zurück, der hier im 19. Jahrhundert als Ausgräber tätig war. Es gibt Beschreibungen seiner Ausgrabungen, die sind zum Teil in seinem Buch Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee. Geöffnet, untersucht und beschrieben von Dr. Julius Naue. zu finden, das man bei archive.org als pdf-Datei herunterladen kann. Dort sind aber nach Titel, Karte und Durchblättern nur Ausgrabungen andernorts beschrieben. Vielleicht ist die Beschreibung der Ausgrabung dieses Hügelgräberfeld in seinem Buch „Die Bronzezeit in Oberbayern“ enthalten.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Hinsichtlich der „Seherin“ scheint der Grabungsbericht von Dr. Julius Naue die einzige noch vorhandene archäologische Basis zu sein. Von Julius Naue muß es zwei Zeichnungen geben, die ich glaube einmal als durchgereichte Kopien gesehen zu haben. Die eine Zeichnung zeigte glaube ich Skelett, erhaltene Metallteile der Kleidung und erhaltene Beigaben in der Fundsituation. Zudem gab es wohl eine Rekonstruktionszeichnung, die man sich Dank Itzá hier im Flower of Life Forum ansehen kann. Nach meiner sicher nicht fotografischen Erinnerung gab es eine rockartig aufgespreizte, getrennte Anordnung von Metallstreifen in der Fundzeichnung, die in der Rekonstruktionszeichnung unten dicht aneinander an dem Kleidungsstück befestigt sind.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Die damaligen Funde sollen heute nicht mehr verfügbar sein. Nach einer gehörten Version sind die Funde in Berlin, nach einer anderen sind sie in der Archäologischen Staatssammlung ausgebombt worden. Eine Dame im Hörteil des im Blog-Eintrag über die Mühltal- oder Bethenquelle verlinkten BR-Online-Beitrages brachte das zusammen: nach Berlin zur Untersuchung gebracht und dort im Bombenhagel verschwunden.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Itzá zitiert aus einer nicht mehr zugreifbaren pdf-Datei einen „vierspeichiger Bronzeradschmuck oder Bronzering mit Mittelkreuz“ unter der „rechten Handfläche der Seherin“, der nicht nur bei ihr Anlaß zu weiter reichenden Interpretationen gibt. Dr. Julius Naue stellt in dem herunterladbaren Buch „Die Hügelgräber zwischen Ammer- und Staffelsee“ auf Seite 189ff. dagegen „bronzene Kopfringe“ in den Vordergrund: „In besonderen Ehren scheinen die Frauen gestanden zu sein; da über ihren Grabstätten häufig hohe Grabhügel errichtet wurden; auch bevorzugte Stellen und Würden müssen ihnen geworden sein, da wir jene bronzenen Kopfringe, die sicher als Würdenabzeichen aufzufassen sind, nur bei weiblichen Skeletten, oder mit anderen weiblichen Schmuckstücken in Brandgräbern gefunden haben.“ Und jemand, der mir erzählt hat, daß die Bethenquelle genau in der Mitte zwischen dem Grab der Seherin, dem Karlsberg und St. Alto in Leutstetten liegt, hat mir erzählt, daß die nördliche Lage des Hügelgrabes im Gräberfeld allein schon die besondere Stellung des Grabes ausweisen würde, weil der Norden früher immer eine besondere Bedeutung gehabt hat.

Grabhügel im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Nach meinem Stand ist es ein bronzezeitliches Grab, da paßt ja dann auch der oben genannte Schmuck dazu. Sicher bin ich mir nicht - mein vorliegender Text hat eine umfangreiche Literaturliste ohne Julius Naue, der Autor hat also vermutlich nur bei jemand abgeschrieben, der vielleicht das Orginal gelesen hat. Das wäre also eine Supergelegenheit für BayernViewer-denkmal um statt „Grabhügel der Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit“ Stärke zu zeigen und das große Interesse zu nutzen, um den Leuten etwas über den Unterschied zwischen Bronze-, Hallstatt- und Latènezeit und deren Grabsitten beizubringen.

„Grab der Seherin“ im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Das Interesse konzentriert sich im Hügelgräberfeld vor allem auf das Grab der Seherin, wenngleich ich es dort eher nicht so schön finde. Die Erde des Hügels ist um die Mulde herum schon ziemlich gleichmäßig festgetreten. Die Mulde wirkt etwas muffelig feucht, nicht so beeindruckend wie die Mulde des Grabes oben in den ersten drei Bildern und nicht so kuschelig wie die Mulde des letzten Grabes in diesem Blog-Eintrag. Zudem bricht in ein eventuelles Versinken in andere Welten gleich wieder eine vorbeifahrende Bahn hinein. Ich hätte trotzdem gedacht, daß sich das Interesse hauptsächlich auf dieses Grab bezieht und die anderen Gräber ziemlich nichts abbekommen, aber Nusas Beobachtung, die er im Blog von Massive Squad beschrieben hat, ist eine andere.

„Grab der Seherin“ im Hügelgräberfeld beim stillgelegten Bahnhof Mühltal

Anzumerken wäre noch, daß wir neben Hügelgrabintressenten auf der Strecke entlang des „Grabes der Seherin“ auch „normale“ Radfahrer und Spaziergänger gesehen haben. Also zum einen ist vermutlich eine passable Verbindung westlich der Bahnlinie in nördliche Richtung gegeben - ich bin ja immer von Osten aus dem Mühltal hochgekommen. Zum anderen ist der „Unheimlichkeitsfaktor“ hier vielleicht nicht so hoch wie bei dem unübersichtlicheren Karlsberg.

Die Bahnlinie soll extra wegen den Hügelgräben eine Kurve machen, hatte ich auch schon gehört. Anderseits orientiert sich die Bahnlinie m.A. nach so viel besser an den Höhenlinien, als wenn sie durch das aktuell im BayernViewer-denkmal ausgezeichnete Hügelgräberfeld führen würde. So oder so können Hügelgräber über die Zeit hinweg verloren gegangen sein, die Einfärbung im BayernViewer geht ja nördlich auch ein Stück über das „Grab der Seherin“ hinaus. Anregender als Lageüberlegungen zu einem bestimmten Grab ist vielleicht die Frage nach der zugehörigen Siedlung. Julius Naue vermutete auf S. 188 die Niederlassungen der vorgeschichtlichen Bewohner in unmittelbaren Nähe der Grabhügel.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Karlsberg mit Karlsburgresten

Im ersten Bild geht es vorne links neben dem gelben Schild auf den Karlsberg. Zum Karlsberg und zur Karlsburg gibt es einen längeren Artikel in der Wikipedia. Die kürzeren Texte, die ich zur Karlsburg habe, weichen untereinander und gegenüber der Wikipedia in Einzelheiten etwas voneinander ab. Gemeinsam scheint aber zu sein, daß Karl der Große hier sehr wahrscheinlich nicht geboren wurde, daß sicher eine größere mittelalterliche Burg existiert hat, und daß Steine der Burg später für das Schloss Leutstetten verwendet wurden.

Bild 1: Aufstieg auf den Karlsberg

Vorgeschichtliche Hinterlassenschaften wurden gefunden. Aber etwas Größeres, also etwa ein herrschaftlicher Sitz zeitgleich mit den nahen vorzeitlichen Hügelgräbern auf der anderen Seite der Würm, ist reine Spekulation. Wenn man hochkommt sieht man auch, daß die Fläche für die mittelalterlichen Befestigungen vermutlich komplett überarbeitet wurde.

Bild 2: Aufstieg auf den Karlsberg

Es geht an der genannten Stelle in Bild 1 erst ein kurzes Stück relativ steil den Hang hoch. Wenn das Rad schiebend wieder einigermaßen in die Horizontale bekommt, ist man nahe an der Kameraposition in Bild 2. Hier habe ich die paar Mal, die ich hier war, immer mein Fahrrad stehen lassen. Links ist der Pfad, auf dem ich hochgekommen bin, und rechts geht es auf dem Pfad ohne besondere Anstrengung auf den Karlsberg weiter. Man befindet sich zunächst an der Seite der Vorwälle auf Höhe der Grabensohlen, Bild 3 zeigt einen Blick vom Pfad in den rechts davon liegenden letzten Graben vor der ehemaligen Burganlage.

Der Pfad führt an der Südseite des Karlsbergs und der ehemaligen Karlsburg entlang weiter nach oben, so daß man fast auf der den Wällen gegenüberliegenden Seite die Hochfläche erreicht. Bild 4 zeigt diesen flachen Bereich. Vermutlich wird man diesen Geländesporn oben komplett für die Burg aufbereitet haben, und auf der gefährdeten Seite des Sporns in Richtung Osten ist alles Wall oder Graben. Also wo sollte man vorgeschichtliche Spuren nachweisen? Vielleicht die Wälle untersuchen, um oben Abgeräumtes zu finden?

Bild 3: Letzter Graben vor der ehemaligen Karlsburg

Als ich die Fotos Anfang Oktober gemacht habe, war es auf der Fläche oben kaum windig. Eine ruhige Stimmung, warm, sonnig, und ab und zu kam ein trockenes Buchenblatt heruntergeflittert. Lauter war es an der Kante in Bild 5. Unten liegt das Forsthaus Mühltal und die Autostraße, die Kamera hat den Helligkeitsunterschied zum mit dem Auge erkennbaren Haus aber nicht gepackt.

Bild 4: Gelände der ehemaligen Karlsburg auf dem Karlsberg

Ich war etwa eine halbe Stunde oben und habe in der Zeit nicht versucht, irgendwelche Stellen der mittelalterlichen Burganlage zuzuordnen. Also ob das Loch in Bild 6 einen bestimmten Ort anzeigt, dem man archäologisch beikommen wollte, oder ob jemand wegen seiner Sehnsucht nach den drei Burgfräulein auf's Geratewohl gegraben hat. Auffällig ist auch die vertiefte Fläche auf der östlichen Seite in Bild 7 ist, oberhalb des ersten Grabens. Hatte die etwas mit der Burg zu tun oder nur mit dem späteren Abgraben von Material? Die entsprechenden Fans können da oben Stunden zubringen, um einen Überblick über die Wallanlagen und noch sichtbare Reste der Burg zu bekommen. Da wäre vielleicht eine Anfahrt mit dem Auto empfehlenswert, für das mir gleich vier Parkmöglichkeiten einfallen.

Man könnte am Aufnahmeort des ersten Bildes an der Straße parken, so wie es die Autofahrer unter den Wasserholern an der Mühltal- oder Bethenquelle tun. Die Straße ist nämlich die im letzten Blog-Eintrag erwähnte Abzweigung in Richtung „GOLF Gut Rieden“, vorne links geht es nach Gauting, vorne rechts führt die Straße nach Leutstetten und Starnberg weiter.

Bild 5: Blick vom Gelände der ehemaligen Karlsburg hinunter zum Forsthaus Mühltal

Der Fuß- und Radweg in Richtung Gauting führt zunächst links an der Straße entlang, dann geht es rüber zum Forsthaus Mühltal auf der rechten Seite der Straße, dort in den Wald und wie in einem Knick ein gutes Stück den Karlsberg hoch und dann wieder herunter nach Gauting. Wenn man stattdessen weiter hoch geht, müßte man von dort auch schnell auf den Karlsberg kommen. Man könnte die Tour also auch mit einem Besuch des Forsthauses Mühltal verbinden. Ich habe diese Strecke nach oben aber nie ausprobiert. Der erstgenannte Weg vorne im Bild 1 den Hang hoch wird dagegen offensichtlich viel begangen. Er ist aber in Gegenrichtung mit dem Fahrrad selbst zu Fuß ziemlich ungünstig, weil es unten kaum Auslauf gibt und die Autofahrer keinen aus dem Wald schlitternden Radler erwarten.

Bild 6: Gelände der ehemaligen Karlsburg auf dem Karlsberg

Wenn man wie beschrieben den Hang in Bild 1 hoch und nach der Karlsberg-Besichtigung genau diesen Pfad weiter geht, kommt man zunächst an den restlichen Vorwällen vorbei, danach wieder aus dem Wald und stößt auf eine Feldweg-Gabelung. Rechts geht es eine Kuppe hoch. Von der aus kann man ein Alpenpanorama sehen, wenn man Glück, und eine Ecke Starnberger See, wenn man ein Fernglas oder ein Zoom-Objektiv dabei hat (Bild 8). Nach der Kuppe geht es wieder nach unten, der Weg führt direkt hinter die Schlossgaststätte Leutstetten (Parkmöglichkeit 3).

Nimmt man an der Gabelung den Weg nach links und nicht den Weg hoch zur Kuppe, kommt man auf dem Feldweg bis zu der Autostraße, die aus Leutstetten in Richtung Osten hochführt. Und zwar, wichtig für Radfahrer, die mit ihren Kräften haushalten müssen, bis kurz vor das Ende des Anstiegs. Dort befinden sich auch Parkmöglichkeiten, man könnte von da entweder den Feldweg oder den Wald entlang zum Karlsberg laufen.

Bild 7: Gelände der ehemaligen Karlsburg auf dem Karlsberg

Zur Orientierung im Blog noch einmal das Bild 1: rechts vom Aufnahmeort geht es wie gesagt zur Mühltal- oder Bethenquelle. Dieser Weg ist wäre auch der Rad- und Fußweg, auf dem es nach Petersbrunn, zu St. Alto Leutstetten und zur Villa rustica Leutstetten weiter geht, außer man nimmt nach Leutstetten den Weg über den Karlsberg. Nach hinten führt die Straße hoch zum stillgelegten S-Bahnhof Mühltal, dort soll der Hügelgräberfriedhof mit dem „Grab der Seherin“ die nächste Station im Blog werden, danach geht es vorne im Bild links nach Gauting weiter.

Bild 8: Blick von oberhalb Leutstetten Richtung Starnberger See und Alpen

Zum letzten Blog-Eintrag bitte ich den Kommentar von Marcellina zu beachten, es geht um „einem der interessantesten Grabungsplätze Tirols“, den Goldbichl, bei dem in der Nähe eines Brandopferplatzes ein vermutliches Frauengrab gefunden wurde. „Vermutlich“ wohl wegen den wenigen gefundenen Knochenreste, und „Frauengrab“ wegen einem absichtlich zerbrochenen Webgewicht aus Stein. Die Website informiert über die archäologische Erforschung und gibt touristische Hinweise.

Marcellina hat auch Petersbrunn, St. Alto und die Villa rustica Leutstetten besucht und einiges in ihrem Blog-Eintrag Pagans In Bavaria: Leutstetten drin, was ich ausgelassen habe, sowohl im Text als auch bei den Bildern, insbesonders hat sie ein schönes großes Bild von Ainpet, Gberpet und Firpet. Passend zum Bethen-Thema gibt es auch einen aktuellen Beitrag in Archäologie Online über ein Heiligtum für die „sogenannten Matronae Vacallinehae“ auf einer Anhöhe im Nöthener Wald. Ob das jetzt den Karlsberg als Ort einer vorzeitlichen Drei-Göttinnen-Verehrung besser in's Spiel bringt? Anderseits, einen Brunnen gab es in der Anlage im Nöthener Wald auch...

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Die Mühltal- oder Bethenquelle

Nach dem Abstecher zum Münchner Marathon geht es in diesem Blog-Eintrag wieder an die Würm. Die letzte Station entlang der Würm war Petersbrunn. Wer die Reihenfolge im Blog einhalten will, der muß um zur Mühltal- oder Bethenquelle zu kommen von der Petersbrunner Kapelle den Weg wieder zurück zu der Brücke, über die man von der vorletzten Station St. Alto Leutstetten gekommen ist. Man überquert die Brücke aber nicht wieder, sondern biegt kurz vor der Brücke nach links in den Waldweg ein.

Mühltal- oder Bethenquelle

Die Quelle auf den Fotos wird teilweise als Mühltalquelle bezeichnet, ich habe sie als Bethenquelle kennengelernt. Der Name Mühltal kommt von den Mühlen, die es hier gegeben hat. Im Mühltal fließt die Würm. In sie mündet das Wasser der Mühltalquelle wenige Meter nachdem sie dem Hang entsprungen ist. „Bethenquelle“ kommt von den drei Bethen (oder Beten, je nach Schreibweise) in der Kirche St. Alto Leutstetten. Man findet den Namen auch in der Variante „Drei-Bethen-Quelle“ im Netz. Quellen gibt es hier übrigens häufig - ich habe auf dem kurzen Waldweg oberhalb der Würm hin zu dieser Quelle zwei weitere Quellen mit geringerer Schüttung gesehen, und ich vermute das Haus das am weiteren Verlauf des Waldweges liegt dürfte ein ewiges Wasserproblem haben.

Dieses und ein weiteres Haus am Weg, bis man wieder auf die asphaltierte Straße trifft, haben eine eigene Aktennummer im BayernViewer-denkmal (D-1-88-139-92 das Haus vorne an der Asphaltstraße, D-1-88-139-91 das näher bei der Quelle liegende Haus, beide mit Fotos). Man kann also wie beschrieben mit „Suche Denkmal“ auskundschaften, wo der Weg liegt, wenn man aus Richtung Gauting kommt. Oder man verzichtet auf den BayernViewer und achtet von dort aus einfach auf eine Abzweigung nach rechts mit einem Schild „GOLF Gut Rieden“. Dort über die Würmbrücke und dann gleich links hinunter auf den geschotterten Weg.

Mühltal- oder Bethenquelle

In einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks unter dem Titel die „Die Wasserquelle im Mühltal bei Starnberg“ wurde das an mehreren Stellen zutage tretende Wasser wie folgt erklärt: „Regenwasser, das sich auf der ersten Schicht feinen Sandes im Boden gesammelt hat: Dem Flinz. Die tiefe Schlucht der Würm hat sich durch den Moränenhügel gegraben, und wo sie den Flinz berührt, quillt das Wasser heraus.“ Bei Radtouren habe ich hier vom Quellwasser getrunken und meinen Vorrat für die Rückfahrt aufgefrischt. 2014 wurde aber vor dem Wasser durch Warnschilder gewarnt, siehe der Kommentar vom 1.10.2014. Ich habe daraufhin diesem Abschnitt auch eine Warnung hinzugefügt. Mittlerweile gibt es zu dem Thema das BR-Video „Umstrittenes Wasser“. Und da der ursprüngliche BR-Beitrag „Die Wasserquelle im Mühltal bei Starnberg“ schon lange nicht mehr zugreifbar war, habe ich den ganzen Abschnitt umgeschrieben (mehr dazu in Sacred Objects vom 26.2.2015). Ich denke, da es um die Volkserziehung geht, wird uns das Video länger erhalten bleiben. Die BR-Website mit dem Einführungtext, dem ich die Flinz-Information entnommen habe, sowie einem nachhörbaren halbstündigen Hörbeitrag über die Quelle, bleibt hingegen verschwunden. Ich hatte einen Stand von 7.06.2011 verlinkt. Am 1.09.2012 gab es noch einmal eine halbstündige BR-Weitwinkel-Sendung unter dem Titel, vermutlich eine Wiederholung. So, jetzt wieder weiter mit dem alten Text von 2011:

Bethenquelle passt historisch nicht so recht, als Quellheiligtum hätte Petersbrunn die älteren Rechte. Nur kommt man dort nicht mehr an das Wasser heran. Aber es wäre vielleicht auch vorstellbar, daß der ursprüngliche Kult auf dem Karlsberg stattgefunden hat, wenn es die vorzeitlichen Vorgängerinnen der drei Beten wirklich gab und die bis in die Form der drei unbekannten Heiligen durchgereicht wurden. Außerdem erwähnt Martin Bernstein in seinem zitierten Buch vermutete „vorchristliche Kultplätze“ im „nahegelegenen Wildmoos“, also auch so ein Umfeld der ursprünglichen Verehrung wäre statt einer aus dem Berg kommenden Quelle denkbar.

Mühltal- oder Bethenquelle

Zu ergänzen wäre, daß auch eine Verbindung von den unbekannten Heiligen in St. Alto zu einem Frauengrab („Grab der Seherin“) im nahen Hügelgräberfeld beim stillgelegten S-Bahnhof Mühltal gezogen wird. Demnach wäre die dort gefunden Tote eine der drei Beten gewesen. Wobei ich keinen Schimmer habe, in welchem Umfang diese einzelnen Vorstellungen von den Quell- und Hügelgrabbesuchern geteilt werden. Persönlich würde ich eine Version mit den Beten als gebannte Burgfräulein unter der ehemaligen Karlsburg bevorzugen, die dort auf den tapferen Jüngling warten, der sie erlöst. Gerne mit Gedankenleser-Fähigkeiten, damit es ihnen nicht langweilig wird. Und einer Gedankenleser-Suchmaschine, mit der sie herauskriegen können, wer gerade an sie denkt. Und die so mitlesen können, was ich von ihnen geschrieben habe.

Montag, 10. Oktober 2011

Marathon in München

Gestern war in München Marathon und wir waren als Zuschauer auf dem Königsplatz dabei. Für die Gesamtstreckenläufer ging es etwa bei Kilometer 34,5 auf den Königsplatz, es kamen aber auch die Läufer vom Staffelmarathon durch.

München Marathon vor der Glyptothek

Die Hauptattraktion auf dem Königsplatz war neben den Läufern eine Gruppe Samba-Trommler (das müßte die Bateria Z gewesen sein). Als wir gingen, hatten sie sich beim Zuschauerinteresse klar gegen die restlichen Läufer durchgesetzt. Seitens Glyptothek und Antikensammlungen war keine besondere Aktion zu sehen, also daß etwa die Fahnen mit den Ausstellungshinweisen kurzfristig durch „Erster Marathonlauf vor 2500 Jahren“ oder so ersetzt worden wären.

München Marathon vor den Propyläen

Nach gegenseitigem Desinteresse in München sah es schon zu Zeiten dieser Linksichtung im August aus. Anderseits hat mit Etsdorf vor einer Woche ein Marathon explizit in Erinnerung des antiken Laufs funktioniert, wenn auch zahlenmäßig verglichen mit München auf sehr kleinem Niveau.

München Marathon vor den Propyläen

Und der ehemalige Chef von Glyptothek und Antikensammlungen, Prof. Dr. Raimund Wünsche, hat im Gespräch mit der FAZ die Sportlichkeit der Griechen erwähnt: „Platon war ein erfolgreicher Ringer! Es gab Politiker, die zuvor Boxgiganten waren. Sport, Geist, Politik gleichwertig nebeneinander ist für uns schwer vorstellbar.“ Ist es vielleicht doch, vielen der Laufteilnehmer gestern würde so ein altgriechisches Lebensgefühl vermutlich nahe liegen.

München Marathon vor den Antikensammlungen

Die Resonanz auf das 2500jährige Schlachtjubiläum war allerdings generell nicht so groß - „dem Ereignis, das in der heutigen Tagespresse relativ unbekannt ist“ schreibt Dr. Jörn Kobes am Jahrestag der Schlacht. Wer mehr Auseinandersetzung mit dem Thema haben will, für den gibt es von ihm im Blog-Eintrag „Marathon – eine Podcast-Serie“ den Link www.marathon2500.org zu einer Vortragsreihe „bekannter Altertumswissenschaftler um Paul Cartledge “, deren Beiträge „(fast) alle“ „als Podcast erreichbar“ sind.

München Marathon vor den Antikensammlungen

Die Fotos vom Königsplatz will ich nutzen einen Hinweis von Dr. Ernst Theodor Mayer weiterzugeben. Er hatte mir anläßlich der Bilder von Glyptothek und Antikensammlungen im Blog-Eintrag „Neues von den Ägineten in der Münchner Glyptothek“ empfohlen, unter das eine "ionisch" (e Säulen) und unter das andere "korinthisch" (e Säulen) zu schreiben, sowie unter eine Propyläen-Abbildung "dorisch" (e Säulen) „- Denn viele sehen das nicht“. Raimund Wünsche hat in München TV ebenfalls auf die unterschiedlichen Säulen hingewiesen („nirgends kann man's so leicht lernen wie am Königsplatz“).

München Marathon vor der Glyptothek

Bei einem anderen Punkt, der oft nicht auffällt, den fehlenden Figuren im Giebelfeld der Glyptothek, gab es bislang keine Antworten auf die damals gestellte Frage, ob jemand Kenntnisse über deren Verbleib hat.

München Marathon vor den Propyläen

Abschließend wäre noch auf die Lange Nacht der Münchner Museen am nächsten Samstag hinzuweisen, das Programm gibt es bei www.muenchner.de. Die Glyptothek lockt zur „Kampf um Troja“-Ausstellung mit „Konservatoren und Restauratoren“, die „technische und inhaltliche Fragen der Ergänzungstechnik“ erläutern und „neue Forschungsergebnisse zur Farbigkeit der Skulpturen“ vorstellen.

Freitag, 7. Oktober 2011

Petersbrunn

Hier Bilder von dem, was von dem im letzten Blog-Eintrag über St. Alto Leutstetten erwähnten „Bad Petersbrunn“ geblieben ist. Die Informationstafel verwendet die Bezeichnung „Wildbad Petersbrunn“, was wohl auf das „Wildpad Petersbrunn“ in einem alten Schriftstück zurückgeht.

Kapelle St. Peter Petersbrunn

Die Bilder sind von einer aktuellen Radtour Anfang Oktober. Bei den vorherigen beiden Einträgen habe ich Bilder von Ende August verwendet. Damals ging es ab der Villa Rustica Leutstetten abgesehen von einem Abstecher die Würm entlang abwärts bis Gauting. Aktuell ging es ab Gauting weitgehend würmaufwärts. Ich werde darauf noch eingehen.

Informationstafel zur Station Wildbad Petersbrunn des Rundwegs Rund ums Leutstettener Moos

Zu der Petersbrunner Kapelle St. Peter kommt man von St. Alto ganz schnell, in dem man nach Leutstetten nach links über die Würmbrücke in Richtung Starnberg fährt. Das Mahnmal in Bild 3, das an die Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau erinnert, die im April 1945 hier vorbeigetrieben wurden, ist ein paar Schritte entfernt. Das Mahnmal hätte man ruhig auch gut sichtbar neben die Kapelle setzen können.

Mahnmal zur Erinnerung an die Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau, die hier im April 1945 vorbeigetrieben wurden

Die Kapelle wurde nach der Infotafel 1513 erbaut, hat also noch die besten Zeiten der Bad-Vergangenheit miterlebt. Bei der Kapelle ist eine Kanalisationsabdeckung, unter der ein starkes Rauschen zu hören ist. Vielleicht bedeuten die silbernen Teile rechts im vierten Bild, daß auch ein Teil des Wassers als Trinkwasser genutzt wird. Vor Ort gibt es aber keine Gelegenheit, Wasser zu zapfen. Vermutlich gleichartiges Wasser tritt aber bei der nahen Mühltal- oder Bethenquelle und am Weg zu ihr mehrfach an die Oberfläche.

Kapelle St. Peter Petersbrunn

Das „Wildbad Petersbrunn“ ist, wie man an der Informationstafel sieht, in den Rundweg „Rund ums Leutstettener Moos“ eingebunden, den ich schon im Blog-Eintrag über die Villa rustica erwähnt habe. Auf dem Rundweg geht es entlang der Straße in Richtung Starnberg weiter, optional mit einem Umweg über das oberhalb liegende Gut Rieden. Martin Bernstein beschreibt in seinem Buch „Römerstraßen und Kultplätze“ eine Rundwanderung unter Einbindung von Petersbrunn, Gut Rieden und dem stillgelegten S-Bahnhof Mühltal mit Abstechern von der Rundstrecke zu den Hügelgräbern beim S-Bahnhof Mühltal und zu St. Alto in Leutstetten. Wie in der Buchbesprechung geschildert, hat seine Tour aber den Nachteil, daß sie nicht wirklich an die neuen Gegebenheiten angepasst ist - also die Anbindung an eine bestehende S-Bahn-Haltestelle und die Kenntnisnahme der für Besucher aufbereiteten Villa rustica fehlt.

Montag, 3. Oktober 2011

St. Alto Leutstetten

In der kleinen Kirche St. Alto habe ich es bislang nur bis in den Vorraum geschafft, der durch ein Gitter vom Hauptraum abgeschlossen ist. Das ist wesentlich weniger schlimm, als überhaupt nicht hinein zu kommen. Der Altar ist von dieser Position zu sehen und Ainpet, Gberpet und Firpet auch, wenn man weiß wo sie sind. Also nahe an das Gitter geht und nach rechts blickt. Hier ein Bild des Altars auf der Homepage der Pfarrgemeinde St. Ulrich / Wangen bei Starnberg. Und in der Wikipedia gibt es zum Stichwort „Beten“ ein Bild von Ainpet, Gberpet und Firpet.

St. Alto Leutstetten

Der im Blog-Eintrag über die Villa rustica Leutstetten erwähnte römische Grabstein wurde unter dem rechten Seitenaltar vermauert gefunden. Die Verbindung zur Villa wird nach der Gesellschaft für Archäologie und Geschichte - Oberes Würmtal über die in Sichtweite der Villa am Ortsrand von Leutstetten, beim „Einbettl“, gefundenen römerzeitlichen Brandgräber und den schwierigen Transport des schweren Grabsteins gezogen. „Es ist also wahrscheinlich, daß der Grabstein zu den Brandgräbern gehört, die Brandgräber aber zur Villa“.

„Möglicherweise“ ein „Nebenwohnsitz“ in idyllischer Lage - vielleicht paßt die Größe des Anwesens nicht zum Rittmeister und Ratsherrn. Was mich wirklich irritiert, ist die in der Wikipedia erwähnte lange Frist zwischen der Entdeckung auf „intensiv landwirtschaftlich“ genutztem Gelände und der „Rettungsgrabung“ ab 2001. Wenn es im angrenzenden Wald, unter Leutstettener Wiesen, Weiden oder Parkflächen ergänzende Informationen gäbe, würde da dann nicht gegraben? Außerdem ist die „Sichtweite“ zur Villa in etwa die im letzten Blog-Eintrag erwähnte Viertelstunde Fußweg. Und die Steine der nahen Karlsburg sollen „u.a.“ für den Bau von Schloss Leutstetten verwendet worden sein, d.h. für diesen Bau hätte man auch noch ein paar römische Gebäude verschwinden lassen können.

Die Verbindung von Grabstein und Villa wirkt aber deutlich solider als das, was im Netz zu Ainpet, Gberpet und Firpet zu finden ist. Man weiß offenbar, daß das Gemälde 1643 als Votivbild entstanden ist und über die im 19. Jahrhundert abgerissene Einbettl-Kapelle nach St. Alto gelangte. Martin Bernstein stellt in seinem Buch „Römerstraßen und Kultplätze“ eine dreifache Göttin für Wachstum, Tod und Wiedergeburt der frühen Ackerbau treibenden Völker in den Raum, verweist auf die Matronen der Kelten, auf die „Göttin Perchta“ und ein offenbar besonders langes Nachleben der dreifachen Göttin in Bayern. Anderseits zitiert er auch das Denkmalverzeichnis für den Landkreis Starnberg: „Ihr Kult ist sagenumwoben, sein Auftreten in Leutstetten weder zeitlich noch ursächlich erklärt.“

St. Alto Leutstetten

Martin Bernstein verknüpft Ainpet, Gberpet und Firpet bzw. ihre eventuellen heidnischen Vorlagen mit der Quelle im nahen Petersbrunn, die als heilkräftig galt und wo die Stifterin des Bildes gleichfalls als Stifterin auftrat (mehr zu dieser Quelle findet sich hier bei Indian Summer, dort ab „Das erste Heilbad Bayerns - Bad Petersbrunn“). Anderseits soll es auch eine Sage mit drei Frauen auf der nahen Karlsburg geben, die bislang unerlöst wegen einem Bannfluch dort drei Truhen zu bewachen haben.

Samstag, 1. Oktober 2011

Villa rustica Leutstetten

Bei dem derzeit schönen Wetter bietet sich ein Ausflug in das Würmtal zur Villa rustica Leutstetten an. Unsere Fotos sind Ende August entstanden.

Villa rustica Leutstetten

Für die Anfahrt mit dem Auto liegt die Villa nicht so bequem, vermutlich braucht man eine Viertelstunde von einer Leutstettener Parkgelegenheit. Anderseits ist die Villa rustica nur ein paar Meter von dem Fuß- und Radweg zwischen Leutstetten und Percha entfernt, und diese Wanderstrecke ist gut an die S-Bahn angebunden. Bei der Stadt Starnberg kann man eine pdf-Datei mit Informationen über die Villa rustica herunterladen, darin gibt es einen Tourenvorschlag „Rund ums Leutstettener Moos“ unter Einbindung der S-Bahn-Haltestelle Starnberg Nord. Alternativ ginge bspw. auch eine Strecke unter Einbeziehung der S-Bahnhöfe Gauting und Starnberg, wie hier bei „Wandern mit GPS“ beschrieben.

Villa rustica Leutstetten

Ein wichtiger Punkt in der pdf-Datei der Stadt Starnberg sei hervorgehoben: vom Mai bis Oktober gibt es am 1. Sonntag im Monat um 15 Uhr Führungen. Wenn man keine eigene Führung vereinbaren will, wäre also morgen der letzte Termin in diesem Jahr. „Die Gesellschaft für Archäologie und Geschichte Oberes Würmtal e.V. unterstützt die Stadt Starnberg bei der Betreuung der Villa rustica in Leutstetten.“ - hier der Link zu diesem Verein. Als weiterführende Literatur wird im Schutzbau der Villa rustica auf „Ein Fenster in die Römerzeit - Die Villa rustica von Leutstetten. Starnberger Stadtgeschichte Bd. 2“ verwiesen.

Villa rustica Leutstetten - Panoramabild aus fünf Einzelbildern

Einen umfangreichen Text zur Villa rustica gibt es auch in der Wikipedia. Dort kann man sich auch mittels eines Luftbilds über die Lage der Villa etwas orientieren. Dabei ist der im Text erwähnte Aspekt zu beachten, daß der Starnberger See in antiker Zeit bis an die Villa heranreichte. Mehr Luftbilder finden sich bei Klaus Leidorf.

Villa rustica Leutstetten

Eine Besonderheit der Villa rustica Leutstetten ist, daß man vielleicht sogar durch einen in der Leutstettener Kirche St. Alto vermauerten römischen Grabstein die Namen des hier zeitweilig lebenden Ehepaars und ein wenig den Lebenslauf des Gatten kennt. Nach der Wikipedia hätte es sich um einen römischen Veteranen gehandelt, einen ehemaligen Decurio einer Reitereinheit, der aus dem heutigen Braga in Nordportugal stammte. Der Verstorbene war zudem Stadtrat einer größeren römischen Siedlung, nach der Wikipedia soll aber die Nennung von Augsburg - so habe ich das auch zuerst gehört - auf einer fehlerhaften Lesung der Erstpublikation beruhen.