Donnerstag, 26. Februar 2009

Online in alte Zeiten

Ein Museumsbesuch ist derzeit bei uns nicht mehrheitsfähig. Wir brauchen jetzt Frühling und Sonne. In den letzten freien Tagen sind wir für ein bisschen mehr Helligkeit im Schnee herumgestapft und dann wieder in die warme Wohnung zurück.

Dort lassen sich derweil auch online ein paar nette Ausflüge in die Vergangenheit machen:

Via dem Hapke-Blog bin ich bei der Ausstellung „Booksmarks 2009 - Wissenswelten von der Keilschrift bis YouTube“ in der kestnergesellschaft, Hannover gelandet. Vor Ort ging die Ausstellung nur bis 15. Februar, das muß kein Nachteil sein, Thomas Hapke findet besonders die Ausstellung im Netz beispielhaft.

Also mal durchhangeln oder als Appetithappen gleich zu ägyptischen Hieroglyphen bei Youtube springen, hier im Vortrag von Christian E. Loeben, dem Leiter der Ägyptischen Sammlung am Museum August Kestner: http://www.youtube.com/watch?v=_QQsqrSxOF0.

Wer solche Online-Vorträge mag, darf sich für eine umfangreiche „Introduction to Ancient Greek History“ von Donald Kagan zurücklehnen. Bis man diese Vorlesungen durch hat, ist vielleicht schon der Schnee draußen geschmolzen. Diesen Link verdanke ich einem Eintrag von Klaus Graf in seinem Weblog „Archivalia“.

Alte Griechen und heutiges Griechenland - mehr dazu findet sich bei Nera Ide in ihrem Blog „Edle Einfalt, stille Größe“. Upps, wie präsent bei den heutigen Griechen das alte Byzanz ist, das hätte ich nicht erwartet, der Beitrag über eine Reise nach Istanbul (bzw. Konstantinoupoli) war wirklich sehr interessant.

Mittwoch, 18. Februar 2009

Buch über das UNESCO-Welterbe am Main

Titel: „Welterbe Limes. Roms Grenze am Main.“
Autor: Bernd Steidl.
Herausgegeben von der Archäologischen Staatssammlung München. Mit Beiträgen von Ludwig Wamser und Horst Zimmerhackl.
Logo Verlag Eric Erfurth, Obernburg am Main, 2008, 298 Seiten, 276 Abbildungen, Illustrationen und Karten, eine Kartenbeilage, Preis 21,80 €, ISBN 978-3-939462-06-4



Wie bei „Der römische Limes in Bayern“ geht es um einen Teilabschnitt des Limes, aber mit anderer Zielsetzung. „Der römische Limes in Bayern“ konzentriert sich bei der kurzen Betrachtung der Römerzeit vor allem auf das Militärische, das Buch ist Wanderführer am Limes und Führer zu Museen und früheren Militärorten. „Welterbe Limes“ versucht dagegen die römische Präsenz umfassend über das Militärische hinaus darzustellen, beleuchtet auch noch den Übergang in das Mittelalter, beansprucht aber keine Führer-Funktion zu örtlichen Sehenswürdigkeiten und Museen.

Der Inhalt ist wie folgt: „Der Weg ins Weltreich“ geht auf die Expansion der Römer und die Entstehung des Limes ein, und zwar jeweils von den großen Strömungen im Imperium schnell zu den lokalen Auswirkungen übergehend. „Leben am Limes“ widmet sich Bevölkerung und Militär, Verkehr und Besiedlung, Wirtschaft, Götterwelt und Lebensart. „Ende des Limes und germanischer Neuanfang“ behandelt den Zerfall des Limessystems und den Übergang in das Mittelalter. Abschließend eine in „Imperium“ und „Mainregion“ unterteilte umfangreiche Zeittafel, ein kürzeres Glossar, eine sehr lange Literaturliste, die nach Themen und nach einzelnen Kastellorten unterteilt ist, ein in Geografie, Personen, Götter und mythische Gestalten unterteiltes Register, und ein separates Faltblatt mit einem Luftbild, auf dem die Kastelle am Main, die verbindenden Römerstraßen und die Landlimes-Anschlußstücke eingezeichnet sind.

Wie der Limes-Wanderführer hat das Buch sehr kompetente Autoren: Bernd Steidl ist Leiter der Abteilung Römerzeit an der Archäologischen Staatssammlung München. Ludwig Wamser ist deren Direktor, von ihm ist das Herausgeber-Geleitwort und die Beiträge zu den Miltenberger Kastellen. Horst Zimmerhackl befaßt sich mit dem Gebiet im frühen Mittelalter, er ist Geschäftsführer der Monumenta Germaniae Historica (siehe www.mgh.de).

Das Attribut „umfassend“ auf dem Buchrücken und in der Buchwerbung ist wirklich nicht übertrieben. Bernd Steidl scheint dort jeden gefundenen römischen Stein zu kennen, seine Nutzung in einem Heiligtum, für ein landwirtschaftliches Gut oder das Militär, wo der Stein vermutlich gebrochen und bearbeitet, auf welchen Verkehrswegen er befördert und wie er gefunden wurde.

Elegant ist die Einbettung der Main-Kastelle in den Text (Seligenstadt, Wörth, Obernburg, Großkrotzenburg, Trennfurt, Stockstadt, Niedernberg, Miltenberg/Bürgstadt und Miltenberg-Altstadt). Innerhalb der behandelten Themen beginnen die Kastell-Abschnitte mit einem ganzseitigen Luftbild und eingezeichnetem Grundriss, und der Abschnitt liefert dann neben Bemerkungen zum jeweiligen Kastell wie etwa den stationierten Einheiten auch einen Beitrag zum einbindenden Thema.

Gut fand ich auch die Tiefe der Darstellungen, ein Beispiel ist die Vorstellung des Kastells als „Stadt im Kleinen“, dessen immer wiederholtes Grundschema über die Idealvorstellungen antiker Stadtplaner erklärt werden kann. Eine damalige Säge würden wir heute verständlich und funktional finden, anderes von damals ist heute wesentlich schwerer nachzuvollziehen, und da wäre ganz allgemein mehr von solchen Darstellungen damaligen Denkens zu wünschen.

Unterm Strich ein sehr gutes Buch, aber mit einem kleinen Knackpunkt: es ist Begleitband bzw. Ausstellungskatalog (beide Begriffe sind zu finden) zur gleichnamigen Ausstellung, die vom vom 4. April bis zum 14. September letzten Jahres in der Archäologischen Staatssammlung München stattfand.

Das Buch ist zwar problemlos auch ohne Ausstellung zu lesen — ich habe es bei seiner öffentlichen Vorstellung in der Archäologischen Staatssammlung letztes Jahr gekauft, aber erst jetzt gelesen. Das Buch ist auch kein Katalog im Sinne eines Verzeichnisses der Ausstellungsstücke; es werden u.a. Ausstellungsstücke im Buch abgebildet, ohne daß direkt Bezug zur Ausstellung genommen wird. Insofern wäre der Begriff Begleitband treffender.

Der kleine Knackpunkt liegt für mich darin, daß das Buch wohl mit der Ausstellung im Hinterkopf nicht besonders auf andere Besichtigungsorte angeht. Es gibt keine Hinweise wie bei „Der römische Limes in Bayern“ auf Sehenswertes in lokalen Museen, es gibt auch keine Hinweise im Text, wenn bspw. ein Merkurheiligtum am Greinberg erwähnt wird, wo die Überbleibsel heute zu sehen sind und ob dort am Greinberg der Ort des Heiligtums ausgezeichnet ist.

Man kann aus den Abbildungsquellen einige örtliche Museen herausfinden. Hilfreicher und generell als Ergänzung zum Buch lesenswert ist aber die Nr. 121 der „Mitteilungen der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte“. Diese Ausgabe ist der Ausstellung gewidmet und enthält neben Museumshinweisen auch sonst Interessantes zu den Ausstellungstücken wie etwa Orginaltexte und Übersetzungen der Steininschriften.

Samstag, 7. Februar 2009

Luxus und Dekadenz in München

„Luxus und Dekadenz — Römisches Leben am Golf von Neapel“ — so ein Ausstellungsthema sollte ein Selbstläufer sein. Zudem sorgten Zwischenstationen in Haltern am See, Bremen und Nimwegen für ein sachtes publizistisches Grundrauschen und steigerten die Erwartungshaltung. Seit heute kann die Ausstellung bis zum 30. August 2009 in der Archäologischen Staatssammlung München besucht werden.

Kommentar meiner besseren Hälfte: „Schöne, harmonische, ausgewogene Ausstellung, richtig stimmig, ein große Breite abgedeckt, aber nicht zuviel, nicht erschlagend, erlesene Stücke, Atmosphäre gut.“

Längere Beschreibungen gibt es bei Merkur-Online: „Prasser, Sklaven und die Kunst“ und „Eine Dame wird ausgepackt“. Den zweiten Artikel finde ich auch wegen der Bildstrecke besonders anschauenswert.

Um die Muräne zu Beginn der Ausstellung war es zu voll, von dieser Computeranimation habe ich nichts mitbekommen. Etwas weiter haben sich die Besucher etwas verlaufen und man kam immer gut an die Exponate heran. Ein Wechsel zwischen Hell und Dunkel; vermutlich auch konservatorisch motiviert, die Malereien waren in den dunklen Räumen. Ich bin eingedenk der letzten Ausstellungerfahrung testhalber näher an die Ausstellungsstücke als normalerweise und konnte sie nicht beschatten, also die Beleuchtung war sehr gut positioniert. Stolperer sind wegen der kleinräumigeren Archäologischen Staatssammlung gegenüber dem langen und breiten Karlsruher Schloßflügel dennoch nicht ausgeschlossen, außerdem ist die Ausstellung über Geschosse verteilt. Bei der Akustik ist das aber wohl ein Vorteil. Die Geräusche der anderen Besucher bleiben in den einzelnen Räumen hängen und man kann wie in der Ausstellung Teile ungestört voneinander mit Vogelgezwitscher und Musik beschallen.

Neben den Exponaten gibt es auch kurze 3D-Computeranimationen der Luxusvillen zu sehen - von außen und innen und im Zeitraffer mit Öllampenbeleuchtung und mit Sonnenaufgang, zwei der Animationen waren integriert zwischen anderen Exponaten, eine mit großer Leinwand in einem eigenen Raum mit Sitz/Liege-Säcken. Eine willkommene Pause, bei der man sich wie ein Gast in einem der untergegangenen Speisesäle fühlen durfte. Die Gladiatoren im abschließenden Raum waren schon etwas zu sehr herausreißend aus der schönen Welt.

Aus dem hohlen Bauch heraus würde ich sagen, die Ausstellung hat sich nicht soviel archäologisch Unbekanntem gestellt wie die Karlsruher Ausstellung. Hinzu kommt, daß die bei Capri versunkene Sonne schon öfters in den letzten Jahren in München wieder aufgegangen ist. Nahe zurückliegend die Herculaneum-Ausstellung am selben Ort. Ich denke aber mehr an die Ausstellung „Odysseus: Mythos und Erinnerung“, die im Haus der Kunst zum Jahreswechsel 1999/2000 stattfand. Das skulpturale Ensemble damals war zwar wuchtiger. Heute sorgt allein schon die oben erwähnte Dame für Eindruck, der man im Eingangsraum in nächster Nähe gegebensteht. In dieser Ausstellung blieb das Gefühl, an die Exponate besser heranzukommen, daß die Ausstellung intimer und instruktiver ist und mehr Wissen über die damaligen Ausstattungsmöglichkeiten hängenbleibt. Wir gehen nochmal hin.

Links:

Die Webauftritt der Ausstellung: www.luxus-ausstellung.de

Das beachtenswerte Rahmenprogramm in der Archäologischen Staatssammlung: www.archaeologie-bayern.de/ak_ve.html

Einige schöne großformatige Bilder von Ausstellungsstücken: www.archaeologie-bayern.de/pr_01.html

Donnerstag, 5. Februar 2009

Vergangenheitsausflug via Volkshochschule

Die Suchfunktion der Münchner Volkshochschule auf www.mvhs.de ist für mich fast wie der Kaffeeautomat in Kottan ermittelt. Tausendmal habe ich in die „Schnellsuche“ einen Suchtext eingetippt und dann die Return-Taste berührt. Passiert ist nichts, ich hätte stattdessen das „Suche starten“-Feld anklicken müssen. Bei der „Volltextsuche“ erinnere ich mich an das Anklicken und vergesse das notwendige Häkchen. Und letzten Montagmorgen, dem Programmveröffentlichungs- und Anmeldestarttag für das Sommersemester, habe ich es nicht einmal geschafft einen Dozentennamen via „Schnellsuche“ zu finden. Abends zu zweit ging das. Trotzdem glaube ich noch nicht, daß die Suchfunktion wie der Kottan'sche Kaffeeautomat personalisiert ist, sondern an irgendwelche datenbanktechnisch ungegrabene Startlöcher.

Gesucht habe ich Montag morgens den Namen „Becker“. Dr. Frank Stefan Becker war der freundliche, engagierte und kompetente Dozent des letzten Vortrages an der VHS, den wir uns angehört haben: „2000 Jahre Rom — Aufstieg, Fall und Renaissance“. Gefunden, wie gesagt sicher eine zeitlich befristete Umstellung, habe ich beim Suchwort „Becker“ nur einen Vortrag über Frau Modersohn-Becker. Mittlerweile funktioniert die Suche und liefert 26 Treffer — neben Frau Modersohn-Becker im Kurstitel auch verschiedene Dozenten Becker. Suche ich mit „Frank Becker“ wird die Suche perfekt. Montagmorgen habe ich dann mal statt „Becker“ „Römer“ eingegeben. Das ergibt über 150 Treffer wegen den Veranstaltungsorten im Bürgerhaus Römerschanz und in der Römerstraße, es gibt sogar eine Frau Römer. Habe ich ein Glück, daß der Herr Becker nicht Herr Bäcker heißt. Bei der Suche nach „Bäcker“ gibt es über 350 Treffer wegen dem Veranstaltungsort Bäckerstraße. Später entdeckt: „Bäcker“ in Hochkomma angeben reduziert die Menge auf einen alleinstehenden Bäcker.

Jedenfalls, wenn diese Hürde überwunden ist, wird alles höchstwahrscheinlich gut: sehr interessante Kurse, Sie können sich online anmelden, und die zu diesem Blog passenden Kurse sind oft nicht so heiß begehrt, manchmal können Sie noch bis zum Kurstermin und sogar noch vor Ort eine Karte erwerben. Sie sollten bei Voranmeldung eine Telefonnummer mit Anrufbeantworter hinterlassen, dann kann noch relativ kurzfristig bei Ihnen abgesagt werden, wenn der Kurs nicht stattfindet. Das Beste: Sie müssen keine Studienarbeiten schreiben und werden auch nicht benotet.

Ich gebe mal einige Kurstitel und einen Themenbereich zur Weitersuche für Sie vor — Sie werden sicher mehr als ich finden. Suche im Text zur Veranstaltung funktioniert gerade (bei mir) nicht, also trotz Volltext-Versprechen bringt z.B. „Keltenschanze“ „0 Treffer“, obwohl die Keltenschanze Buchendorf in den Texten vorkommt zu den Radtouren „Tritt für Tritt entlang der alten Römerstraße“ und „Auf den Spuren der Kelten und Römer im Würmtal“ sowie zwei „Keltenschanzen“ in der Wanderung „Die Aubinger Lohe und ihre Sagen“. Weitere Kurstitel wären „Nebel, Sümpfe, schreckliche Wälder — Rom in Germanien“, das oben erwähnte, aber von zwei auf einen Abend verkürzte „2000 Jahre Rom — Aufstieg, Fall und Renaissance“. Weiter „Das Aristotelisch-Ptolemäische Weltbild der Antike“, „Einführung in das philosophische Denken der Antike — Denken als Lebensform und Lebenskunst“, „Hades, Elysium und Seelenwanderung — Das Jenseits in der griechischen Antike“, „Auf den Spuren der Antike in der Westtürkei“, „Literarische Klassiker: Ovid — Metamorphosen“, „Die Villa rustica bei Leutstetten“. Sehr ergiebig der Bereich „Kunst und Kultur in Europa“, zu dem Sie sich im Gesamtprogramm via „Kultur, Kunst, Kreativität“ und „Kunst- und Kulturgeschichte“ vorhangeln müssen. Hier finden sich zwei Streifzüge „durch die Archäologie“, „Römisches Leben am Golf von Neapel“, „Glanz und Elend des Imperium Romanum“, „Zypern von der Jungsteinzeit bis zum Ausgang der Antike“ und „Römische Villen“.

Sonntag, 1. Februar 2009

Buchbesprechung: „Der römische Limes in Bayern“

Titel: „Der römische Limes in Bayern. Geschichte und Schauplätze entlang des UNESCO-Welterbes.“
Autoren: Thomas Fischer, Erika Riedmeier-Fischer.
Herausgegeben vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege.
Verlag Friedrich Pustet, Regensburg, 2008, 230 S., Größe ca. 21 x 15,5 x 2 cm, Preis 26,90 €, ISBN 978-3-7917-2120-0


Ein Buch von Archäologen im Gesamtumfeld der Aktivitäten zur touristischen Erschließung des Limes. Es enthält neben dem geschichtlichen Teil einen Wanderführer und ist in kleinem Format zum Mitnehmen gedacht. Die Autoren verbinden wissenschaftliche Kompetenz mit jahrzehntelanger Limes-Erfahrung: Thomas Fischer ist Professor für Archäologie der römischen Provinzen, die erste Limes-Wanderung der Autoren geht auf das Jahr 1980 zurück.

Schnell werden in den ersten beiden Teilen die römische Okkupation Bayerns, erste Kastelle, das Vorschieben der Grenzlinie bis zum späteren Limes, die Spätantike mit Grenzbefestigungen und Befestigungen im Hinterland sowie die Forschungsgeschichte des Limes, Tracht und Bewaffnung der Limestruppen und die typischen militärischen Bauten am Limes überflogen.

Ab Seite 78 darf der Leser mit auf die Wanderung entlang des Limes vom ersten Wachturm auf bayerischer Seite bei der Straße zwischen Mönchsroth und Eck, bis der Limes bei Hienheim auf die Donau stößt. Die Kastelle lagen teils in Sichtweite der früheren Limes-Wachtürme, teils weiter entfernt im Hinterland und sind als Einschübe im Text beschrieben.

Der Wanderung schließen sich ab Seite 163 „Ausgewählte sonstige Militärplätze in Bayern von A-Z“ an. Hier finden sich die Kastelle an der Donau in der östlichen Fortsetzung des Limes, die obergermanischen Grenzkastelle am Main, die heute auf bayerischem Gebiet liegen, sowie Kastelle und Befestigungen, die während der einleitend beschriebenen Okkupation und später beim Zurückgehen auf die Donaulinie von Bedeutung waren.

Inhaltlich konzentrieren sich die Autoren sehr auf Militär, Limes und Militärplätze. Nur im Rahmen bspw. des Militärplatzes Faimingen/Phoebiana (Stadt Lauingen/Donau) mit Kastell und Stadtmauer wird auf römische Sehenswürdigkeiten wie die hier im Bild zu sehende Teilrekonstruktion der Tempelanlage des Apollo Grannus hingewiesen.



Im Anhang ab Seite 214 neben einem kürzeren Literaturverzeichnis und einem langen Register ein Verzeichnis von Museen mit Funden vom Limes und seinem Hinterland (fast nur bayerische Museen, plus Aalen und Saalburg, aber ohne das Römermuseum Osterburken). Ergänzend neben den Museumsadressen auch neun allgemein weiterführende Internetadressen.

Die zahlreichen Abbildungen trennen sich in Fotografien und Zeichnungen. Bei einem großen Teil der Kastelle und Wachtürme werden Planzeichnungen zur Veranschaulichung der Lage verwendet. Die vielen Planzeichnungen sind eine sehr gute Hilfe, sich die damaligen Verhältnisse vorzustellen. Wie einmal jemand sagte: „Der Limes ist ein Bodendenkmal. Das bedeutet, daß sich der größte noch vorhandene Teil im Boden befindet.“ Die notwendige Phantasie betrifft selbst Teile, die man versucht hatte wieder sichtbar zu machen — die Autoren weisen auch mal auf eine „wenig geglückte Art“ der Rekonstruktion hin.

Für die Limes-Wanderung gibt es auf jeweils zwei Buchseiten eine Überblickskarte und neun Wanderkarten. In die Wanderkarten im Format 1:50000 sind neben der Limes-Linie und den Wachtürmen auch die rückwärtigen Kastelle eingezeichnet. Neben diesen Karten sehen die aus unterschiedlichen Quellen stammenden kleinen Karten im einführenden Teil bisweilen wie eine Notlösung aus, und eine Überblickskarte für alle beschriebenen Militärplätze und aufgeführten Museen fehlt.

Die Sprache wirkt zwar sehr genau und konsistent, klingt aber mit der dauernden Verwendung von Begriffen wie „frühhadrianisch“, „spätrömisch“, „tetrachisch“, „ziviler Vicus“ plus dann und wann geologischen Fachbegriffen so, wie ich mir eine Archäologievorlesung vorstelle. Ein wirkliches Manko ist die Sprache nicht, verglichen mit der Alternative für die Auflösung der Fachbegriffe deutlich weniger Informationen zu bekommen. Die Zeitangaben dürften die Hauptschwierigkeit sein, da hilft es die Liste der römischen Kaiser bspw. aus der Wikipedia dem Buch beizulegen.

Sofern man mit der Einschränkung des Buches auf Limes und Militärplätze zurechtkommt, ist das Buch in seiner Verbindung aus Substanz und praktischer Verwendbarkeit sicher eine sehr große Bereicherung auf dem Markt.

Einen Überblick über den Limes mit weiterführenden Links gibt es bei der schon erwähnten Wikipedia. Sehr viele weitere Links mit umfangreichen, teils von Fachleuten erstellten Texten findet sich bei Archäologie Online. Wegen Unterkunft, Verpflegung oder öffentlichen Verkehrsmitteln könnte man versuchen sich mittels der im Buch angegebenen und nah am Tourismus gebauten Internetadresse www.bayerischer-limes.de voranzuhangeln. Eine weitere Besprechung dieses Buchs ist von Josef Löffl hier zu finden.